Der Silberpreis hat seit seinem Rekordhoch im Januar ungefähr die Hälfte seines Werts verloren. Während viele Anleger noch abwarten, bleibt Nitesh Shah von WisdomTree für die langfristigen Perspektiven des Edelmetalls optimistisch.

Auf den ersten Blick erscheint die positive Einschätzung überraschend, schließlich hat der massive Kursrückgang zahlreiche Anleger verunsichert und viele spekulative Investoren aus dem Markt gedrängt. Doch genau darin sieht Shah einen wichtigen Schritt für eine gesündere Entwicklung.

Nach seiner Einschätzung wurden während der Korrektur überzogene Erwartungen und kurzfristige Spekulationen weitgehend abgebaut. Dadurch sei die Grundlage für einen nachhaltigeren Aufwärtstrend geschaffen worden. Extrem hohe Silberpreise von über 100 Dollar hätten seiner Ansicht nach zwar kurzfristig für Begeisterung gesorgt, langfristig jedoch auch die industrielle Nachfrage belastet und zu stärkeren Einsparungen beim Materialeinsatz geführt.

Das aktuelle Preisniveau bewertet Shah deshalb als deutlich stabilere Ausgangsbasis für einen längerfristigen Bullenmarkt. Aus seiner Sicht spricht vieles dafür, dass sich der Markt nach der Bereinigung wieder stärker an den fundamentalen Angebots- und Nachfrageverhältnissen orientiert.

Strukturelles Angebotsdefizit bleibt ein wichtiger Kurstreiber

Als wichtigsten langfristigen Faktor nennt Shah das anhaltende Defizit am physischen Silbermarkt. Zwar dürfte die Minenproduktion in den kommenden Jahren leicht zulegen, gleichzeitig erwartet er jedoch eine weiterhin robuste Nachfrage aus der Industrie. Vor allem Anwendungen rund um Elektrifizierung, Energiewende, Rechenzentren, künstliche Intelligenz und moderne Elektronik benötigen erhebliche Mengen des Edelmetalls.

Zwar rechnet auch WisdomTree damit, dass Unternehmen den Silberverbrauch durch effizientere Produktionsverfahren teilweise reduzieren werden. Dieser sogenannte Thrifting-Effekt dürfte den steigenden Bedarf nach Einschätzung des Analysten jedoch nicht vollständig ausgleichen. Das strukturelle Marktdefizit dürfte daher bestehen bleiben und den Silberpreis langfristig unterstützen.

Hinzu kommt, dass Silber historisch häufig von steigenden Goldpreisen profitiert. Sollte das gelbe Edelmetall seinen langfristigen Aufwärtstrend wieder aufnehmen, könnte Silber aufgrund seiner höheren Schwankungsintensität überdurchschnittlich reagieren.

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Silber (ISIN: AF0000SILVER)

Silberpreis-Prognose: 70 Dollar bleiben das langfristige Ziel

Trotz der heftigen Kursverluste hält der Edelmetallexperte an seiner langfristigen Prognose fest. Nach seinem Basisszenario rechnet er mit einem Anstieg auf rund 70 Dollar bis zum zweiten Quartal 2027. Voraussetzung dafür sei allerdings keine kurzfristige Kursexplosion, sondern eine schrittweise Verbesserung der fundamentalen Rahmenbedingungen.

Auffällig ist jedoch, dass Shah inzwischen vorsichtiger argumentiert als noch zu Beginn des Jahres. Während damals vor allem das enorme Aufwärtspotenzial im Mittelpunkt stand, betont er heute stärker die Bedeutung einer nachhaltigen Marktbereinigung. Die aktuelle Entwicklung wertet er daher weniger als Rückschlag, sondern vielmehr als notwendige Voraussetzung für einen stabileren Aufwärtstrend.

Fazit: Die Einschätzung von WisdomTree zeigt, dass der langfristige Optimismus für Silber trotz der außergewöhnlich starken Korrektur nicht verschwunden ist. Wer in das Edelmetall investiert, sollte allerdings ausreichend Geduld mitbringen und aufgrund der hohen Volatilität über starke Nerven verfügen. Diesen Schluss lässt vor allem der CBOE-Silbervolatilitätsindex zu: Mit aktuell 48,7 Prozent liegt er etwa doppelt so hoch wie der entsprechende Goldindikator (24,0 Prozent). Höhere Renditechancen gehen bei Silber damit auch weiterhin mit deutlich stärkeren Kursschwankungen einher.

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