Silber gehört zu den spannendsten Edelmetallen für langfristig orientierte Anleger. Zwar sorgt die hohe Schwankungsanfälligkeit regelmäßig für heftige Kursbewegungen. Dennoch gibt sich Paul Wong, Marktstratege und Managing Partner beim Vermögensverwalter Sprott, optimistisch.

Folgende Aspekte sprechen für die zunehmende Bedeutung von Silber als monetärer Vermögenswert. Ein zentraler Punkt der Sprott-Analyse betrifft die Angebotsseite. Der Silbermarkt weist seit mehreren Jahren anhaltende Defizite auf: Die jährliche Nachfrage übersteigt seit 2019 das verfügbare Angebot, wodurch die Lagerbestände kontinuierlich sinken. Anders als bei vielen anderen Rohstoffen lässt sich die Silberförderung nicht kurzfristig ausweiten. Neue Minenprojekte benötigen in der Regel viele Jahre bis zur Produktionsreife und ein erheblicher Teil des Silbers fällt nur als Nebenprodukt bei der Förderung anderer Metalle an. Nach Einschätzung von Sprott dürfte sich diese Lage fortsetzen – die Kombination aus knappem Angebot und strukturell steigender Nachfrage bildet die wichtigste Grundlage für eine langfristig positive Preisentwicklung.

Industrie, Technologie und Energiewende als Nachfragetreiber

Während Gold vor allem als Wertspeicher gilt, besitzt Silber eine Doppelrolle: Es ist zugleich Anlageobjekt und wichtiger industrieller Rohstoff. Zu den zentralen Wachstumstreibern zählen laut Sprott die Produktion von Solarmodulen, die fortschreitende Elektrifizierung, Elektrofahrzeuge sowie Anwendungen in Künstlicher Intelligenz und Rechenzentren. Auch militärische Anwendungen gewinnen laut Wong an Bedeutung, da die elektrischen Eigenschaften von Silber in zahlreichen Technologiesektoren gefragt sind.

Selbst bei schwächerer Weltkonjunktur dürften diese Zukunftsbereiche eine stabile Nachfrage erzeugen – anders als bei klassischen Industriemetallen. Hinzu kommt die monetäre Komponente: In Phasen von Währungsabwertung profitiert traditionell vor allem Gold, doch auch Silber kann hiervon profitieren, aufgrund seiner kleineren Marktgröße sogar mit stärkerer Hebelwirkung.

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Silber (ISIN: AF0000SILVER)

Warum die Volatilität kein Widerspruch zur Chance ist

Silber schwankt historisch deutlich stärker als Gold, da der Markt kleiner und weniger liquide ist. Kräftige Kursrückgänge gehören laut Sprott zu den typischen Merkmalen eines langfristigen Silber-Bullenmarktes und sind daher keine Seltenheit. Entscheidend ist aus Sicht von Wong, dass kurzfristige Schwankungen die fundamentale Ausgangslage nicht verändern: Angebotsdefizite, steigende industrielle Nutzung und wachsende Bedeutung als alternativer Wertspeicher bleiben bestehen.

Auch der physische Markt liefert unterstützende Signale: Angespannte Lagerbestände und anhaltende Nachfrage nach physischem Silber – insbesondere in asiatischen Märkten – deuten darauf hin, dass verfügbares Metall zunehmend gefragter wird. Das könnte dazu führen, dass klassische Finanzmarktmechanismen über die Terminmärkze bei der Preisbildung künftig an Einfluss verlieren. Gleichzeitig verschiebt sich die Nutzung: Traditionelle Einsatzgebiete wie Fotografie oder Silberwaren verlieren an Bedeutung, während unverzichtbare industrielle Anwendungen zunehmen. Das könnte langfristig für eine höhere Preisuntergrenze sorgen.

Fazit: Ob Silber tatsächlich ein „Mega-Schnäppchen“ ist, lässt sich kurzfristig nicht sicher beantworten – der Markt bleibt anfällig für starke Bewegungen. Für langfristig orientierte Anleger ergibt sich jedoch ein interessantes Bild: Ein begrenztes Angebot trifft auf strukturell wachsende Nachfrage aus Industrie, Technologie und monetärer Nachfrage. Diese Kombination könnte Silber auch künftig zu einem Edelmetall mit viel Luft nach oben machen.

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