Kaum hatte der US-Finanzminister den Bondmarkt am Mittwoch beruhigt, steigen die Renditen schon wieder. Die eigentlichen Probleme am langen Ende sind damit offenbar noch längst nicht gelöst.

Der kurze Frieden am Bondmarkt war offenbar nur von kurzer Dauer. Erst am Mittwoch hatte der US-Finanzminister Scott Bessent mit der Anlündigung massiver Anleiherückkäufe für Entspannung bei den Bondrenditen gesorgt. Nicht nru die Aktienkurse, auch der Goldpreis und auch Bitcoin stiegen stark an.  

Doch am Donnerstag steigen die Renditen schon wieder. Das zeigt, wie nervös der Markt im langen Ende ist.

Die eigentliche Pointe: Solche Interventionen kennt man normalerweise von Notenbanken, nicht von der Politik. Dass nun das US-Finanzministerium selbst als Stabilisator auftritt, zeigt, wie ernst die Lage inzwischen geworden ist - und wie wenig nachhaltig der erste Renditerückgang offenbar war.

Alles nur ein Strohfeuer?

Am Donnerstag legte die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe erneut zu und stieg auf 5,251 Prozent. Auch die Rendite auf 10-jährige Treasuries zog wieder auf 4,704 Prozent an – und damit in eine Zone, die Marktteilnehmer mittlerweile als Schmerzgrenze für die US-Regierung ausgemacht haben. Immer, wenn die Rendite diese Marke in der Vergangenheit überstieg, reagierte das Weiße Haus.

Damit ist der unmittelbare Effekt der Bessent-Ankündigung weitgehend dahin.

Komentatoren beim US-Börsensender CNBC sprachen von einem Pullback , der den zuvor erzwungenen Renditerückgang praktisch ausradiert hat. Der Markt hat die Maßnahme also schnell eingepreist und schaut nun wieder verstärkt auf die ungelösten Probleme: hohe Defizite, zähe Inflation und ein riesiges Angebot an Staatsanleihen von Industriestaaten am Markt, die erst einmal Investoren finden müssen.

Weiterführende Links

Wie ernst ist die Lage wirklich?

US-Finanzminister Scott Bessent hatte angekündigt, die Rückkäufe länger laufender Staatsschulden auf mindestens vier Milliarden US-Dollar pro Auktion zu verdoppeln erreichen. Ziel ist vor allem das Segment zwischen zehn und 30 Jahren. Bei sechs bis acht verbleibenden Auktionen in diesem Jahr entspricht das einem zusätzlichen Volumen von bis zu 16 Milliarden Dollar allein in 2026.

Normalerweise so ein Anleihenprogramm Sache der Notenbank. Zentralbanken intervenieren, wenn Märkte austrocknen oder die Finanzierungskonditionen aus dem Ruder laufen. Dass jetzt der Staat selbst aktiv wird, ist deshalb kein Routinevorgang, sondern ein Zeichen von Stress.

Probleme nicht gelöst

Die Großbank JPMorgan warnt, die Maßnahme verdecke zwar die Probleme, löse sie aber nicht. Das ist der zentrale Punkt: Rückkäufe können den Markt kurzfristig beruhigen, weil sie über die zusätzliche Nachfrage die Anleihenkurse treiben und so die implizierten Renditen sinken. Aber so ein Schritt beseitigt weder das riesige Angebot an Staatsanleihen noch die Inflationssorgen.

Hinzu kommt, das die massiven KI-Investitionen dazu führen, dass Hyperscaler wie Alphabet, Amazon oder Microsoft auch den Markt für Unternehmensanleihen fluten und so eien Konkurrenz zu Staatsanleihen schaffen. Wenn solche Unternehmen mit – bislang – guter Bonität Kapital anziehen, müssen US-Staatsanleihen höhere Coupons bieten, um überhaupt Käufer zu finden. Das hält die Kurse zusätzlich unter Druck.

Die Aktienmärkte reagieren auf diese Entwicklung entsprechend empfindlich. Höhere Langfristrenditen belasten die Bewertungen, vor allem bei Wachstums- und Technologiewerten. Dass die Wall Street-Futures nach der ersten Bessent-Reaktion zwar sprangen, aber die Renditen schon wieder anziehen, ist für die Bullen keine gute Nachricht.

Der Markt wird die US-Regierung weiter testen

Die wichtigste Botschaft lautet: Der Anleihemarkt glaubt den staatlichen Ankündigungen (noch) nicht. UZnd wenn die Renditen am langen Ende wieder steigen, drückt das auch die Aktienkurse.

Der Bessent-Zauber hat kurzfristig gewirkt, aber er ersetzt keine echte Lösung für die amerikanischen Haushaltsdefizite und den Inflationsdruck. 

Und so wird der Markt die Schmerzgrenze der US-Regierung nun immer wieder testen – und sie dadurch zwingen, den Märkten ein weiteres Mal Zucker zu geben.


Egal, wie sich die Märkte bewegen: Mit den Anlagetipps der BÖRSE ONLINE-Redaktion steuern Sie ihr Portfolio auch durch turbulentes Fahrwasser; am besten mit einem wöchentlichen Abonement. Aktuell können Sie im Probe-Abo vier Ausgaben zum Preis von nur 7,80 Euro testen. 

Hier Probe-Abo abschließen

Häufige Fragen zum Thema

Warum steigen die Renditen gerade jetzt so stark? 

Der Anleihenmarkt preist nicht nur eine höhere Inflation, sondern auch die schwache US-Fiskallage und geopolitische Risiken ein. Dazu kommt, dass die wachsende Staatsverschuldung, vor allem der USA, das Vertrauen in langlaufende US-Anleihen belastet. Das treibt die Renditen zusätzlich nach oben.

Warum beeinflussen die Anleiherenditen am Bondmarkt den Goldpreis?

Die Anleiherenditen bilden in gewisser Weise auch die Zinserwartungen des Marktes ab - unb das beeinflusst den Goldpreis. Steigen die ZInsen, ist das für Gold, das keine Zinsen abwirft, ungünstig. Fallen die Renditen, steigt der Goldpreis. Am Mittwoch gingen die Anleiherenditen zurück, während der Dollar in die Nähe eines Dreimonatstiefs fiel – beides verbessert normalerweise das Marktumfeld für das zinslose, in Dollar gehandelte Edelmetall.

Warum steigt Bitcoin, wenn die Renditen auf Anleihen sinken?

Wenn die Renditen von Anleihen sinken, steigt oft der Bitcoin-Kurs, weil sich dann eine risikolose Anlage in verzinste Papiere weniger lohnt. Anleger suchen dann nach höheren Gewinnchancen bei riskanteren Anlagen. Sinkende Renditen bedeuten gkleichzeitig meist auch mehr Geld im Markt, was die Zuflüsse in Risikoassets erhöht und außerdem den Wert von Bitcoin als Schutz vor Geldentwertung stärkt.