Mit dem neuen Plan zum Ausbau seiner Rechenzentren verschärft China den globalen KI-Wettlauf. Dabei geht es nicht nur um mehr Kapazität, sondern auch um Kontrolle über Chips, Daten und Lieferketten.
China plant laut einem Bloomberg-Bericht, in den kommenden fünf Jahren rund 295 Milliarden US-Dollar in den Ausbau seiner nationalen Rechenzentrumsinfrastruktur und die heimische KI-Entwicklung zu investieren.
Wichtige Regierungsbehörden, darunter die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission, arbeiten demnach an einem Plan für ein landesweites Netzwerk miteinander verbundener Rechenzentren. Staatliche Betreiber wie China Mobile und China Telecom sollen den Großteil der neuen Anlagen betreiben und deren Vernetzung übernehmen.
US-Anbieter werden vom chinesischen Markt abgeschirmt
Dem Bericht zufolge soll der Plan vor allem auf heimische Unternehmen setzen, darunter Huawei Technologies. Mindestens 80 Prozent der Schlüsseltechnologien, etwa KI-Chips, sollen aus China stammen. Damit wird der chinesische Markt für US-Konzerne wie Nvidia und AMD weiter abgeschirmt.
Wie stark dieser Wandel bereits ist, zeigen Zahlen aus dem vergangenen Jahr: Reuters berichtete im November 2025, Nvidia beziffere seinen aktuellen Anteil am chinesischen Markt für fortgeschrittene KI-Chips auf 0 Prozent – verglichen mit 95 Prozent im Jahr 2022. Ursache dafür waren vor allem die Exportkontrollen der US-Regierung. Nvidia-CEO Jensen Huang bezeichnete diese Politik entsprechend deutlich als Fehlschlag: „All in all, the export control was a failure.“
China ist außerdem schon seit mehreren Quartalen nicht mehr in den Umsatzprognosen von Nvidia enthalten. Grund dafür ist das anhaltende politische Hin und Her zwischen Exportgenehmigungen, neuen Beschränkungen und chinesischen Gegenmaßnahmen.
Überschaubares Volumen im Vergleich zu den USA
Insgesamt zeigt der KI-Ausbauplan Pekings Ambitionen, eine unabhängige Recheninfrastruktur aufzubauen. Allerdings fällt das geplante Investitionsvolumen von 295 Milliarden US-Dollar deutlich kleiner aus als die 725 Milliarden US-Dollar, die die großen US-Hyperscaler in diesem Jahr für KI ausgeben wollen.
Hinzu kommt: Chinas Investitionsvolumen verteilt sich auf fünf Jahre und entspricht damit rund 60 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Verglichen mit den Summen jenseits des großen Teichs wirkt das zunächst überschaubar.
Ein weiterer Unterschied liegt in der Finanzierung. Während die KI-Investitionen in den USA vor allem von privaten Technologiekonzernen getragen werden, soll die Finanzierung in China hauptsächlich über staatliche Mittel erfolgen, darunter ultralang laufende Regierungsanleihen. Zusätzlich sollen staatliche Investmentfonds, Bankkredite und privates Kapital eingesetzt werden. Der Plan befindet sich laut Bloomberg allerdings noch in einem frühen Stadium und könnte sich daher noch ändern.
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Häufig gestellte Fragen:
Auf welchen Zeitraum verteilen sich die 295 Milliarden US-Dollar an KI-Investitionen von China?
Die geplanten Ausgaben verteilen sich auf fünf Jahre. Das entspricht rund 60 Milliarden US-Dollar pro Jahr.
Wie wichtig ist China für Nvidia?
Der chinesische Markt spielt für Nvidia derzeit nur eine untergeordnete Rolle, da China in den Umsatzprognosen nicht mehr berücksichtigt wird. Kurzfristig ist der Schaden begrenzt, weil Nvidia seine KI-Chips auch in anderen Märkten verkaufen kann. Mittelfristig droht jedoch der Verlust eines wichtigen Absatzmarktes – vor allem, wenn chinesische Anbieter wie Huawei ihre eigenen KI-Chips weiter verbessern.
Welche chinesischen Anbieter profitieren vom Hin und Her bei den Exportbeschränkungen?
Zu den größten Profiteuren zählt Huawei mit seinen Ascend-KI-Chips. Daneben könnten auch weitere chinesische Chipanbieter sowie staatliche Telekomkonzerne wie China Mobile und China Telecom profitieren, da sie beim Aufbau der neuen Rechenzentren und der heimischen KI-Infrastruktur eine zentrale Rolle spielen sollen.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Nvidia.