Goldman Sachs zählt im Rohstoffsektor zu den international besonders beachteten Analysehäusern. Umso interessanter ist, dass die Bank ihren optimistischen Gold-Ausblick mit neuen Daten untermauert und dabei vor allem auf einen wichtigen Käuferkreis blickt.
Goldman Sachs hält an seinem Goldpreisziel von 4.900 Dollar für Ende 2026 fest. Neu ist also nicht die Prognose selbst, sondern die Datengrundlage, mit der die Rohstoffanalysten Lina Thomas und Daan Struyven ihren positiven Ausblick untermauern. Besonders die Goldkäufe der Zentralbanken fallen nach den jüngsten Berechnungen der Bank stärker aus, als es offizielle Statistiken teilweise vermuten lassen.
Mit dem hauseigenen GS-Nowcast schätzt Goldman Sachs, dass Zentralbanken im Juli netto 44 Tonnen Gold gekauft haben. Das liegt deutlich über dem monatlichen Durchschnitt von 17 Tonnen vor 2022. Auf saisonbereinigter Dreimonatsbasis errechnet das Modell inzwischen sogar ein Kauftempo von 91 Tonnen pro Monat.
Für das Basisszenario (Goldpreis von 4.900 Dollar) benötigt Goldman Sachs deutlich weniger: Die Bank kalkuliert für 2026 mit durchschnittlichen Zentralbankkäufen von rund 50 Tonnen monatlich, für 2027 mit etwa 40 Tonnen. Die aktuellen Daten liegen somit über den Annahmen, die dem Goldpreisziel zugrunde liegen. Entsprechend sehen die Analysten derzeit überwiegende „Aufwärtsrisiken“ für ihre Prognose.
Chinas Goldkäufe könnten deutlich höher sein
Besonders interessant sind die aktualisierten Schätzungen zu China. Goldman Sachs geht davon aus, dass das Land allein im Juli rund 35 Tonnen Gold gekauft hat. Damit läge die tatsächliche Nachfrage etwa 75 Prozent über den offiziell gemeldeten Käufen.
Für seine Berechnungen verlässt sich Goldman Sachs nicht ausschließlich auf die veröffentlichten Reservestatistiken. Das Nowcast-Modell berücksichtigt auch Goldbewegungen über den Londoner OTC-Markt in inländische Tresore und Verwahrstellen. Dadurch versucht die Bank, Käufe zu erfassen, die in den offiziellen Zahlen möglicherweise nicht oder erst später sichtbar werden.
Ein weiteres Indiz liefert die Bank of England. Die dort für ausländische Zentralbanken verwahrten Goldbestände erhöhten sich im Juli um 63 Tonnen. Dieser Anstieg war laut Goldman Sachs deutlich größer als der gleichzeitige Rückgang der bei der Federal Reserve Bank of New York verwahrten Bestände. Thomas und Struyven halten es deshalb für möglich, dass selbst ihre Schätzung von 44 Tonnen die tatsächlichen weltweiten Zentralbankkäufe noch unterschätzt.
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Was den Goldpreis noch bremsen könnte
Neben den Zentralbanken bleibt die Investmentnachfrage ein wichtiger Faktor. Goldman Sachs rechnet in seinem Basisszenario mit einer Erholung der ETF-Nachfrage. Gemeinsam mit den anhaltenden Käufen des offiziellen Sektors soll sie den Goldpreis bis Jahresende auf 4.900 Dollar treiben.
Die Analysten berücksichtigen allerdings auch ein deutlich ungünstigeres Szenario. Sollten weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank zinssensitive ETF-Anleger zu Verkäufen bewegen und gleichzeitig Absicherungsgeschäfte am Optionsmarkt zurückgedreht werden, könnte Gold Ende 2026 lediglich bei rund 4.440 Dollar notieren.
Fazit: Bemerkenswert ist, dass selbst dieses Szenario keinen massiven Einbruch vorsieht. Nach dem Modell würden die strukturellen Zentralbankkäufe einen stärkeren Preisrückgang begrenzen. Für Anleger stellt dies die zentrale Botschaft der aktualisierten Analyse dar. Das Kursziel von 4.900 Dollar ist zwar unverändert, doch die jüngsten Daten zur Zentralbanknachfrage fallen stärker aus als im Basisszenario unterstellt. Genau deshalb sieht Goldman Sachs derzeit eher Chancen auf der Ober- als Risiken auf der Unterseite.
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