Die Allianz-Analysten gehen mit der deutschen Autoindustrie hart ins Gericht. Ohne Kurswechsel drohen laut ihrer Studie Milliardenverluste.

Die deutschen Autobauer stecken in der Krise. Und dabei handelt es sich nicht nur um eine konjunkturelle Delle, sondern um strukturelle Probleme, warnt Allianz Research in einer aktuellen Analyse.

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Deutsche Autobauer in der Krise: Legacy-Kapital-Mentalität als Ursache

Ursache dafür sei die „Legacy-Kapital-Mentalität“: Über zwei Jahrzehnte sei Geld vor allem in die Verteidigung bestehender Verbrennerplattformen und kurzfristiger Margen geflossen, statt in Elektrifizierung und Digitalisierung.

„Die Kapitalallokation der vergangenen zwei Jahrzehnte ist ein Bumerang, der jetzt zurückkommt“, sagt Guillaume Dejean, Branchenexperte bei Allianz Trade, in einer Mitteilung. „Als die Autobauer das Kapital schließlich umgeschichtet haben, um Zukunftsthemen anzugehen, ist es mit der Gießkanne auf zu viele Vorhaben verteilt worden.“

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Die Zahlen: Allianz kritisiert Einbruch bei Investitionen

Das zeigen auch die Zahlen: Die Investitionen der Autobranche brechen 2026 um rund 20 Prozent ein, der stärkste Rückgang seit 2018. Gleichzeitig steigen die Investitionen anderer europäischer Blue Chips um rund 10 Prozent. Zudem ist die Marge deutscher Hersteller von rund 13 Prozent im Jahr 2022 auf etwa 4 Prozent gefallen.

„Der Einbruch kommt genau zu dem Zeitpunkt, an dem softwaredefinierte Fahrzeuge, KI und autonomes Fahren die Wettbewerbsbedingungen neu ordnen“, sagt Dejean. „Europas Autoindustrie braucht aber nicht unbedingt mehr Kapital, sondern vor allem eine klare Strategie und Prioritätensetzung.“

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Vier strukturelle Schwächen der deutschen Autoindustrie

Die Studie benennt vier Problemfelder, die die Autoindustrie besonders treffen:

1. Späte Elektrifizierung: Die Hersteller haben das Tempo der E-Mobilität unterschätzt. Batterieelektrische Autos machen inzwischen über 20 Prozent der EU-Neuzulassungen aus, in China fast 50 Prozent.

2. China-Konkurrenz: Chinesische Marken haben ihren EU-Marktanteil von rund 2 auf knapp 10 Prozent gesteigert. Erstmals verkauften sie mehr als eine Million Fahrzeuge auf dem Kontinent. Der Handelsüberschuss der EU mit China hat sich in ein beispielloses Defizit verwandelt.

3. Schwindende Markenmacht: Die Premium-Aura deutscher Hersteller basiert auf Ingenieurskunst. Der Wert eines Autos liegt heute aber zunehmend in Software und Batterie, und beides kontrollieren überwiegend asiatische Firmen.

4. Fehlende Kapitaldisziplin: Die Branche hat nicht zu wenig Geld, sondern einen schlechten Filter dafür, wohin es fließt. Die Studie nennt als Beispiele Software-Eigenbau und Milliarden für Dieselstrafen und Wertberichtigungen. Zum Vergleich: Der Dieselskandal kostete Volkswagen über 34 Milliarden US-Dollar.

Milliarden an Wertschöpfung stehen auf dem Spiel

Die Wertschöpfung je verkauftem Fahrzeug in Europa lag im ersten Halbjahr 2026 bei deutschen Herstellern um 30 bis 45 Prozent unter dem Niveau von 2021/22. Seit 2021 haben sie rund zehn Prozentpunkte Marktanteil in Europa und sieben in China verloren.

Die Rechnung für die Zukunft: Verlieren die deutschen Hersteller bis 2030 in beiden Märkten jeweils weitere drei Prozentpunkte, entgehen ihnen rund drei Milliarden Euro Wertschöpfung. Das entspricht etwa vier Prozentpunkten der annualisierten EBITDA-Marge 2026.

Der Messe-Befund passt dazu: Auf der Pariser Autoshow stellen chinesische Marken 50 Prozent der Aussteller, 2024 waren es 23 Prozent. Europäische Marken machen nur noch 40 Prozent aus, 2022 waren es 68 Prozent.

Volkswagen St. (WKN: 766400)

Was das für Anleger bedeutet

Für Anleger ist vor allem die Margenentwicklung der Hersteller entscheidend. Sinkt sie weiter, wird es für Konzerne schwieriger, Dividenden zu zahlen und gleichzeitig in Elektrifizierung, Software und Batterien zu investieren. Die Investitionsentscheidungen der nächsten Quartale zeigen, ob die Hersteller gegensteuern. Ebenso wichtig sind Marktanteile in China und Europa, denn schon kleine Verluste treffen die Ergebnisse spürbar. Wer in die Branche investiert, sollte deshalb Quartalszahlen, Investitionsbudgets und Absatzdaten aus China genau verfolgen. 

Die großen deutschen Autobauer haben 2026 auch an der Börse einiges verkraften müssen. Bei BMW hat der Kurs 2026 deutlich nachgegeben: So lag das Papier Ende September rund 37 Prozent unter dem Jahresstart, nachdem der Konzern seine Jahresprognose deutlich gesenkt hat. Bei Volkswagen verlor die Aktie seit Jahresbeginn ebenfalls gut ein Viertel, zuletzt gab es vor allem durch Berichte über Stellenabbau Gegenwind. 

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BMW (WKN: 519000)

Häufige Fragen

Was sagt die Allianz-Studie zur Autoindustrie 2026? 

Die Studie beschreibt eine strukturelle Krise der europäischen Autobranche. Die Investitionen der Hersteller sinken 2026 um rund 20 Prozent, die Wertschöpfung je verkauftem Fahrzeug deutscher Hersteller in Europa liegt 30 bis 45 Prozent unter dem Niveau von 2021/22.

Wer hat die Allianz-Studie zur Autoindustrie veröffentlicht? 

Die Analyse stammt von Allianz Research und ist auf den 8. Oktober 2026 datiert. Autoren sind Guillaume Dejean und Ano Kuhanathan.

Welche Rolle spielt China für die europäischen Autobauer? 

Chinesische Marken erreichen laut Studie knapp zehn Prozent der europäischen Neuzulassungen und haben erstmals mehr als eine Million Fahrzeuge in Europa verkauft.

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