Apple steht vor der vielleicht wichtigsten Produktpräsentation seit Jahren. Am Mittwochabend enthüllt der neue Konzernchef John Ternus neue iPhone-Modelle – darunter voraussichtlich auch ein faltbares. Für die Aktie geht es um weit mehr als ein neues Design.

Jedes Jahr Anfang September lädt Apple zur Präsentation seiner neuen iPhone-Modelle. Im Mittelpunkt des Events am Mittwoch, 9. September, sollen das iPhone 18 Pro, das iPhone 18 Pro Max und das lange erwartete faltbare iPhone stehen. Für John Ternus ist es der erste große Produktauftritt als Apple-Chef. Er hat den Posten erst vor gut einer Woche von Tim Cook übernommen.

Die Erwartungen an die Veranstaltung sind hoch. Morgan-Stanley-Analyst Erik Woodring bezeichnete den Termin als möglicherweise wichtigsten iPhone-Start seit dem iPhone X im Jahr 2017. Es war das erste iPhone ohne jegliche Tasten auf der Frontseite. Ein faltbares Modell wäre die größte Veränderung beim Formfaktor seit Jahren; ob und wie es Anklang findet, wird auch die Apple-Aktie bewegen.


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Mit Falt-iPhone startet ein neuer Zyklus

Das Potenzial für den Apple-Umsatz liegt vor allem darin, dass ein grundlegend neues Modell iPhone-Besitzer animieren könnte, ihre alten Geräte auszutauschen. Denn viele Apple-Kunden behalten ihre iPhones inzwischen länger als früher – auch, weil die Modelle Jahr um Jahr immer weniger Neuheiten aufwiesen. Eine ganz neue Form könnte deshalb wichtiger sein als ein weiteres Modell im Sortiment und Kunden zu einem vorgezogenen Gerätewechsel bewegen.

Die Kollegen vom „Aktionär“ sehen darin bereits die Chance auf eine neue Upgrade-Welle. Apple wäre zwar spät im Markt für faltbare Smartphones – Samsung bietet schon seit einigen Jahren ein Galaxy Fold an –, könnte wieder einmal das umsatzstärkere Los ziehen. Schon häufiger war der Apfel-Konzern nicht der Erste im Markt, schaffte es aber, die Technik so weit zu verbessern, dass man dafür Premiumpreise aufrufen konnte.

Der Preis dürfte auch beim Falt-iPhone deftig ausfallen: Die Analysten rechnen mit Preisen weit über 2000 US-Dollar: Morgan Stanley glaubt sogar, das Gerät werde rund 2.399 US-Dollar kosten, während andere Marktbeobachter eher Einstiegspreise zwischen 2.099 und 2.299 US-Dollar erwarten. Das liegt auch daran, dass die Komponenten auch für Apple teurer geworden sind, allen voran der Speicher. Sicher ist: Das neue Gerät dürfte im Ultra-High-End-Segment angesiedelt sein – und Apple daran auch High-End-Margen verdienen.

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Umsatzschub trotz Engpässen

Morgan Stanley traut dem faltbaren iPhone schon im Dezember-Quartal einen Umsatzbeitrag von rund 14 Milliarden US-Dollar zu. Das wäre etwa ein Zehntel des gesamten erwarteten Quartalsumsatzes. Die Nachfrage nach dem Gerät dürfte zum Start hoch sein, allerdings könnte das Angebot begrenzt bleiben. Die Bank rechnet mit etwa sieben bis acht Millionen verfügbaren Geräten in der zweiten Jahreshälfte 2026; der Verkaufsstart könnte im Oktober oder November erfolgen.

Entscheidend wird sein, ob Apple ein weiteres Mal seine Preissetzungsmacht ausspielen kann und die Apple-Jünger auch die höheren Preise klaglos auf den Tisch legen. Ein ausverkauftes Produkt wäre ein starkes Signal für eine hohe Nachfrage, aber nicht automatisch für dauerhaft hohe Stückzahlen.

Allerdings gibt es bei der KI-Strategie offene Fragen. Ein größerer Bildschirm allein reicht nicht aus, um das Falt-iPhone als KI-Gerät zu positionieren. In der Europäischen Union und in China verzögert sich die Einführung neuer Siri-Funktionen wegen rechtlicher Hürden auf unbestimmte Zeit. Dort muss Apple erst einmal beim Datenschutz nachbessern. So lange wird es in der iPhone-Welt eine Zwei-Klassen-Gesellschaft geben.

Deftige Preiserhöhungen für alle Modelle

Der größere Test für Apple könnte bei den Preisen der gesamten iPhone-18-Generation liegen. Morgan Stanley erwartet die breitesten und deutlichsten Preiserhöhungen in der Unternehmensgeschichte. Für das iPhone 18 Pro und Pro Max wird ein Aufschlag von etwa 200 US-Dollar erwartet, Modelle mit mehr Speicher könnten noch teurer werden.

Der Grund liegt unter anderem bei den Komponenten. Die Kosten für Bauteile und Speicher sind nach Einschätzung von Marktexperten im Jahresvergleich um rund 38 Prozent gestiegen. Apple muss diese höheren Kosten nun weitergeben, ohne die Nachfrage nach den neuen iPhones zu stark zu bremsen. Die Nachricht, dass in den Apple-Stores demnächst auch Finanzierungen über Klarna angeboten werden, deuteten Beobachter als einen ersten Versuch, die Kunden trotz höherer Preise bei der Stange zu halten. Wichtig ist, dass Apple wirklich die vollen Kosten weitergeben kann. Morgan Stanley geht davon aus, dass der Konzern die iPhone-Bruttomarge auch mit der neuen Modellgeneration bei etwa 40 Prozent halten kann.

Apple (WKN: 865985)

Neue Kursfantasie

Das wäre extrem wichtig, denn Apples Konzernmarge steht unter Druck. Apple selbst stellte für das laufende September-Quartal nur noch eine Bruttomarge von 47 bis 48 Prozent in Aussicht, nachdem im dritten Geschäftsquartal noch 50,1 Prozent erreicht worden waren. Viel tiefer darf der neue Apple-Chef John Ternus sie nicht rutschen lassen, denn ein Großteil der Aktienbewertung basiert darauf.

Gleichwohl ist die Hardware bei Apple zunehmend Mittel zum Zweck: Die langfristige Kursfantasie basiert auf der Idee, dass ein faltbares iPhone durch seine größere Bildschirmfläche neue Nutzungsmöglichkeiten für Apple Intelligence, Multitasking und die Nutzung anderer Medien bis hin zum Gaming schaffen könnte. Das Ökosystem aus iPhone, Mac, iPad, Apple Watch, iCloud, App Store, Bezahldiensten und weiteren Angeboten bietet Ternus dafür eine riesige Spielwiese.

Und jedes neue Gerät stärkt die Kundenbindung an den Apple-Kosmos. Wer ein Falt-iPhone kauft, bleibt mit hoher Wahrscheinlichkeit innerhalb der Apple-Welt und nutzt auch künftig die zugehörigen Dienste und Zubehörprodukte. Dadurch könnte das neue Smartphone und seine Nachfolger nicht nur einen einmaligen Verkaufserlös bringen, sondern über die nächste Dekade hinweg die Chance auf zusätzliche Serviceumsätze eröffnen.

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Analysten uneins

Die Einschätzungen zur Apple-Aktie gehen derzeit weit auseinander. Rothschild & Co. Redburn stufte die Aktie Mitte August auf „Buy“ hoch und nannte ein Kursziel von 400 US-Dollar. Die Analysten erwarten, dass faltbare Geräte das Premiumsegment erweitern und die durchschnittlichen Verkaufspreise anheben könnten. Die HSBC bestätigte am Montag ihr Kaufen-Votum mit einem Kursziel von 366 US-Dollar, Morgan Stanley errechnet einen fairen Wert von 360 US-Dollar, immerhin 14 Prozent über dem aktuellen Kurs. 

Jefferies ist dagegen skeptisch und stufte Apple auf „Underperform“ ab. Das Kursziel liegt bei 263,66 US-Dollar. Als Belastungsfaktoren werden unter anderem Berichte aus der Lieferkette und Zweifel an der Fertigungseffizienz genannt. Gerade bei einem komplexen Faltgerät könnten niedrige Produktionsausbeuten – sprich hohe Ausschussquoten durch fehlerhafte Bildschirme – die Kosten erhöhen und die Verfügbarkeit begrenzen.

Kann Ternus eine Euphorie-Welle lostreten?

Der Aktienkurs folgt übrigens rund um die September-Events einer interessanten Saisonalität: Citi-Analystin Asiya Merchant verweist darauf, dass Apple vor iPhone-Events oft besser als der Gesamtmarkt abschneidet. Dagegen könne die Aktie am Tag der Präsentation unter einer „Sell-the-news“-Reaktion leiden. Entscheidend sei die Entwicklung in den ein bis drei Monaten danach.

Die Euphorie anzufachen, wird am Mittwoch vor allem die Aufgabe von John Ternus sein. Insider bezeichnen ihn als empathisch und mitunter sogar mitreißend. Ein anderer Typ also als der oft etwas verhaltene Tim Cook. Wenn Ternus das am Mittwochabend auf der Bühne umsetzen kann, wäre das für die Absatzzahlen und den Apple-Kurs womöglich schon die halbe Miete.

Häufige Fragen zu Apple

Wer ist John Ternus?

John Ternus übernahm zum 1. September 2026 den CEO-Posten von Tim Cook. Ternus kommt aus der Produktentwickug von Apple und hat seit 2001 an fast allen neuen Apple-Produkten mitgearbeitet. Er ist Apples achter CEO und der dritte seit der Rückkehr von Steve Jobs im Jahr 1997.


Warum gab Tim Cook den Chefposten bei Apple ab?

Apple begründete den Wechsel mit einer langfristig vorbereiteten Nachfolgeplanung. Cook ist 65 Jahre alt und wird in den Verwaltungsrat von Apple wechseln. Er stand fast 15 Jahre an der Apple-Spitze und soll den Konzern dem Vernehmen nach weiterhin unterstützen, unter anderem bei der Zusammenarbeit mit politischen Entscheidungsträgern.


Was bedeutet der Chefwechsel für die Apple-Aktie?

Ein Vorstandswechsel bringt immer etwas Unsicherheit mit sich und die Börsianer lieben eigentlich Kontinuität. Doch das Apple-Geschäftsmdoel erscheint sehr stabil udn dürfte darunter nicht leiden - im Gegenteil: Die Hoffnung ist, dass Terrnus dem Apple-Konzern neue Impulse verleiht, vor allem hinsichtlich der Produkt- und KI-Strategie.

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