Walmart liefert solide Zahlen, doch die Börse reagiert nervös. Der Knackpunkt ist die wachsende Vorsicht der US-Konsumenten – und genau die könnte ein Frühwarnsignal für die ganze US-Wirtschaft sein.

Walmart hat geliefert. Der weltgrößte Einzelhändler hob die Prognose an, legte beim Umsatz zu und profitierte zusätzlich von Milliarden an Zollrückerstattungen. Trotzdem fiel die Aktie am Donnerstag wie ein Stein. Am Abend steht ein Minus von fast neun Prozent zu Buche. Denn der Markt schaut nicht auf das starke Gesamtbild, sondern auf das, was in den USA schiefläuft.

Dort liegt der eigentliche Knackpunkt: Das US-Geschäft von Walmart, das Herzstück des Konzerns, wuchs im Quartal auf vergleichbarer Basis nur noch um 2,6 Prozent. Das war deutlich schwächer als erwartet und fiel deutlich weniger dynamisch aus als in den übrigen Bereichen Onlinehandel, Werbung und Mitgliedschaften.

Anleger fragen sich nun: Wenn ausgerechnet Walmart, der klassische Krisengewinner unter den US-Händlern, plötzlich auf eine vorsichtigere Kundschaft trifft, ist das dann ein Warnsignal? Nicht nur für den Konzern, sondern womöglich für die gesamte US-Wirtschaft.

Die Kunden werden zögerlicher

Walmart spricht offen davon, dass die US-Verbraucher zurückhaltender werden. Grund dafür sind die hohen Kraftstoffpreise und steigende Lebenshaltungskosten. Zwar kaufen sie weiter ein, doch sie tun es preissensibler.

Genau diese Botschaft ist für die Börse ein Problem. Denn der Konsum ist der zentrale Motor der amerikanischen Wirtschaft. Wenn Kunden selbst bei Walmart die Gürtel enger schnallen, ist das ein Signal, das weit über den Einzelhandel hinausreicht.

Walmart (WKN: 860853)

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Starkes Quartal, schwacher Ausblick

Operativ lief das Quartal eigentlich ordentlich: Der Umsatz kletterte um 5,9 Prozent auf 187,94 Milliarden US-Dollar. Der Konzern hob sogar die Jahresprognose an: Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Walmart nun ein Umsatzplus von 4 bis 5 Prozent statt bisher 3,5 bis 4,5 Prozent.

Hinzu kommen Milliarden aus Zollrückerstattungen, insgesamt rund 2,9 Milliarden US-Dollar. Konzernchef John David Rainey kündigte an, dieses Geld in niedrigere Preise für die Kunden zu stecken. Das passt zur Strategie des Hauses, zeigt aber auch: Walmart muss stärker als früher um jeden Dollar kämpfen.

Und so klang der Ausblick auf das dritte Quartal auch schon weniger berauschend. Dafür stellt der Einzelhandelsriese nur noch ein Umsatzplus von 3 bis 3,75 Prozent in Aussicht. Auch beim operativen Ergebnis dämpft Walmart die Erwartungen. Für einen Titel, der lange als defensiver Fels in der Brandung gilt, ist das ernüchternd.

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Die Börse wittert Konjunkturabkühlung

Die Reaktion fiel brutal aus. Die Aktie sackte im frühen Handel zeitweise um fast zehn Prozent ab, um 20 Uhr deutscher Zeit steht sie noch neun Prozent im Minus. Das ist bemerkenswert, weil Walmart eigentlich solide Zahlen vorgelegt hat. Doch an der Börse kam an: Die US-Verbraucher werden vorsichtiger. Das kann ein erstes Vorzeichen dafür sein, dass sich die gesamte US-Konjunktur gerade abkühlt.

Fazit: Aktie deutlich angeschlagen

Walmart bleibt operativ stark, keine Frage. Online, Werbung und Mitgliedschaften laufen. Die Prognose wurde angehoben. Das Geschäftsmodell funktioniert. Deshalb könnte der heutige Kursrutsch überzogen sein und sich die Aktie bald erholen. Allerdings notiert die nun unter ihrem Kurs zum Jahresstart uns schon seit Anfang Juli unter der 200-Tage-Linie. Es gibt viele Investoren, die solche Titel erst einmal abstoßen.

Enthält Material von dpa-AFX