Während europäische Konkurrenten wie Unicredit davongeeilt sind, hinkt die Deutsche Bank hinterher. Doch die jüngste Hauptversammlung liefert den Katalysator für die Trendwende: Die Aktionäre fordern eine strikte Kostendisziplin – die Aktie bleibt bisher eklatant unterbewertet.
Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 03. Juni in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 24/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.
Der europäische Bankensektor hat in den vergangenen Monaten eine deutliche Renaissance an den Aktienmärkten erlebt. Während Wettbewerber wie die italienische Unicredit oder die französische BNP Paribas operativ glänzten und mit signifikanten Kursgewinnen vorweggelaufen sind, hinkt die Aktie von Deutsche Bank der Branchenentwicklung hinterher. Für Investoren eröffnet sich hieraus eine fundamentale Einstiegschance.
Das Frankfurter Institut ist im Vergleich zu seiner europäischen Peergroup eklatant unterbewertet und besitzt nach den strategischen Weichenstellungen der jüngsten Vergangenheit noch erhebliches Aufholpotenzial.
Vergütung in der Kritik
Auf der mit Spannung erwarteten Hauptversammlung in Frankfurt am Main ging es am vergangenen Donnerstag hoch her. Zum ersten Mal seit dem Jahr 2019 luden Vorstand und Aufsichtsrat die Aktionäre wieder zu einer klassischen Präsenzveranstaltung in die Messehallen. Die Stimmung im Saal war spürbar geladen, und die Debatten wurden mit großer Schärfe geführt.
Im Fokus der Kritik stand vor allem die geplante Erhöhung der Aufsichtsratsvergütung. Einige Aktionärsvertreter und kritische Stimmen nutzten das Podium, um lautstark gegen diese Anpassung zu protestieren, da sie die Erhöhung in der aktuellen Marktphase für das falsche Signal hielten. Der Aktienkurs reagierte im Tagesverlauf prompt mit einem leichten Minus von rund 1,1 Prozent. Doch genau dieser temporäre Rücksetzer erweist sich als exzellente Nachkaufgelegenheit. Der Druck der Investoren auf das Management zeigt maximale Wirkung. Die Kernforderung des Plenums war unmissverständlich: bedingungslose Kostendisziplin statt Wohlfühlformeln sowie eine konsequente Koppelung aller Vergütungen an messbare operative Fortschritte.
Der Vorstand hat verstanden, dass Effizienzsteigerungen und der Einsatz von künstlicher Intelligenz zur Prozessoptimierung nun die absolute Priorität besitzen. Das Frankfurter Institut fokussiert sich jetzt radikal auf die ertragsstarken und verlässlichen Kerngeschäftsfelder, um die Profitabilität strukturell nach oben zu schrauben.
Tiefer Bewertungsabschlag
Ein Blick auf die nackten Bewertungskennzahlen verdeutlicht das Ausmaß der aktuellen Fehlgewichtung am Markt. Bei einer Marktkapitalisierung von rund 52 Milliarden Euro steht für das laufende Geschäftsjahr ein erwarteter Jahresumsatz von 32,9 Milliarden Euro im Raum. Die Bank wird demnach mit einem moderaten Kurs-Umsatz-Verhältnis von etwa 1,6 bewertet.
Noch deutlicher wird die Unterbewertung beim Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Für das laufende Jahr notiert das Wertpapier bei einem geschätzten KGV von lediglich 8,3. Basierend auf den Konsensschätzungen der Analysten für die kommenden Perioden sinkt dieses Verhältnis durch die prognostizierten Gewinnsteigerungen auf einen Wert von 6,5 für das übernächste Jahr.
Im direkten Vergleich mit der europäischen Peergroup wird dieser Bewertungsabschlag offensichtlich. Während viele südeuropäische und angelsächsische Großbanken mittlerweile mit zweistelligen KGVs oder zumindest signifikant höheren Multiplikatoren jenseits der Marke von zehn bewertet werden, verharren die Frankfurter auf einem optisch tiefen Niveau. Da das Zinsumfeld stabil bleibt und das Kreditrisiko kontrolliert erscheint, ist dieser Abschlag aus fundamentaler Sicht kaum zu rechtfertigen.
Wir wollen in zentralen Geschäftsfeldern in Europa führend sein.
Ergänzt wird das Profil der Aktie durch eine aktionärsfreundliche Ausschüttungspolitik. Die erwartete Dividendenrendite für das laufende Jahr liegt bei soliden 4,1 Prozent und soll laut Analystenschätzungen in den kommenden Jahren sukzessive in Richtung der Fünfprozentmarke steigen. Da die Ausschüttungsquote unterhalb von 30 Prozent des Nettogewinns liegt, bleibt der Bank genügend bilanzieller Spielraum, um parallel weitere Aktienrückkaufprogramme zu finanzieren und die Eigenkapitalbasis zu stärken.
Das Management treibt indes die Integration moderner IT-Infrastrukturen konsequent voran, um die traditionell hohe Cost-Income-Ratio des Konzerns nachhaltig zu senken. Gelingt es der Bank, die Effizienzziele der kommenden zwei Jahre plangemäß umzusetzen, steht einer deutlichen Ausweitung der Bewertungsmultiples nichts im Weg.
Fazit
Die Aktie der Deutschen Bank bietet angesichts eines günstigen KGV von 8,3 und der auf der Hauptversammlung bekräftigten Kostendisziplin ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis. Investoren nutzen den ungerechtfertigten Bewertungsabschlag gegenüber der europäischen Peergroup zum Einstieg und setzen auf eine schrittweise Angleichung an das Branchenniveau.