Belege dafür, dass das Geschäft, wie im Sommer in Aussicht gestellt, in der zweiten Jahreshälfte jetzt anzieht, muss Teamviewer nun liefern.

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 07. Oktober in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 42/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.

Die Zeit drängt: Die Enttäuschung über die Bilanz zur Jahresmitte hat Teamviewer mit der Aussicht auf eine Belebung des Geschäfts in der zweiten Jahreshälfte abgemildert. Mit den Zahlen am 3. November sollten die Göppinger den Beleg dafür liefern. Die Börsen-Apokalypse bei Aktien von Software-as-a-Service(SaaS-)Spezialisten, Firmen deren Software via Cloud als Dienstleistung genutzt wird, die Entwickler großer KI-Sprachmodelle wie Anthropic ausgelöst hatten, ist abgeklungen. Die Aktien betroffener Softwareschwergewichte wie SAP ziehen an, andere wie Workday werden auch durch Übernahmefantasien beflügelt. Aber die Aktie von Teamviewer, dessen gleichnamige und hierzulande populäre Cloud-Software und Plattform via Web ­Zugriff gewährt, um extern vernetzte Geräte zu warten und mit neuer Software auszustatten, zieht an: bisher um rund 41 Prozent vom Kurstief bei 4,80 Euro Ende Juni.

Management muss liefern

Im November sollten die Göppinger ­Belege liefern, um das neue Vertrauen der Anleger in ihre Aktie zu stützen. KI-Agenten können IT-Fehler diagnostizieren. Sie können jedoch nicht, wie Teamviewer, ohne Weiteres sicher auf Millionen „Endpunkte“ im IT-Netz einer Firma zugreifen: auf PCs, Tablets oder Smartphones, Berechtigungen verwalten, Aktionen protokollieren und Compliance-Anforderungen überwachen. Nicht Anthropic und Co sind deshalb das große Risiko für Teamviewers Geschäft, sondern Entwickler von Firmensoftware wie Microsoft oder Servicenow. Die großen Hürden für Anthropic und Co sind für diese Unternehmen Teil ihres Geschäfts: Microsoft kann über Windows auf die „Endpunkte“ in Firmennetzen zugreifen, hat Intune für die Geräteverwaltung, Entra für Identitätsprüfung und Zugriffsrechte, Teams für Kommunikation und Support, die KI Copilot und Azure als Cloud- und Sicherheitsplattform.

Servicenow könnte Teamviewer später übernehmen.

Klaus Schachinger Redakteur

Servicenow hat Zugang zu IT-Serviceprozessen: ein Mitarbeiter in der Firma meldet ein Problem, der Fall wird klassifiziert, ein KI-Agent schlägt eine Lösung vor, die dann auf dem vernetzten Gerät umgesetzt und anschließend dokumentiert wird. Mit der im Juli angekündigten Partnerschaft mit Servicenow bringt sich Teamviewer in ­diese Prozesse ein: Teamviewers Endpoint-Funktionen in der KI-Plattform von Service­now. Chef Oliver Steil bestätigte im Sommer die Jahresprognose: bis zu drei Prozent mehr Umsatz. Das wären knapp 770 Millionen Euro. Beim Nettogewinn erwarten Analysten für 2026 gut 134 Millionen, ein Plus von 13,4 Prozent. Die Abwanderung mittelständischer Kunden will Teamviewer gebremst haben. Mit großen Unternehmen werden mehrjährige Verträge geschlossen. Dort sollte auch die Partnerschaft mit Servicenow Schwung liefern.

Fazit

Nicht Firmen wie Anthropic, sondern Konzerne wie Microsoft oder Servicenow sind die größten Konkurrenten und potenzielle Käufer von Teamviewer. Die Kooperation mit Servicenow ist deshalb Antrieb und Gratwanderung zugleich.

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