Goldminenaktien haben in den vergangenen Wochen an Schwung verloren. Auf Zwölfmonatssicht entwickelten sie sich dennoch besser als der Goldpreis: Während Gold 1,6 Prozent an Wert einbüßte, legte der Goldminenindex NYSE Arca Gold BUGS (HUI) um 4,7 Prozent zu. Eine US-Investmentbank sieht weiteres Potenzial.

Trotz der jüngsten Goldpreisschwäche bleibt die US-Investmentbank Jefferies für das Edelmetall und die Goldminenbranche langfristig optimistisch. In einer aktuellen Branchenanalyse bekräftigten die Experten ihre Prognose von 5.000 Dollar für 2027. Kurzfristig rechnen sie allerdings mit einem schwierigen Marktumfeld und erhöhten Kursschwankungen.

Für das vierte Quartal 2026 senkte Jefferies seine Goldpreisprognose von 4.600 auf 4.400 Dollar. Auch die Erwartung für das Gesamtjahr wurde von 4.595 auf 4.511 Dollar reduziert. Ausschlaggebend sind vor allem gestiegene Realzinsen, die unverzinste Anlagen wie Gold weniger attraktiv machen.

Allerdings bezweifelt die Investmentbank, dass die USA dauerhaft wesentlich höhere Anleiherenditen verkraften können, schließlich beläuft sich das jährliche Haushaltsdefizit auf rund zwei Billionen Dollar, während die Nettozinsausgaben bereits eine Billion Dollar überschreiten. Wie brisant steigende Zinsen für die US-Staatsfinanzen wären, zeigt eine aktuelle Analyse des Congressional Budget Office (CBO): Bei dauerhaft höheren US-Renditen (10 Jahre) von 4,8 Prozent würden sich die kumulierten Haushaltsdefizite von 2026 bis 2036 um 1,9 Billionen Dollar erhöhen. Bei Renditen von 5,8 Prozent wären es sogar sechs Billionen Dollar. 

Die Jefferies-Analysten argumentierten, dass der zunehmende fiskalische Druck die politischen Entscheidungsträger letztlich dazu zwingen könnte, Maßnahmen zur Begrenzung der Finanzierungskosten zu ergreifen. Dadurch könnte ein für Gold günstigeres Umfeld entstehen.

Hinzu kommen anhaltende Inflationsrisiken, mögliche Kaufkraftverluste des Dollars und die fortgesetzten Goldkäufe der Zentralbanken. Diese Faktoren bilden aus Sicht von Jefferies eine wichtige Grundlage für die längerfristig positive Goldpreisprognose.

Goldminenbranche dürfte solide Ergebnisse liefern

Bei Goldminenunternehmen erwartet Jefferies für das dritte Quartal zudem solide Ergebnisse. Zwar stiegen die Dieselpreise im Berichtszeitraum um rund zwölf Prozent, während der durchschnittliche Goldpreis gegenüber dem Vorquartal um sechs Prozent auf 4.263 Dollar zurückging. Die daraus resultierende Belastung der Gewinnmargen dürfte jedoch überschaubar geblieben sein.

Zusätzliche Herausforderungen entstanden durch Wartungsarbeiten, wetterbedingte Unterbrechungen und betriebliche Anpassungen in einzelnen Minen. Gleichzeitig könnten niedrigere Steuerzahlungen den freien Cashflow je geförderter Feinunze verbessern.

Ein zunehmend wichtiger Kostenfaktor seien allerdings steigende Löhne. Während höhere Treibstoffkosten bislang als beherrschbar gelten, könnte der zunehmende Druck bei den Personalausgaben die Rentabilität stärker beeinflussen.

Tipp: Fundierte Einschätzungen zum Goldpreis und zu Minenaktien finden Sie regelmäßig im Goldfolio - dem Börsendienst von Markus Bußler.

Gold (ISIN: XC0009655157)

Goldminenaktien: Jefferies sieht attraktive Chancen

Für das vierte Quartal erwartet Jefferies eine Verbesserung der operativen Entwicklung, da vorübergehende Produktionsstörungen nachlassen dürften. Noch günstiger könnten sich die Rahmenbedingungen 2027 entwickeln: Sollte Gold tatsächlich auf 5.000 Dollar steigen, wären deutlich höhere freie Cashflow-Margen möglich.

Fazit: Grundsätzlich hält Jefferies die Ertragskraft der Branche für robust. Die Analysten bevorzugen insbesondere qualitativ hochwertige Goldproduzenten mit soliden Bilanzen und wettbewerbsfähigen Produktionskosten. Am 22. Oktober wird der US-Goldproduzent Newmont mit seinen Quartalszahlen den Auftakt zur Berichtssaison der Goldminenbranche machen. Anleger dürften dabei besonders auf die Entwicklung der Produktionskosten, Gewinnmargen und freien Cashflows achten.

Lesen Sie auch:

Wichtige Daten im Anmarsch – Ruhe vor dem Sturm beim Goldpreis?

Oder:

Goldpreis an entscheidender Marke: Darauf kommt es jetzt an