Der Software-, Datenbank- und KI-Konzern Oracle hat am Mittwochabend Zahlen vorgelegt - und damit die Investoren überzeugt. Denn es gibt erste Anzeichen, dass die teure KI-Wette, für die sich Oracle hoch verschuldet hat, doch aufgehen könnte.
Oracle hat die Erwartungen der Analysten im ersten Quartal seines neuen Geschäftsjahres 2026/2027 klar übertroffen. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahr um 30 Prozent auf 19,35 Milliarden US-Dollar, der Gewinn je Aktie erreichte 1,92 US-Dollar. Analysten hatten im Vorfeld einen Umsatz von 19,13 Milliarden US-Dollar und einen Gewinn je Aktie von 1,67 Dollar erwartet.
Die Oracle-Aktie
sprang nachbörslich zeitweise um fast sieben Prozent auf rund 163,50 US-Dollar in die Höhe.
Grund für die Begeisterung sind vor allem die hohen Cloud-Umsätze, die auf Jahressicht um 62 Prozent zulegten. Außerdem meldete Oracle, dass die Kundennachfrage nach KI-Cloud-Trainings- und Inferenzdiensten weiterhin schneller wachse als das Angebot. Man habe im ersten Quartal zusätzliche KI-Cloud-Verträge im Wert von mehr als 30 Milliarden US-Dollar verbucht und damit das Volumen seiner Remaining Performance Obligations (RPO) auf 664 Milliarden US-Dollar gesteigert. Aufgrund der Ausgestaltung dieser neuen Verträge würden sich daraus keine zusätzlichen Auswirkungen auf seine Pläne zur Kapitalbeschaffung ergeben.
Seit Ende des vierten Quartals hat Oracle nach eigenen Angaben mehr als 300.000 GPUs an seine KI-Cloud-Kunden ausgeliefert und damit die ausgelieferte Kapazität gegenüber dem vorangegangenen Quartal (Q4 2026) fast verdreifacht.
Die Meldung dürfte Balsam für die etwas angespannte Stimmung in der KI-Branche sein. Zwar sind die Auftragsbücher bei Zulieferern wie Nvidia oder AMD oder dem Rechenzentrums-Ausrüster Dell prallvoll und die KI-Entwickler OpenAI, Anthropic und zuletzt Meta übertrumpfen sich nahezu Woche für Woche mit immer leistungsfähigeren Large Language Models (LLM). Doch über allem schwebt die Frage, wann das Wettrüsten mit hunderten Milliarden Dollar an Investitionen in Geld umgesetzt wird – und welche Hyperscaler da womöglich auf der Strecke bleiben.
Ein Kandidat, dem die Börse mittlerweile besonders skeptisch gegenübersteht, ist Oracle. Das Unternehmen hat sich hoch verschuldet, um im Wettrüsten mithalten zu können. Doch die erwarteten Erträge sind noch Jahre entfernt, zudem gehören zum Kundenkreis Unternehmen wie OpenAI, die zwar Unmengen an Rechenkapazität geordert haben, aber selbst noch nicht profitabel sind.
Die nun vorlegten Zahlen für das erste Quartal des Oracle-Geschäftsjahres 2026/2027 deuten nun erstmals darauf hin, dass die teure Wette doch aufgehen könnte.
Börse rechnete eher mit durchwachsenen Zahlen
Die Investoren hatten sich zuvor auf durchwachsene Zahlen vorbereitet: An der Nasdaq fiel die Oracle-Aktie am Donnerstag zum Handelsschluss deutlich und schloss 5,4 Prozent tiefer bei 152,94 US-Dollar. Damit hatte sie seit Jahresanfang nun schon rund 25 Prozent verloren..
Bei Oracle sei das erste Quartal des Geschäftsjahres aus saisonalen Gründen schwach, hatte Analyst Brent Thill von Jefferies in einem Ausblick geschrieben. Die Stimmung für die Aktie befinde sich nahe einem Tiefpunkt, das meiste an schlechten Nachrichten dürfte eingepreist sein. Die Finanzierung hoher Investitionen für den Ausbau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz dürfte aber noch mehrere Quartale als Belastungsfaktor wirken.
Nach Vorlage der Zahlen sprang die Aktie dann jedoch deutlich in die Höhe.
Diese Zahlen hat Oracle gemeldet:
Umsatz: (erwartet: 19,13 Milliarden US-Dollar)
Gewinn je Aktie: (erwartet 1,67 US-Dollar)
Cloud-Infrastrukturumsatz: 11,6 Milliarden US-Dollar (+62 Prozent)
Ausblick: Für das Gesamtjahr prognostiziert Oracle nun mindestens 90 Milliarden US-Dollar Umsatz und einen Gewinn von 8,10 US-Dollar je Aktie, etwas über den Konsensschätzungen, die bisher bei 8,07 US-Dollar lagen. Die Umsatzschätzung betrug bislang 89,76 Milliarden US-Dollar, meldet CNBC.
Bliebt der hohe Schuldenstand: Das Unternehmen hat mittlerweile Schulden in Höhe von 125 Milliarden US-Dollar, der negative freie Cashflow belief sich im Quartal auf 5,4 Milliarden US-Dollar. Im Jahr zuvor lag das Minus bei 362 Millionen US-Dollar.
Das hatten die Analysten erwartet:
Umsatz: 19,13 Milliarden US-Dollar (gegenüber 14,93 Mrd. im Q1 2025/26)
Gewinn je Aktie: 1,67 US-Dollar (gegenüber 1,47 Dollar im Q1 2025/26)
Zum Vergleich: Im vierten Quartal hatte Oracle einen Umsatz von 19,2 Milliarden US-Dollar gemeldet, was einem Anstieg um 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprach. Der Umsatz im Bereich Cloud-Infrastruktur stieg um 93 Prozent und der gesamte Cloud-Umsatz um rund zehn Prozent, was auf eine starke, KI-getriebene Nachfrage zurückgeführt wurde.
Das Betriebsergebnis im vierten Quartal belief sich auf 8,6 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 22 Prozent. Das Ergebnis je Aktie (EPS) stieg auf 2,11 US-Dollar.
Der Wert der Remaining Performance Obligations (RPO) explodierte auf 638 Milliarden US-Dollar, was einen Anstieg um 356 Prozent bedeutete. Sie bilden den Wert der noch nicht realisierten, aber vertraglich zugesicherten Leistungen gegenüber Kunden ab und umfassen sämtliche zukünftige Erlöse aus bereits bestehenden Verträgen, für die das Unternehmen noch Leistungen erbringen muss.
Alle KI-Champions in einem Korb
Mit dem „Künstliche Intelligenz-Index“ von BÖRSE ONLINE investieren Sie gleichzeitig in 17 führende Treiber des KI-Booms.
Hier mehr erfahren
Häufige Fragen zu Oracle
Welche KI-Strategie verfolgt Oracle?
Oracles KI-Strategie basiert auf der vollständigen Integration von Künstlicher Intelligenz in den gesamten eigenen Technologie-Stack. Dabei will das Unternehmen seine führende Rolle bei Unternehemnssoftware (ERP) nutzen, um vor allem Geschäftskunden für seine KI-Anwednungen zu gewinnen. Das geschäftsmodell reicht von Infrastruktur über die Datenbanken bis hin zu den Unternehmensanwendungen.
Wer ist Larry Ellison?
Larry Ellison ist ein US-amerikanischer Unternehmer, Software-Milliardär und Mitbegründer des IT-Konzerns Oracle. Der mittlerweile schon 81-Jährige Tech-Pionier zählt zu den reichsten Menschen der Welt. Sein Vermögen wird auf über 200 Milliarden US-Dollar geschätzt. Kurzzeitig war er sogar schon einmal der reichste Mensch der Welt. Ellison gründete 1977 zusammen mit zwei Partnern die Oracle Corporation und war bis 2014 fast 40 Jahre lang deren CEO. Aktuell ist er Chief Technology Officer (CTO), Vorsitzender des Verwaltungsrats (Executive Chairman) und immer noch der größte Einzelaktionär von Oracle.
Was ist das Stargate-Projekt?
Die US-Regierung unter Donald Trump will mit einem milliardenschwere Infrastruktur-Initiative unter dem Namen "Stargate" die USA als führenden Standort für Anwendungen rund um die Künstliche Intelligenz (KI) etablieren. Dazu soll ein gigantischen Netzwerk von Rechenzentren und Rechenleistung aufgebaut werden. Zu den Hauptakteuren und Geldgebern von Stargate gehören Technologiekonzerne wie OpenAI, Oracle, SoftBank, Nvidia, Microsoft und der Staatsfonds von Abu Dhabi (MGX). Über einen Zeitraum von vier bis fünf Jahren sind Investitionen von bis zu 500 Milliarden US-Dollar geplant.
Enthält Material von dpa-AFX