Nach der kräftigen Korrektur bei Gold und Silber hat die Commerzbank ihre Preisprognosen erneut nach unten angepasst. Dennoch sehen die Analysten das Ende des langfristigen Aufwärtstrends noch nicht gekommen.
Die Commerzbank hat ihre Prognose für den Goldpreis zum Jahresende 2026 von bislang 4.800 auf 4.500 Dollar reduziert. Noch deutlicher fällt die Anpassung bei Silber aus: Hier wurde das Kursziel von 80 auf 67 Dollar gesenkt. Es ist bereits die zweite Abwärtskorrektur innerhalb weniger Monate.
Als Hauptgrund nennen die Analysten das veränderte geldpolitische Umfeld. Die „falkenhafter“ als erwarteten Fed-Kommentare haben den Goldpreis belastet und dazu geführt, dass Dollar und US-Staatsanleihen wieder als „sichere Häfen“ wahrgenommen wurden. Höhere Zinsen und steigende reale Anleiherenditen erhöhen die Opportunitätskosten von Gold und Silber, da beide Edelmetalle keine laufenden Erträge abwerfen und lassen Edelmetallinvestments weniger attraktiv erscheinen.
Laut einem Bewertungsmodell der Commerzbank, in dem Realzinsen, Konsumentenpreise, das nominale BIP und das Verbrauchervertrauen als wichtigste Treiber des Goldpreises gelten, war das Edelmetall Ende Februar zu fast 25 Prozent überbewertet. Mittlerweile notiere Gold jedoch wieder in der Nähe seines fairen Werts.
Warum die Commerzbank dennoch nicht pessimistisch ist
Trotz der niedrigeren Kursziele hält die Commerzbank an ihrer grundsätzlich positiven Einschätzung für Gold fest. Die Analysten gehen davon aus, dass die Finanzmärkte die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen derzeit möglicherweise überschätzen. Sollte sich der Inflationsdruck in den kommenden Monaten abschwächen, könnte die US-Notenbank auf zusätzliche Zinsschritte verzichten. Dies würde den Aufwärtsdruck auf die Realzinsen begrenzen und Gold wieder Rückenwind verleihen.
Hinzu kommt, dass die strukturellen Argumente für Gold nach Ansicht der Bank weiterhin Bestand haben. Hohe Staatsverschuldungen, geopolitische Spannungen und die Suche nach einer Diversifizierung der Währungsreserven sorgen für ein grundsätzlich unterstützendes Umfeld. Deshalb erwartet die Commerzbank trotz der aktuellen Prognosesenkung, dass der Goldpreis bis Ende 2027 wieder die Marke von 5.000 Dollar erreichen kann, sofern der Inflationsdruck nachlässt. Zuvor lag dieses Kursziel noch bei 5.200 Dollar.
Silber bleibt chancenreich – aber schwankungsanfälliger
Bei Silber fällt die Prognoseanpassung deutlich stärker aus als bei Gold. Das liegt vor allem daran, dass Silber neben seiner Funktion als Edelmetall auch ein wichtiger Industriemetallrohstoff ist. Eine schwächere Konjunktur und vorsichtigere Erwartungen an die industrielle Nachfrage wirken sich daher stärker auf den Preis aus als bei Gold.
Gemäß dem Bewertungsmodell der Commerzbank (siehe oben) war der Silberpreis Ende Februar sogar zu 75 Prozent überbewertet und näherte sich zuletzt aber ebenfalls seinem fairen Wert an. Grundsätzlich bleibt die Commerzbank auch für Silber langfristig konstruktiv. Sollte Gold wieder an Stärke gewinnen und sich die geldpolitischen Rahmenbedingungen entspannen, dürfte davon auch Silber profitieren. Anleger müssen nach Einschätzung der Bank allerdings mit deutlich höheren Kursschwankungen rechnen als beim Goldpreis.
Fazit: Insgesamt zeichnet die aktuelle Studie damit ein differenziertes Bild. Kurzfristig sprechen hohe Inflation, restriktive Zinserwartungen, ein starker Dollar und die Auswirkungen des Nahostkonflikts gegen eine rasche Erholung der Edelmetallpreise. Langfristig sieht die Commerzbank die wichtigsten Fundamentalfaktoren jedoch weiterhin intakt und rechnet deshalb mit einer Rückkehr zu höheren Gold- und Silberpreisen, sobald der geldpolitische Gegenwind nachlässt.
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