Bausoftwareriese mit KI-Potenzial. Der Konzern setzt auf KI-Transformation und digitale Zwillinge zur Optimierung von Bauprojekten und Kosten.
Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 9. September in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 38/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.
Das von Bauingenieur Georg Nemetschek 1963 gegründete Ingenieurbüro für das Bauwesen mit Schwerpunkt auf Tragwerksplanung, ist heute als Nemetschek Group weiter ein Familienkonzern und Europas größter Anbieter von Software für den kompletten Zyklus einer Immobilie: Entwurf, Planung, Bau, Kostenkalkulation und die digitale Verwaltung. Für die Nutzung und Instandhaltung via Computer bietet auch Nemetschek „digitale Zwillinge“ an. Das ist ein System mit den auf Datenträgern gespeicherten Informationen aus allen Phasen des Objekts. Mit gut 45 Prozent von 1,4 Milliarden Euro Umsatz für 2026 ist Software für Architekten die größte Sparte. Bausoftware liefert gut 40 Prozent, das Segment mit digitalen Zwillingen vier Prozent. Die US-Tochter Maxon, digitale Werkzeuge für Spezialeffekte in Werbung und Kino-Blockbuster, steuert ein Zehntel der Erlöse bei. Beim operativen Gewinn (Ebitda) liegt Bausoftware, jetzt mit HCSS, vorn: höchste Marge, 39,8 Prozent und 110,5 Millionen Euro, 56 Prozent von 197 Millionen Euro Ebitda im ersten Halbjahr. Nordamerika ist mit fast 42 Prozent der Erlöse der größte Markt und wird mit HCSS stärker zulegen. Nemetschek mit 1,42 Milliarden Euro Erlös für 2026 setzt sich dort gegen den größeren und auch außerhalb der Nemetschek-Märkte aktiven Rivalen Autodesk durch. Autodesk erlöst 2026 voraussichtlich 7,2 Milliarden Euro. Mit HCSS ist Nemetschek nun stärker auf dem Territorium des mit 1,7 Milliarden Euro etwas größeren US-Rivalen Bentley Systems aktiv. Durch die Kombination der US-Töchter Bluebeam, GoCanvas und HCSS sind die Münchner bei Bauausführungssoftware für Infrastrukturprojekte besser gegen Bentley aufgestellt. Sie starten in der Bauausführung für staatliche und kommunale Kunden bei Infrastrukturprojekten. Bentley ist im globalen Infrastrukturgeschäft die Nummer 1 bei Planungen und bei digitalen Zwillingen. Mit der 2025 übernommenen KI-Firma Firmus AI könnte Nemetschek seine Stärke gegenüber Bentley ausbauen: Firmus erkennt Planungsfehler, daraus erzeugt Bluebeam einen verfolgbaren Ablauf, GoCanvas überführt Prüfungen und Aufgaben auf die Baustelle, HCSS verbindet Aufgabe, Arbeitszeit, Gerät, Kosten und Termin. Julian Geiger, zuvor bei Google, koordiniert als Chief AI Officer die KI-Transformation. Nemetscheks KI-Erweiterung Max für Bluebeam ist Ende Mai 2026 global gut gestartet. Max ist keine Chatbot-Erweiterung, sondern eine agentenbasierte Orchestrierungsschicht, die live mit externen Systemen kommuniziert. Im nächsten Jahr will Nemetschek KI, Lizenzen und konsumbasierte Komponenten, im KI-Jargon Token genannt, kombinieren.
Fazit
Die Aktie sollte, wie auch SAP, den Tiefpunkt der KI-Apokalypse überwunden haben. Mit dem Tief bei 51,80 Euro notierte sie unter dem Stoppkurs bei 53,40 Euro. Wir erneuern nun unsere Empfehlung.