Beim Goldpreis haben die charttechnischen Risiken in der vergangenen Woche spürbar zugenommen. Mehrere technische Indikatoren mahnen zur Vorsicht, und zwei Kursmarken könnten darüber entscheiden, ob eine größere Verkaufswelle droht.
Nach der kräftigen Rally der vergangenen Monate hat sich das charttechnische Bild zuletzt eingetrübt. Das zeigt auch die technische Analyse von TradingView für den meistgehandelten Gold-Future an der COMEX: Von 26 ausgewerteten Signalen stehen derzeit elf auf Verkauf, neun auf Neutral und nur sechs auf Kauf. Besonders auffällig ist die Entwicklung der gleitenden Durchschnitte (Moving Averages), die den übergeordneten Trend anzeigen sollen. Fällt der Kurs unter wichtige Durchschnittslinien oder drehen kurzfristige Durchschnitte nach unten, deutet das auf nachlassendes Momentum hin – eine Garantie für weiter fallende Kurse ist das allerdings nicht.
TD Securities warnt vor 4.367 und 4.300 Dollar
Auch die Rohstoffexperten Ryan McKay und Bart Melek von TD Securities sehen kurzfristig die Gefahr zunehmenden Verkaufsdrucks und nennen zwei konkrete Marken, deren Unterschreiten automatisierte Verkäufe auslösen könnte. Gold habe sich bislang robuster gehalten als andere Edelmetalle, obwohl steigende Energiepreise und höhere Zinserwartungen an die US-Notenbank für Gegenwind sorgen. Kurzfristig dürfte der Goldpreis deshalb besonders sensibel auf neue Konjunktur- und Inflationsdaten sowie geldpolitische Signale reagieren.
Unterhalb von 4.367 Dollar dürften laut den Analysten sogenannte Commodity Trading Advisors (CTAs) – systematisch agierende Marktteilnehmer, deren Modelle auf Preis- und Trendsignale reagieren – zu moderaten Verkäufern werden. Noch wichtiger ist die Schwelle von 4.300 Dollar: Darunter könnten systematisch handelnde Fonds verstärkt auf die Verkaufsseite wechseln. Ein Bruch dieser Unterstützung könnte zusätzlichen, regelbasiert ausgelösten Verkaufsdruck erzeugen und eine Abwärtsbewegung beschleunigen – unabhängig von einer fundamental pessimistischeren Einschätzung.
Melek rechnet damit, dass Gold in Richtung des unteren Endes der zuletzt beobachteten Handelsspanne von 4.200 bis 4.700 Dollar zurückfallen könnte. Belastend wirkt vor allem die wieder restriktivere Wahrnehmung der US-Geldpolitik: Höhere kurzfristige Zinsen erhöhen die Opportunitätskosten des unverzinsten Edelmetalls und können den Dollar stützen.
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Langfristiger Ausblick bleibt positiv
Grundsätzlich pessimistisch ist TD Securities dennoch nicht. Selbst starke US-Konjunkturdaten und eine restriktive Fed dürften den Analysten zufolge nur zusätzliche moderate Verkäufe auslösen und den nächsten Aufwärtsschub verzögern – statt einen nachhaltigen Einbruch einzuleiten. Dafür sprechen mehrere strukturelle Faktoren: Die Diskussion über eine langfristige Dollar-Entwertung hält an, Zentralbanken kaufen weiter große Mengen Gold, und auch Gold-ETFs verzeichnen wieder Zuflüsse.
Passend dazu erwartet TD Securities nach einer möglichen Schwächephase wieder deutlich höhere Notierungen – für das dritte Quartal 2027 liegt das Kursziel bei 5.350 Dollar. Zentralbanken, institutionelle Investoren und Privatanleger könnten Kursrückgänge sogar als günstigere Einstiegsmöglichkeiten nutzen.
Fazit: Für Anleger ergibt sich ein zweigeteiltes Bild. Langfristig bleiben die fundamentalen Argumente für Gold intakt, kurzfristig haben die Risiken jedoch zugenommen. Besonders die Marken 4.367 Dollar und 4.300 Dollar sollten im Blick bleiben – fallen beide, könnte aus einer normalen Korrektur durch zusätzliche systematische Verkäufe schnell eine deutlich stärkere Abwärtsbewegung werden.
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