Apple hat erstmals die Marke von fünf Billionen US-Dollar Börsenwert geknackt und ist damit jetzt der wertvollste Konzern der Welt – vor Nvidia. Das klingt nach Stärke. Doch eine Entscheidung vom Dienstag offenbart eine überraschende Schwachstelle im Geschäftsmodell.

Apple ist an der Börse am Dienstag in neue Dimensionen vorgestoßen. Die Aktie des iPhone-Konzerns kletterte kurzzeitig auf ein Rekordhoch von 342,89 US-Dollar – und katapultierte die Marktkapitalisierung damit erstmals über die Marke von fünf Billionen US-Dollar. Seit Jahresbeginn hat das Papier nun schon rund ein Viertel zugelegt und ist damit mit Abstand der stärkste Wert unter den sogenannten Glorreichen Sieben. Zum Vergleich: Nvidia, Mitte Mai noch mit 5,7 Billionen US-Dollar bewertet, kommt nach einer kräftigen Korrektur nur noch auf 4,7 Billionen.

Doch ausgerechnet an diesem Rekordtag kündigte Apple ein Programm an, das in der Geschichte des Konzerns eine Premiere darstellt – und Anleger aufhorchen lässt.

Leasing-iPhone ab 17,99 US-Dollar im Monat

In einer Partnerschaft mit dem Finanzdienstleister Klarna bietet Apple künftig Leasing-Verträge für iPhones an. Unter dem Namen „Apple Upgrade" können Kunden in den USA ein iPhone 17 für bis zu zwei Jahre mieten; zu einem Preis von 17,99 US-Dollar im Monat. Wer das iPhone 17 Pro mieten möchte, zahlt 31,99 US-Dollar monatlich für zwei Jahre oder 45,99 US-Dollar für ein Jahr. Vor allem die Kooperation mit Klarna sorgt bei einigen Beobachtern für Stirnrunzeln, weil Apple damit auf eine Klientel zugeht, die als nicht besonders zahlungskräftig gilt – ganz anders als der typische iPhone-Nutzer.

Das Leasing-Programm ist in Apple Stores sowie im Online-Shop erhältlich. Nach einem sogenannten Soft-Credit-Check – also einer Bonitätsprüfung ohne Anfrage bei Kredit-Auskunfteien, ähnlich der Schufa – erhalten die Kunden ihr Gerät. Neben iPhones sind auch Apple Watch, Mac und iPad im Programm. Am Ende der Laufzeit muss das Gerät zurückgegeben, gekauft oder gegen ein neues Modell getauscht werden.

Gleichzeitig stellt Apple sein bisheriges „iPhone Upgrade Program“ in den USA ein und überführt bestehende Kunden in das neue Modell, wie der US-Börsensender CNBC berichtet. Der bisherige Plan kostete samt AppleCare-Garantie mehr als 42 US-Dollar im Monat. Das neue Angebot über Klarna ist also im Vergleich dazu erheblich günstiger.

Apple (WKN: 865985)

Zugeständnis nach jüngsten Preiserhöhungen?

Kritiker unken, dass Apple die neue Kooperation nicht ganz freiwillig eingegangen ist, sondern sie in Wahrheit eine Reaktion auf die jüngsten Preiserhöhungen darstellt: Vor einem Monat hatte Apple die Preise für iPads und Macs um mindestens 100 US-Dollar angehoben, sogar um mehr als 1.000 US-Dollar. Als Grund nannte der Konzern die stark gestiegenen Preise für Speicherchips, die die Komponenten stark verteuert hätten. Analysten erwarten, dass auch das nächste iPhone 18 Pro im Herbst teurer werden dürfte: Morgan Stanley schätzt, dass Apple den Preis für das Gerät um rund 200 US-Dollar anheben muss, um die Bruttomarge beizubehalten. Der Technologie-Blog „Tech Insights“ prognostizierte, dass steigende Speicher- und Komponentenkosten die Herstellungskosten eines iPhones sogar um bis zu 300 US-Dollar erhöhen könnten.

Das Leasing-Programm wäre somit eine elegante Antwort auf ein unbequemes Problem: Statt den Kunden mit einem höheren Preis zu konfrontieren, wird die monatliche Rate zum neuen Maßstab. „Die meisten Apple-Kunden kaufen ohnehin auf Raten oder mit Trade-in-Angeboten", erklärte Nabila Popal, Senior Research Director beim Marktforschungsunternehmen IDC, gegenüber CNBC. „Wir können mit noch aggressiveren Angeboten rechnen."

Weiterführende Links

Neue Zielgruppe, neues Risiko

Dass Apple nun mit Klarna zusammenarbeitet – einem Anbieter von Kleinstkrediten und Buy-now-pay-later-Finanzierungen –, überrascht. Jahrzehntelang hatte sich der iPhone-Konzern bewusst vom Discount-Segment ferngehalten und sein Premium-Image gepflegt. Die neuen Leasing-Einstiegspreise sprechen nun erstmals eine Zielgruppe an, die sich ein iPhone bislang nicht leisten konnte oder wollte – oder die aufgehört hat, alle drei Jahre ein neues Gerät zu kaufen.

Womit wir bei einem weiteren Problem wären, das erst kürzlich aufpoppte: Der durchschnittliche Ersatzzyklus für ein iPhone hat sich laut Berechnungen des Analysehauses Bernstein mittlerweile auf fast vier Jahre ausgedehnt. Es dauert also immer länger, bis Apple-Kunden ihr nächstes Gerät erwerben. Das Leasing-Modell soll Kunden offenbar dazu bewegen, häufiger zu wechseln und damit aus Sicht von Apple den Umsatz zu erhöhen.

Donnerstag kommen die Quartalszahlen

Ob sich als das bereits im Tagesgeschäft niederschlägt, werden die Zahlen zum dritten Geschäftsquartal zeigen, die Apple am kommenden Donnerstag, dem 30. Juli, nach US-Börsenschluss vorlegt. Es wird zugleich der letzte Quartalsbericht sein, den CEO Tim Cook präsentiert, bevor er an John Ternus übergibt und in die Rolle des Executive Chairman wechselt.

Investoren werden deshalb ganz genau hinhören: Wie hoch ist der Margeneffekt der Preiserhöhungen? Wie entwickelt sich das Geschäft mit den Services? Und welche Prognose gibt Cook für das wichtige Herbstquartal, wenn das iPhone 18 kommt? Der Rekord-Börsenwert von fünf Billionen US-Dollar ist dafür die Messlatte – die am Donnerstag auf die Probe gestellt wird.

Sie möchten den Tech-Schwerpunkt in Ihrem Depot wieder erhöhen?

Mit dem „Tech-Giganten-Index“ von BÖRSE ONLINE holen Sie sich 15 Tech-Giganten auf einen Schlag ins Portfolio – von Nvidia bis Tesla, von Micron bis Palantir. Wie Sie investieren können und welche Strategien dafür zur Wahl stehen, erfahren Sie hier.

Häufige Fragen zum Thema

Warum kooperiert Apple mit Klarna?

Klarna ist ein Anbieter von Kleinstkrediten und Buy-now-pay-later-Finanzierungen und spricht damit eher Discount-Kunden an. Apple hatte sich jahrzehntelang bewusst von diesem Marktsegment ferngehalten und auf sein Premium-Image gesetzt. Dass nun iPhones vergleichsweise günstig geleased werden können, spricht eine Zielgruppe an, die sich ein iPhone bislang nicht leisten konnte oder wollte. Manche Experten sehen das kritisch. Andere sehen darin eine Reaktion auf die im Juni angekündigten Preiserhöhungen von Apple.

Warum hat Apple die Preise für fast alle Geräte erhöht?

Alle Apple-Geräte, egal ob iPhone, iMac, iPad oder auch die VR-Brille Vision Pro benötigen neben schnellen Prozessoren vor allem Arbeitsspeicher. Speicherchips und Speicherlaufwerke sind aber wegen der hohen Nachfrage aus dem Bereich der KI-Anwendungen exorbitant teuer geworden. Diese Kostensteigerungen reicht Apple jetzt über seine Preise weiter.

Welches Unternehmen ist das wertvollste der Welt?

Seit Juli 2026 ist das wieder Apple. Damit löste der iPhone-Konzern Nvidia an der Spitze ab, das diese Position im Juni 2025 von Microsoft übernommen hatte.

Hinweis auf Interessenkonflikte:
Der Preis der Finanzinstrumente wird von einem Index als Basiswert abgeleitet. Die Börsenmedien AG hat diesen Index entwickelt und hält die Rechte hieran. Mit dem Emittenten der dargestellten Wertpapiere hat die Börsenmedien AG eine Kooperationsvereinba-rung geschlossen, wonach sie dem Emittenten eine Lizenz zur Verwendung des Index erteilt. Die Börsenmedien AG erhält insoweit von dem Emittenten Vergütungen.

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Apple.