Der Satelliten-, KI- und Weltraumkonzern SpaceX hat am Dienstagabend nach US-Börsenschluss zum ersten Mal nach dem Börsengang Quartalszahlen vorgelegt. Die Erwartungen der Analysten wurden gechlagen - doch der Kurs fällt.
Die Börsenhistorie von SpaceX ist kurz, aber sie strotz schon jetzt nur so von Superlativen. Das IPO am 12. Juni 2026 war gemessen an der Gesamt-Börsenbewertung des Unternehmens mit 1,75 Billionen Dollar die bisher größte Neuemission aller Zeiten. Die Aktie stieg binnen weniger Tage von ihrem Emissionspreis von 135 US-Dollar bis auf 225 US-Dollar in die Höhe – und stürzte dann wieder ab. Zum Start des Börsenhandels am Montag (3. August) kostete ein SpaceX-Papier zeitweilig nur noch 104,83 US-Dollar. Am Dienstag stieg der Kurs dann im Vorfeld der Zahlen wieder um mehr als neun Prozent auf rund 125 US-Dollar.
BÖRSE ONLINE begleitet die Zahlen im Liveticker.
Diese Zahlen meldet SpaceX für das 2. Quartal
Direkt nach Börsenschluss meldete SpaceX seine Zahlen für das 2. Quartal - und schlug damit die Erwartungen.
Der Umsatz stieg auf 7,81 Milliarden US-Dollar, erwartet worden waren nur 6,87 Milliarden Dollar. Damit stieg der Umsatz laut SpaceX gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 92 Prozent.
Der Verlust von neun Cents je Aktie liegt deultlich höher als die Erwartungen von minus 26 Cents, ist aber vermutlich nicht direkt mit dieser Zahl vergleichbar.
Dahinter steht ein Nettoverlust von 541 Millionen US-Dollar, was einer Verbesserung um 467 Millionen US-Dollar gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Das bereinigte EBITDA stieg aif 3,5 Milliarden US-Dollar, 191 Prozent mehr asl 2025 (1,2 Milliarden US-Dollar).
Der Börsenkurs, der im Tagesverlauf um 9,5 Prozent angezogen hatte, fiel nach der Verkündigung der Zahlen um mehr als sieben Prozent auf 117 US-Dollar (22:45 Uhr).
22:32 Uhr: Eine große Unbekannte bei SpaceX war der Cashflow. Welche Segemte liegen dem Konzern auf der Tasche? Wer verdient - neben Starlink - schon Geld? Die Quartalszahlen zeigen nun, dass SpaceX trotz der aufsehenerregenden KI-Cloud-Verträge im zweiten Quartal operativ nur 3,47 Milliarden Dollar eingenommen hat. Für Investitionen flossen im selben Zeitraum 34,5 Milliarden Dollar ab. Aus "Finanzierung" - also vor allem aus dem Börsengang - gingen dem Unternehmen 100,3 Milliarden US-Dollar zu.
22:23 Uhr: Außerdem meldet SpaceX diverse kleinere Erfolge:
- in den letzten 90 Tagen seien zwei erfolgreiche Flugtests mit dem neuen Raumschiff Starship V3 durchgeführt worden. Man mache damit weitere Fortschritte auf dem Weg zur vollständigen und schnellen Wiederverwendbarkeit;
- xAI habe "mehrere branchenführende Verträge" über Cloud-Dienste abgeschlossen, die zu einem Vertragsumsatz von 14,1 Milliarden US-Dollar führten:
- die Übernahme von Cursor für 60 Milliarden US-Dollar werde die Chancen im Bereich KI beschleunigen;
- im Juli 2026 wurde das neue, leistungsstärkere KI-Modell „Grok 4.5“ veröffentlicht;
- • Im Segment „Connectivity“ habe Starlink im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Umsatzwachstum von 66 Prozent und ein Wachstum des Betriebsergebnisses von 79 Prozent erzielt;. Die Zahl der Starlink-Abonnenten habe sich verdoppelt;
- SpaceX gewann mehrjährige Aufträgen der US-Regierung im Wert von über sechs Mrd. US-Dollar für Starshield.
Weit auseinander liegende Kursziele
Nach der Berg- und Talfahrt waren die Quartalszahlen mit ganz besonderer Spannung erwartet worden: Sind sie der Auftakt zu einer neuen Kursrally? Oder werden die Zahlen den Kurs im Gegenteil weiter drücken? Etschwerend kommt hinzu, dass mit den Quartalszahlen auch die ersten Lockup-Fristen für die Alktaktionäre auslaufen. Sie dürfen dann erstmals seit dem IPO Aktien verkaufen. Die erste Lockup-Frist endet zwei Tage nach den Quartalszahlen, also am 6. August 2026. Danach laufen am 21. August 2026 und am 10. September 2026 weitere Lockup-Fristen ab. Die Hauptfrist endet dann am 8. Dezember 2026.
Das führt dazu, dass die Analysten die Chancen der Aktie vor den Zahlen höchst unterschiedlich einschätzen. Zwar empfahlen 23 Experten die Aktie zum Kauf, sechs rieten zum Halten und nur zwei zum Verkaufen. Aber die Kursziele lagen weit auseinander: Das durchschnittliche Kursziel von 133 US-Dollar wirkt zwar moderat, doch dahinter gab es eine enorme Spannweite: Der pessimistischste Analyst errechnete im Vorfeld einen fairen Wert von gerade mal 75 US-Dollar, während der größte Optimist der Gruppe, Brian Gesuale von Raymond James, im besten Fall 800 Dollar für möglich hält. (mehr dazu hier)
Schätzungen: Von Verlust bis Gewinn ist alles möglich
Für Analysten und Fondsmanager kam erschwerend hinzu, dass die heutigen Zahlen auch für sie das erste Mal sind. Entsprechend weit gingen auch die Schätzungen auseinander. Laut S&P Global reichten diese für das Ergebnis je Aktie von einem Verlust von 1,26 US-Dollar bis hin zu einem Gewinn von 0,33 US-Dollar.
Das erwarten die Analysten für das 2. Quartal 2026:
(Konsensschätzungen laut EarningsHub.com)
Umsatz: 6,87 Mrd. US-Dollar
Gewinn je Aktie: – 0,16 US-Dollar
Häufige Fragen zum Thema
Wann meldet SpaceX erstmals Quartalszahlen?
SpaceX wird seine Zahlen zum zweiten Quartal am 4. August 2026 nach Börsenschluss vorlegen.
Wann endet die Lockup-Frist für die SpaceX-Altaktionäre?
Die erste Lockup-Frist endet zwei Tage nach den Quartalszahlen, also am 6. August 2026. Danach laufen am 21. August 2026 und am 10. September 2026 weitere Lockup-Fristen ab. Die Hauptfrist endet dann am 8. Dezember 2026.
Wie viele Aktien kommen durch den Ablauf der Lockup-Fristen neu auf den Markt?
Durch den Ablauf der ersten Tranche der SpaceX-Lockup-Fristen kommen am 6. August 2026 bis zu 911,5 Millionen Aktien neu auf den Markt. Das entspricht etwa 20 Prozent der gesperrten Insider-Bestände und mehr als einer Verdoppelung des bisherigen Streubesitzes. Am 21. August und am 10. Sptember sind es dann jeweils sieben Prozen aller ausgegebenen Aktien. Mit Ablauf der Hauptfrist am 8. Dezember 2026 werden dann theoretisch 40 Prozent aller SpaceX-Aktien frei handelbar sein - sofern ihre bisherigen Eigentümer verkaufen.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: SpaceX.