Immer mehr Analysten sehen beim Goldpreis langfristig mehr Chancen als Risiken. Zu ihnen zählt TD Securities. Die kanadische Investmentbank hält die aktuelle Schwäche für vorübergehend und erwartet 2027 einen erneuten Anstieg auf über 5.000 Dollar.
Eigentlich spricht das geldpolitische Umfeld gegen Gold. Steigende Leitzinsen und hohe Realrenditen erhöhen die Attraktivität verzinslicher Anlagen und damit die Opportunitätskosten des Edelmetalls. Dennoch zeigt sich Gold nach Einschätzung von Ryan McKay, Senior Commodity Strategist bei TD Securities, erstaunlich widerstandsfähig.
Goldpreis trotzt steigenden Zinsen
Für die Bank ist dies ein Hinweis darauf, dass der früher enge Zusammenhang zwischen Goldpreis und Zinsen an Bedeutung verloren hat. Historisch gab es durchaus Phasen, in denen Gold trotz steigender Realrenditen zulegen konnte. Entscheidend ist, welche anderen Risiken Anleger gleichzeitig beschäftigen.
Derzeit sieht TD Securities gleich mehrere strukturelle Unterstützungsfaktoren: geopolitische Unsicherheit, die Diversifizierung weg vom Dollar, Sorgen über eine mögliche Geldentwertung sowie Zweifel an der langfristigen Tragfähigkeit der Staatsfinanzen. Auch hartnäckige Inflationsrisiken halten die Nachfrage nach Gold aufrecht.
Hinzu kommt ein interessanter geldpolitischer Aspekt. Nach Berechnungen von TD Securities haben die Märkte bereits drei weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank eingepreist. Sollte die Fed weniger stark straffen als erwartet, könnte dies Gold zusätzlichen Rückenwind verleihen. Der positive Ausblick der Bank hängt allerdings nicht davon ab, dass dieses Szenario tatsächlich eintritt.
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ETF-Zuflüsse und Anlegernachfrage sprechen für Gold
Besonders wichtig ist für McKay die Entwicklung der Investmentnachfrage. Diskretionär handelnde Makroinvestoren bauen seit Juni ihre Netto-Long-Positionen (optimistische Markterwartung) wieder aus. Trotzdem befindet sich die Positionierung noch weit entfernt von früheren Extremwerten. TD Securities beziffert den Abstand zum Hoch von 2022 auf rund 30 Prozent, gegenüber den geschätzten Rekordständen von 2016 sogar auf etwa 50 Prozent.
Aus Sicht der Bank besteht damit noch erheblicher Spielraum für zusätzliches Kapital, sollte sich die Stimmung gegenüber Gold weiter verbessern. Diese Entwicklung zeigt sich bereits bei goldgedeckten ETFs. Seit Juli haben globale Gold-ETFs laut TD Securities ungefähr 6,3 Millionen Unzen aufgenommen. Bemerkenswert ist, dass die Nachfrage trotz des erneuten Zinserhöhungszyklus der Fed bislang kaum nachgelassen hat. McKay betrachtet diese Entwicklung dennoch erst als frühe Phase einer möglichen neuen Aufwärtsbewegung.
Zentralbanken begrenzen das Abwärtsrisiko
Eine zweite wichtige Stütze bilden die Zentralbanken. Auf Basis von Zolldaten, Handelsströmen und Abweichungen bei Lagerbeständen schätzt TD Securities deren Käufe im gleitenden Dreimonatsdurchschnitt auf knapp 70 Tonnen pro Monat. Die Bank hält es zudem für möglich, dass Notenbanken stärkere Kursrückgänge gezielt für weitere Käufe nutzen.
Besonders auffällig bleibt China. Die chinesischen nichtmonetären Goldimporte bewegen sich laut TD Securities 2026 bislang auf Rekordniveau. Gleichzeitig hat die People's Bank of China inzwischen 22 Monate in Folge Goldkäufe gemeldet. Die tatsächlichen Käufe der Notenbank könnten nach Einschätzung der Analysten sogar deutlich höher sein als offiziell ausgewiesen. Hinzu kommen anhaltende Zuflüsse in chinesische Gold-ETFs und eine hohe Positionierung großer Händler an der Shanghai Futures Exchange.
Fazit: Für TD Securities ergibt sich daraus ein günstiges Gesamtbild. Robuste Zentralbankkäufe und ETF-Zuflüsse begrenzen das Abwärtsrisiko, während die noch moderate Positionierung institutioneller Investoren zusätzliches Aufwärtspotenzial eröffnet. Selbst höhere Zinsen dürften den Goldpreis deshalb eher bremsen als einen längerfristigen Trendwechsel auslösen. TD Securities erwartet vor diesem Hintergrund, dass Gold im Verlauf des Jahres 2027 wieder über 5.000 Dollar ansteigen kann.
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