Der Goldpreis hat sich seit Ende 2023 mehr als verdoppelt und bricht Rekord um Rekord. Die Analysten von JP Morgan sind aber überzeugt: Das Beste kommt noch.
Gold glänzt wie selten zuvor. Seit Jahren befindet sich das Edelmetall in einer gigantischen Rally und legte 2025 sogar um 65 Prozent zu – das stärkste Jahresergebnis seit 1979. Auch 2026 setzt Gold seinen Höhenflug fort - wenn auch mit einigen Dellen. Für die Strategen der amerikanischen Großbank JP Morgan ist die Frage nicht ob, sondern wie weit Gold noch steigen kann. Ihre Prognose: Der Preis könnte auf zwischen 6.000 und 6.300 Dollar je Unze steigen.
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Goldpreis: Rückenwind aus mehreren Richtungen
Doch was treibt den Goldpreis derzeit an? JP Morgan sieht ein Zusammenspiel mehrerer struktureller Kräfte:
1. Ein schwacher Dollar: Da Gold in US-Dollar notiert wird, profitiert das Edelmetall von einer Schwäche der amerikanischen Währung. Der Dollar hat nach einem Jahr signifikanter Verluste zwar begonnen, sich zu stabilisieren – bleibt aber unter Druck. Anhaltende Zweifel an der Unabhängigkeit der US-Notenbank Federal Reserve und wachsende Bedenken über die fiskalische Lage der Vereinigten Staaten bremsen eine nachhaltige Erholung des Greenbacks.
2. Kaufrausch der Zentralbanken: Der vielleicht bedeutendste neue Treiber: Zentralbanken weltweit kaufen Gold in einem historisch beispiellosen Tempo. 2022 erwarben sie netto 1.082 Tonnen – mehr als doppelt so viel wie im Zehnjahresschnitt davor. Dieses hohe Tempo hielt auch 2023 und 2024 an. Hauptmotiv ist Diversifikation weg vom US-Dollar, besonders bei Schwellenländern, die ihre Reserven weniger anfällig für potenzielle Sanktionen machen wollen. Laut einer Umfrage des World Gold Council planen 43 Prozent der befragten Zentralbanken, ihre Goldreserven im kommenden Jahr weiter zu erhöhen.
3. Zuflüsse von Privatanlegern: Gold-ETFs erlebten ab Mitte 2024 einen deutlichen Zulauf. Der Hintergrund: Als die Fed begann, die Zinsen zu senken, wurden Geldmarktfonds und Tagesgeld weniger attraktiv – und Gold profitierte. Die bekannten ETF-Bestände stiegen von rund 82 Milliarden US-Dollar Mitte 2024 auf über 98 Milliarden Dollar Ende 2025.
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Gold und Zinsen: Die alte Korrelation gilt gerade nicht mehr
Traditionell verhält sich Gold wie ein Gegengewicht zu den Realzinsen: Steigen die inflationsbereinigten Zinsen, fällt Gold – und umgekehrt. Seit 2022 gilt diese Regel nicht mehr uneingeschränkt. Obwohl die Fed die Zinsen in einem historisch rasanten Tempo anhob und die Realrenditen auf den höchsten Stand seit der Finanzkrise 2008 trieb, blieb Gold bemerkenswert stabil und zog danach sogar kräftig an.
JP Morgan erklärt diese Entkopplung mit dem veränderten Nachfrageverhalten der Zentralbanken. Die Bank rechnet damit, dass sich die inverse Korrelation langfristig wieder normalisiert – Gold aber weiterhin asymmetrisch reagiert: Es steigt stärker, wenn Zinsen fallen, als es fällt, wenn Zinsen steigen.
Vorsicht: Gold ist kein risikoloser Hafen
JP Morgan warnt aber auch ausdrücklich vor einer Verharmlosung der Risiken. Gold ist ein volatiles Asset. Die annualisierte Schwankungsbreite der vergangenen 20 Jahre lag bei rund 17 Prozent – leicht höher als bei Large-Cap-Aktien. Seit 1975 verzeichnete das Edelmetall 91 Kursrückgänge von mehr als zehn Prozent, also im Schnitt etwa einen alle sieben Monate.
Eindrückliches Beispiel: Am 30. Januar 2026 fiel Gold an einem einzigen Tag um 9,8 Prozent – der größte Tagesverlust seit 2013. Auslöser war die Meldung, dass Kevin Warsh – als Inflationsfalke bekannt – als nächster Fed-Chef nominiert werden soll. Auch langfristige Schwächephasen sind historisch belegt: Von September 2011 bis Dezember 2015 verlor Gold rund 40 Prozent und erholte sich erst im August 2020 vollständig.
Gold im Portfolio: Stabilisator mit Potenzial
Trotz dieser Risiken sieht JP Morgan Gold als sinnvollen Portfoliobaustein. Das Edelmetall weist historisch eine geringe Korrelation sowohl zu Aktien als auch zu Anleihen auf. In den fünf stärksten Börsencrashs des S&P 500 (jeweils mehr als 20 Prozent Rückgang) erzielte Gold im Durchschnitt eine positive Rendite von sechs Prozent.
Die Bank empfiehlt eine Beimischung von rund fünf Prozent Gold in einem ausgewogenen Portfolio (55 Prozent Aktien / 45 Prozent Anleihen). Das Ergebnis laut JP-Morgan-Modell: Die erwartete Rendite bleibt stabil, während die Gesamtvolatilität des Portfolios moderat sinkt.
Prognosen: Was andere Banken zu Gold sagen
JP Morgan ist mit seinem Optimismus nicht allein – wenngleich die Kursziele der Häuser teils erheblich auseinandergehen.
Stratege Michael Hsueh von der Deutschen Bank stuft den Goldmarkt ebenfalls als außergewöhnlich stark ein. Seit August 2024 befinde sich der Goldpreis in einer Phase, die er als „explosiv" bezeichnet – und dieser Zustand halte an. Sein Kursziel für Ende 2026: 4.600 US-Dollar je Unze.
Auch Strategen von Wells Fargo sehen Gold zunehmend als attraktiven Portfoliobaustein. Das US-Haus betont vor allem die Diversifikationseigenschaften des Edelmetalls in einem Umfeld erhöhter geopolitischer Unsicherheit und nachlassender Attraktivität von Geldmarktprodukten. Das Institut erhöhte seine Prognose für Ende 2026 erst und passte dann diese im Rahmen seines Mid-Year Outlooks zuletzt auf eine Spanne von 5.300 bis 5.500 US-Dollar an.
Trotz unterschiedlicher Kursziele sind sich die Analysehäuser aber einig: Die anhaltende Schwäche des US-Dollars, strukturell erhöhte Zentralbanknachfrage aus Schwellenländern sowie die Suche nach Alternativen zu Geldmarktanlagen sind die dominierenden Treiber. Geopolitische Risiken – von den US-Defiziten bis zu Handelskonflikten – verstärken dieses Bild. Gold bleibt also auf absehbare Zeit attraktiv, auch wenn es kein Allheilmittel ist.
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Häufige Fragen
Warum steigt der Goldpreis gerade so stark?
Der Goldpreis profitiert von mehreren Faktoren gleichzeitig: einem schwachen US-Dollar, einer historisch hohen Kaufaktivität der Zentralbanken weltweit sowie steigenden Zuflüssen in Gold-ETFs, seit die Zinssenkungen der Fed Geldmarktprodukte weniger attraktiv machen. Hinzu kommen geopolitische Unsicherheiten und Zweifel an der fiskalischen Stabilität der USA, die Gold als sicheren Wertspeicher attraktiver machen. JP Morgan sieht diese Treiber als strukturell und langfristig intakt.
Ist Gold jetzt noch ein gutes Investment – oder ist die Rally vorbei?
Die großen Banken sehen noch Luft nach oben: JP Morgan prognostiziert 6.000 bis 6.300 Dollar je Unze, Wells Fargo zuletzt 5.300 bis 5.500 Dollar zum Jahresende. Allerdings ist Gold kein risikoloser Hafen – die Schwankungsbreite ist höher als bei Aktien, und Einbrüche von zehn Prozent und mehr kommen im historischen Schnitt alle sieben Monate vor. Als Beimischung im Portfolio – JP Morgan empfiehlt rund fünf Prozent – kann Gold aber zur Stabilisierung beitragen, weil es wenig mit Aktien und Anleihen korreliert.
Warum kaufen Zentralbanken so viel Gold?
Zentralbanken – vor allem aus Schwellenländern – wollen ihre Reserven breiter aufstellen und unabhängiger vom US-Dollar werden. Wer Dollar-Reserven hält, ist im Konfliktfall angreifbar: Sanktionen, wie sie Russland nach dem Einmarsch in die Ukraine trafen, können eingefrorene Devisenreserven bedeuten. Gold dagegen ist physisch, sanktionssicher und knapp. Laut einer Umfrage des World Gold Council planen 43 Prozent der befragten Notenbanken, ihre Goldbestände weiter aufzustocken.