Der Konzern hat den Contitech-Deal unter Dach und Fach gebracht. Der künftige Fokus auf das Kerngeschäft und die Ausicht auf eine hohe Sonderdividende bringen Schwung in die Aktie.
Der Umbau des DAX-Konzerns vom breit aufgestellten Autozulieferer zum reinen Reifenhersteller steht kurz vor dem Abschluss. Am 4. Juli wurde der Vertrag zum Verkauf von Contitech an den Finanzinvestor Lone Star Funds unterzeichnet. Die Unternehmenstochter, die unter anderem Schläuche, Antriebsriemen und Förderbänder für die Industrie herstellt, wurde dabei mit vier Milliarden Euro bewertet. Hinzu können erfolgsabhängige Komponenten von bis zu 250 Millionen Euro kommen. Vorbehaltlich der behördlichen Genehmigungen soll der Verkauf noch bis Ende des Jahres erfolgen. Für Aktionäre besonders interessant: Continental erwartet aus der Transaktion einen Mittelzufluss von 3,1 Milliarden Euro und will davon 2,5 Milliarden Euro über eine Sonderdividende oder eine Kombination aus Aktienrückkäufen und Sonderdividende an die Anteilseigner weitergeben. Im Fokus auf das Kerngeschäft liegt die neue Stärke des Konzerns. Der Umsatz im Reifengeschäft lag 2024 und 2025 bei 13,9 bzw. 13,8 Milliarden Euro, die operative Marge bei 13,5 bzw. 12,9 Prozent. Contitech dagegen rutschte 2025 bei sechs Milliarden Euro Umsatz operativ mit 556 Millionen Euro ins Minus. Im ersten Quartal 2026 zeigte sich ein ähnliches Bild. Nach der Abspaltung der Autozuliefersparte Aumovio im letzten Jahr und der Antriebssparte Vitesco im Jahr 2021 wird der DAX-Konzern nach dem Verkauf von Contitech deutlich schlanker und profitabler sein. An der Börse wird das bereits honoriert. Die Aktie notiert am 7. Juli bei 74,90 Euro und hat seit Jahresbeginn mehr als zwölf Prozent gewonnen. Damit hat sie sich von den Rückschlägen infolge des Iran-Kriegs erholt und nähert sich wieder der Marke von 80 Euro, die zuletzt 2021 überschritten wurde. Bemerkenswert ist auch der Vergleich mit dem Branchenindex Stoxx Europe 600 Automobiles & Parts, der im selben Zeitraum über 15 Prozent verloren hat. Zusätzlichen Schub könnte ein Machtwechsel an der Spitze bringen. Sabrina Soussan hat Ende April den Aufsichtsratsvorsitz übernommen. Die ehemalige CEO von Siemens Mobility und Suez ist bekannt dafür, Transformationsprozesse energisch voranzutreiben. Sie setzt sich unter anderem für eine Erweiterung des Vorstands um einen Produktionsvorstand und drei Regionalvorstände ein, wie das Manager Magazin berichtet. Soussan wird ein gutes Verhältnis zum Conti-Großaktionär Georg Schaeffler nachgesagt, was ihren Einfluss beim DAX-Konzern noch erhöhen dürfte.
Fazit
Neue Dynamik an der Spitze, erfolgreiche Konsolidierung und die Aussicht auf eine hohe Sonderdividende machen die Aktie attraktiv. Wir erhöhen das Kursziel auf 90 Euro. Beim Stoppkurs ist berücksichtigt, dass die Sonderdividende laut Analystenberechnungen bis zu 12,50 Euro je Aktie betragen könnte.