Der Goldpreis steht derzeit unter erheblichem Druck. Doch der Gegenwind könnte temporärer Natur sein. Aakash Doshi, Chef-Goldstratege bei State Street Investment Management, sieht derzeit aus folgenden Gründen mehr Chancen als Risiken.

Dass Gold zuletzt deutlich nachgegeben hat, überrascht Doshi nicht. Seit Mitte August haben sich die Zinserwartungen erheblich verändert. Die Märkte rechnen inzwischen mit einer wesentlich restriktiveren Geldpolitik der US-Notenbank. Dadurch sind sowohl nominale als auch reale Anleiherenditen gestiegen. Gleichzeitig wertete der Dollar auf. Alle drei Faktoren gelten traditionell als Belastung für Gold.

Der Gegenwind könnte sogar noch eine Weile anhalten. Das FedWatch-Tool des Terminbörsenbetreibers CME Group signalisiert aktuell eine Wahrscheinlichkeit von über 59 Prozent, dass die Fed bis zum Jahresende noch zweimal um jeweils 25 Basispunkte anhebt. Die Wahrscheinlichkeit wird aus den Preisen von Fed-Funds-Futures abgeleitet und kann sich entsprechend schnell verändern.

Doshi hält auf kurze Sicht grundsätzlich sogar einen Rückgang des Goldpreises in Richtung 4.000 Dollar für möglich. Diese Marke dürfte nach seiner Einschätzung jedoch eine wichtige Unterstützung darstellen. Entscheidend ist für den Strategen, dass höhere Leitzinsen zwar kurzfristig die Attraktivität von Gold beeinträchtigen, die langfristigen Probleme vieler großer Volkswirtschaften aber nicht lösen.

Staatsschulden könnten Gold langfristig stützen

Im Gegenteil: Steigende Zinsen verschärfen einen wichtigen Belastungsfaktor sogar. Je höher die Finanzierungskosten ausfallen, desto teurer wird der Schuldendienst hoch verschuldeter Staaten. In den USA hat die Staatsverschuldung im August die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten. Gleichzeitig sind die sogenannten Laufzeitprämien an den Anleihemärkten in den USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland auf den höchsten Stand seit 2011 gestiegen. Dahinter stehen nach Einschätzung von State Street unter anderem Inflationsrisiken, fiskalische Ungleichgewichte und Zweifel an der institutionellen Glaubwürdigkeit.

Dass Gold trotz stark gestiegener Renditen vergleichsweise robust geblieben ist, wertet Doshi als Indiz für diesen strukturellen Wandel. Vor der Corona-Pandemie rentierten zehnjährige US-Staatsanleihen mit etwa 1,5 Prozent. Heute liegen die Renditen bei mehr als fünf Prozent, dennoch hält sich Gold in der Nähe von 4.000 Dollar. Für Doshi zeigt dies, dass der Goldpreis nicht mehr allein über Zinsen und Opportunitätskosten erklärt werden kann.

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Gold (ISIN: XC0009655157)

China und Gold-ETFs liefern zusätzliche Nachfrage

Unterstützung kommt zudem von der physischen Goldnachfrage. Besonders China spielt dabei eine wichtige Rolle. In den ersten sieben Monaten 2026 erreichten die chinesischen nichtmonetären Goldimporte laut State Street den Rekordwert von 1.000 Tonnen und lagen damit 78 Prozent über dem Vorjahreszeitraum – obwohl sich Gold in China erheblich verteuert hatte.

Auch westliche Investoren ziehen sich trotz der jüngsten Verluste nicht zurück. Im August flossen weltweit 17,1 Milliarden Dollar in goldgedeckte ETFs. Allein US-Produkte verbuchten 7,9 Milliarden Dollar und damit den stärksten Monat seit September 2025. Selbst während der jüngsten Korrektur hielten die Zuflüsse an. Zudem signalisiere der Optionsmarkt weiterhin eine relativ bullishe Positionierung, da die Nachfrage nach Optionen auf steigende Goldpreise erhöht sei.

Fazit: Damit überwiegen für Doshi längerfristig weiterhin die Chancen. Ein Rücksetzer in Richtung 4.000 Dollar sei zwar möglich, würde für ihn aber noch keinen Bruch des übergeordneten Trends bedeuten. Bleiben die strukturellen Nachfragefaktoren intakt, hält der Experte einen Goldpreis von 5.000 Dollar innerhalb der kommenden sechs Monate beziehungsweise bis zum zweiten Quartal 2027 weiterhin für erreichbar.

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