Ein Börsenstratege entdeckt ein "unheimliches" Muster: Der High-Beta-Momentum-Crash folgt exakt dem Verlauf von acht historischen Spekulationsblasen. Was das für Anleger bedeutet.

BTIG-Chefstratege Jonathan Krinsky hat etwas „Unheimliches" entdeckt, wie er in einer neuen Analyse mit dem Titel „The Anatomy of a Bubble" (deutsch: „Die Anatomie einer Blase") schreibt. Der jüngste Einbruch beim High-Beta-Momentum betrug exakt 35 Prozent – in genau 26 Handelstagen. Das sei dieselbe Zahl und dieselbe Zeitspanne wie bei acht der bekanntesten Spekulationsblasen der Börsengeschichte, warnt der Analyst.

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Das High-Beta-Momentum und seine sagenhafte Rally

Das High-Beta-Momentum (ETF: SPMO) hat in den vergangenen Jahren eine Rally hingelegt, die selbst Börsenveteranen staunen lässt. Laut der Analyse der Investmentbank BTIG stieg der Goldman Sachs High-Beta Momentum Basket von seinen Tiefs im Jahr 2009 bis Juni 2026 um sagenhafte 3.500 Prozent. Zum Vergleich: Der Nasdaq Composite legte in seiner 18-jährigen Hausse von 1982 bis zum Dotcom-Gipfel im Jahr 2000 „nur" 3.092 Prozent zu.

Noch aufschlussreicher ist der Kurzfristvergleich: In den 32 Monaten bis Juni 2026 schoss das High-Beta-Momentum um 373 Prozent nach oben. Selbst der technologielastige Nasdaq 100 blieb mit 345 Prozent dahinter zurück. Der Momentum-Faktor hat damit die wildesten Tech-Exzesse der Jahrtausendwende in den Schatten gestellt.

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Invesco S&P 500 Momentum ETF (WKN: A2PJ54)

Das “unheimliche” Muster: Acht Blasen, ein gemeinsamer Nenner

Jonathan Krinsky hat acht historische Boom-Bust-Zyklen unter die Lupe genommen, darunter den Dow Jones (1929), den Philadelphia Semiconductor Index (2000), die Homebuilder-Aktien (2005), Bitcoin (2018) und Silber (2026). Das Ergebnis: Im Durchschnitt fielen diese Assets nach ihrem Hoch um 35 Prozent – in 26 Handelstagen.

Das High-Beta-Momentum verlor vom Hoch am 22. Juni bis zum Tief am 29. Juli exakt 35 Prozent – in exakt 26 Handelstagen. „Das ist ein bisschen unheimlich", schreibt Krinsky. BTIG vermeidet es zwar ausdrücklich, den Momentum-Trade als Blase zu bezeichnen – doch der Stratege kommt nicht umhin festzustellen: „Viele Aspekte der jüngsten Kursentwicklung erinnern stark an frühere solche Zyklen."

Weiterführende Links

Was bedeutet das für Halbleiter- und KI-Aktien?

Nach dem ersten großen Abverkauf folgte in den historischen Vergleichsfällen im Median eine Gegenbewegung von 35 Prozent innerhalb von 14 Handelstagen. Sollte sich dieses Muster wiederholen, würde es zur Einschätzung von BTIG passen, dass Momentum- und Halbleiteraktien kurzfristig eine technische Erholung erleben könnten – mit einem möglichen Retest des 50-Tage-Durchschnitts Mitte August.

Beim Philadelphia Semiconductor Index – dem Barometer der globalen Chipbranche – hat BTIG bereits einen Einbruch von 29 Prozent über etwa einen Monat registriert, gefolgt von einem Rebound von 13 Prozent. Aber: Für Halbleiter- und KI-Aktien sei es „eindeutig viel zu früh", um das Ende des Zyklus auszurufen, so die Analysten.

Dennoch warnt BTIG unmissverständlich: Anleger sollten den Trade nicht überziehen, sobald sich die Marktbedingungen eintrüben.

Invesco PHLX Semiconductor ETF (WKN: A3CT77)

Was Anleger daraus lernen können

Die Analyse von BTIG ist für Anleger eine wichtige Warnung: Selbst die stärksten Aufwärtstrends können sich in kürzester Zeit in ihr Gegenteil verkehren – und historische Muster wiederholen sich an der Börse mit verblüffender Regelmäßigkeit. Wer in Momentum-Strategien investiert ist, sollte klare Ausstiegssignale definieren und nicht auf eine Erholung vertrauen, ohne das Rückschlagrisiko im Blick zu behalten. Kurzfristige Gegenbewegungen bieten zwar taktische Chancen, sind jedoch kein Freifahrtschein: Wer die Warnsignale ignoriert und zu lange an überhitzten Positionen festhält, riskiert, im nächsten Abverkauf auf dem falschen Fuß erwischt zu werden.

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Häufige Fragen

Was ist das High-Beta-Momentum? 

High-Beta-Momentum bezeichnet eine Anlagestrategie, die auf Aktien mit überdurchschnittlicher Kursdynamik und hoher Schwankungsbreite setzt – also Titel, die in Aufwärtsphasen besonders stark steigen. Der Goldman Sachs High-Beta Momentum Basket bündelt genau solche Aktien und gilt als Gradmesser für spekulative Marktexzesse. Anleger setzen auf diesen Faktor oft über ETFs wie den SPMO, um von starken Trendphasen zu profitieren.

Ist das High-Beta-Momentum jetzt eine Blase? 

BTIG vermeidet diesen Begriff. Chefstratege Jonathan Krinsky stellt jedoch fest, dass die jüngste Kursentwicklung starke Parallelen zu früheren Blasen aufweist. Allein die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Seit 2009 stieg der Basket um 3.500 Prozent – mehr als der Nasdaq in seinem gesamten Dotcom-Boom.

Was sollten Anleger jetzt bei Momentum- und Halbleiteraktien tun? 

Kurzfristig könnte eine technische Erholung von bis zu 35 Prozent folgen – das entspricht dem historischen Median nach vergleichbaren Einbrüchen. BTIG rät jedoch zur Vorsicht: Anleger sollten die Erholungsrally nicht überziehen und bei nachlassender Marktdynamik konsequent Gewinne sichern.

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