Der Goldpreis startet angeschlagen ins vierte Quartal. Steigende Anleiherenditen und ein fester Dollar haben die jüngste Korrektur beschleunigt. Dennoch hält FOREX.com-Marktanalyst Fawad Razaqzada eine Erholung bis zum Jahresende weiterhin für möglich.

Noch am 25. September hatte sich Razaqzada vorsichtig optimistisch gezeigt. Ein wichtiges Argument war die Widerstandsfähigkeit von Gold gegenüber einem eigentlich ungünstigen Umfeld: Die US-Notenbank hatte die Zinsen erhöht, auch EZB und Bank of Japan strafften ihre Geldpolitik, gleichzeitig stiegen die US-Anleiherenditen kräftig und der Dollar wertete auf. Dennoch hatte Gold im dritten Quartal bis dahin rund 6,4 Prozent zugelegt.

Hohe Anleiherenditen belasten den Goldpreis

Wenige Tage später wurde die Belastungsprobe jedoch zu groß: Am 28. September brach Gold zeitweise um rund drei Prozent ein. Razaqzada machte dafür den weiteren Renditeanstieg und die Dollarstärke verantwortlich. Höhere Realrenditen erhöhen die Opportunitätskosten des unverzinsten Goldes, während ein stärkerer Dollar das Edelmetall für Käufer außerhalb des Dollarraums verteuert.

Seinen grundsätzlich konstruktiven Ausblick hat der Analyst dennoch nicht aufgegeben. Bereits im Q4-Ausblick hatte er darauf hingewiesen, dass weiter steigende Renditen das Aufwärtspotenzial zunächst begrenzen könnten – der Rückschlag bestätigt also vor allem dieses bereits bekannte Risiko.

Gold (ISIN: XC0009655157)

Zentralbankkäufe könnten Goldpreis stützen

Für eine mögliche Jahresendrallye spricht aus Razaqzadas Sicht insbesondere die anhaltende Notenbanknachfrage. Im Juli kauften Zentralbanken laut World Gold Council netto 23 Tonnen Gold, angeführt von China und Polen. Bemerkenswert: Die hohen Preise haben die Notenbanken bislang nicht von weiteren Käufen abgehalten. Setzt sich die Diversifizierung der Währungsreserven fort, könnte dies auch private und institutionelle Investoren dazu bewegen, ihre Goldpositionen über ETFs, Spotmarkt oder Futures auszubauen.

Ein weiterer möglicher Impulsgeber ist der Dollar: Eine Entspannung im US-Iran-Konflikt könnte Ölpreise und Zinserwartungen senken und das Umfeld für Gold verbessern. Paradoxerweise könnte auch eine weitere Verschärfung der Probleme am US-Anleihemarkt helfen. Verlieren nämlich Anleger das Vertrauen in die Fähigkeit der Fed, Inflation und Renditen zu kontrollieren, könnte der sogenannte Debasement-Trade zurückkehren und Gold als Alternative zu Papierwährungen stärker gefragt sein.

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Diese Goldpreis-Marken werden jetzt wichtig

Langfristig sieht Razaqzada den Aufwärtstrend weiterhin als intakt an, kurzfristig hat sich das Bild jedoch eingetrübt. Nach dem Kursrutsch vom 28. September richtet sich der Blick zunächst auf die Zone zwischen 4.100 und 4.165 Dollar als mögliche Unterstützung. Selbst bei einer Erholung wäre zunächst ein bestätigtes Umkehrsignal nötig. Als nächste Hürde gilt der Bereich um 4.250 bis 4.325 Dollar, danach müsste auch die 4.400-Dollar-Marke zügig zurückerobert werden.

Hält der Verkaufsdruck dagegen an, könnte die 4.000-Dollar-Region erneut getestet werden. Ein Bruch des Sommertiefs bei 3.942 Dollar würde den langfristigen Ausblick erheblich verschlechtern und den Weg zur Marke von 3.500 Dollar öffnen. Aus dem Q4-Ausblick bleibt zudem relevant: Ein nachhaltiger Ausbruch über 4.400 Dollar könnte 4.500, dann 4.700 und schließlich sogar 5.000 Dollar ins Visier rücken.

Fazit: Eine Jahresendrallye ist keineswegs ausgemacht. Steigende Renditen und der starke Dollar erhöhen zunächst die Risiken, während Zentralbankkäufe, mögliche Dollar-Zweifel und der langfristige Aufwärtstrend weiterhin für Gold sprechen. Für eine echte Trendwende müssten nun aber auch die charttechnischen Signale folgen.

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