Nach der Zinserhöhung der EZB am Donnerstag richten sich die Blicke nun auf die USA und Japan, wo diese Woche ebenfalls höhere Leitzinsen erwartet werden. Für den Goldpreis wird damit spannend, wie gut er den zunehmenden Zinsdruck verkraftet.
Normalerweise sind steigende Zinsen keine guten Nachrichten für Gold: Das Edelmetall wirft keine laufenden Erträge ab, während höher verzinste Anleihen attraktiver werden, und steigende US-Zinsen können den Dollar stärken. Dennoch gehen mehrere von Kitco befragte Analysten davon aus, dass selbst eine weitere Zinserhöhung der US-Notenbank den langfristigen Gold-Bullenmarkt nicht beenden dürfte.
Die Märkte preisen mittlerweile mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Zinserhöhung der Fed ein, trotzdem behauptet sich Gold zuletzt oberhalb von 4.300 Dollar. Sprott-Präsident Ryan McIntyre führt das auch darauf zurück, dass eine Anhebung um 25 Basispunkte bei Kursen unter 4.400 Dollar bereits weitgehend eingepreist sei – kurzfristig belastend, aber ohne grundlegenden Trendwechsel.
Ähnlich argumentiert Ryan McKay von TD Securities: Starke Konjunkturdaten und eine restriktive Fed könnten kurzfristige Verkäufe systematischer Fonds auslösen, das Abwärtspotenzial hält er aber für begrenzt. Als Gegengewicht nennt er die Dollarentwertung, hohe Zentralbankkäufe und die wieder zunehmende ETF-Nachfrage – Kursrückgänge dürften zunehmend als Einstiegsmöglichkeiten gelten.
Staatsschulden werden zum entscheidenden Goldpreisfaktor
Der Grund für diese Zuversicht liegt vor allem im US-Anleihemarkt. Die amerikanischen Staatsschulden haben die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten, die Anleiherenditen bewegen sich auf hohem Niveau. Selbst milliardenschwere Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen durch das US-Finanzministerium konnten die Renditen zuletzt nicht entscheidend drücken.
Damit steckt die Fed in einem Dilemma: Höhere Leitzinsen sollen die Inflation bekämpfen, verteuern aber die Finanzierung der Staatsschulden. Jeff Sarti von Morton Wealth sieht deshalb nur begrenzten Spielraum für aggressive Zinserhöhungen. Naeem Aslam von Zaye Capital Markets verweist zudem auf ein Glaubwürdigkeitsproblem: Erhöht die Fed die Zinsen, dürfte dies den Anleihemarkt kaum beruhigen; verzichtet sie darauf, könnten Zweifel an ihrem Kampf gegen die Inflation aufkommen.
Genau hier setzt auch die Argumentation des World Gold Council an. Die jüngst ausgeweiteten Rückkäufe von US-Staatsanleihen sollen offiziell die Marktliquidität verbessern. Werden sie von Investoren jedoch als Versuch gedeutet, steigende Renditen trotz hoher Defizite zu begrenzen, könnte dies Zweifel an der langfristigen Stabilität der Staatsfinanzen verstärken.
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Warum Interventionen Gold sogar helfen könnten
Nach Berechnungen des World Gold Council wäre das für Gold keineswegs zwangsläufig negativ – entscheidend ist, wie glaubwürdig die Märkte die Intervention einschätzen. Bleiben die nominalen Renditen unter Kontrolle, während Realzinsen sinken und der Dollar schwächer wird, wäre das für Gold sogar günstig. Gilt die Intervention dagegen als glaubwürdig, fällt der Rückenwind historisch deutlich schwächer aus. Der WGC betont selbst, dass es dafür kaum historische Präzedenzfälle gibt: Von rund 1.400 untersuchten Wochen seit 2000 passten nur etwa 20 zum vertrauenserodierenden Muster – die Analyse liefert also eher einen Hinweis als einen belastbaren Beweis.
Wie kräftig die Investmentnachfrage reagieren kann, zeigte bereits der August: Gold verteuerte sich um 13,3 Prozent auf 4.563 Dollar. Gold-ETFs verbuchten weltweit Zuflüsse (Europa 54 Tonnen, Nordamerika 53 Tonnen), während auch die Netto-Long-Positionen spekulativer Anleger an der COMEX deutlich ausgebaut wurden.
Fazit: Eine Zinserhöhung der Fed kann den Goldpreis kurzfristig unter Druck setzen. Für den längerfristigen Trend dürfte jedoch entscheidender sein, ob es den USA gelingt, ihre hohen Defizite und wachsenden Schulden glaubwürdig einzudämmen. Solange daran Zweifel bestehen, bleiben Staatsverschuldung, Zentralbankkäufe und ETF-Nachfrage starke Argumente für Gold – selbst in einem Umfeld steigender Leitzinsen.
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