Das bewegt den deutschen Leitindex DAX am Donnerstag. Im Fokus stehen die folgenden Themen: Bayer, Bitcoin, Dan Ives, OpenAI, Palantir, Apple, Trump, Adidas, Eventim.
Auf zuletzt erhöhtem Niveau dürfte der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag auf der Stelle treten. Der Leitindex Dax wird kaum verändert indiziert, könnte sich damit aber immerhin eher schwachen Vorgaben aus den USA und von den asiatischen Börsen entziehen. Der frühbörsliche Indikator X-Dax signalisierte knapp vor Handelsbeginn mit 25.059 Punkten einen nahezu unbewegten Dax.
Analyst Tim Ritschar vom Broker Activtrades sah indes "den alles entscheidenden Durchbruch" geschafft. Der Dax habe am Vortag dank eines moderaten Plus oberhalb der "magischen Schallmauer" von 25.000 Punkten geschlossen. Trotz aller chronisch negativen Nachrichten zur deutschen Wirtschaft setzten die Investoren auf eine bessere Zukunft.
Unter den Einzelwerten fielen Bayer-Aktien auf mit einem Aufschlag von 1,3 Prozent im vorbörslichen Handel auf Tradegate. Der Pharma- und Agrarkonzern bündelt das US-Geschäft mit dem umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat in einer eigenständigen Tochtergesellschaft namens Ruveon. Zudem stufte die Deutsche Bank die Bayer-Aktie hoch auf "Buy".
Für Bewegung sorgten ansonsten in erster Linie Kommentare von Analysten. So legten die Aktien von Adidas leicht zu, nachdem die Bank JPMorgan die Bewertung der Papiere mit "Übergewichten" im Portfolio wieder aufgenommen hat. Puma gewannen knapp ein Prozent, hier stufte JPMorgan die Aktien mit "Neutral" ein.
Aktien von CTS Eventim verteuerten sich um vier Prozent. Das französische Investmenthaus Odd BHF hob die Anteilscheine des Ticketvermarkters und Eventveranstalters von "Neutral" auf "Outperform".
Nachrichten aus Deutschland
Panzerbauer KNDS bläst Börsengang ab
Der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS geht vorerst doch nicht an die Börse. Vor dem Hintergrund der aktuellen Marktschwankungen werde der Börsengang erst bei Wiederkehr besserer Marktbedingungen fortgesetzt, teilte das Unternehmen mit. Zuvor hatte die "Financial Times" berichtet, dass die Eigentümer Probleme hätten, Investoren von der geplanten Bewertung von mehr als 12 Milliarden Euro zu überzeugen.
Die Aktien des Herstellers des Kampfpanzers Leopard 2 und der Panzerhaubitze 2000 sollten im Rahmen einer Doppelnotierung an den Börsen in Frankfurt und Paris platziert werden, wie das Unternehmen Ende Juni mitgeteilt hatte. Es hätte einer der größten europäischen Börsengänge im Verteidigungssektor der vergangenen Jahre werden können.
Zuletzt hatte sich das Umfeld für Rüstungsaktien an der Börse allerdings eingetrübt. So verloren die Aktien des Konkurrenten Rheinmetall stark an Wert. "KNDS und seine Anteilseigner werden die Bedingungen an den Kapitalmärkten weiterhin genau beobachten und sind bereit, den Börsengang wieder aufzunehmen, sobald die Marktbedingungen das erlauben", erklärte das Unternehmen.
Vorausgegangen war eine Einigung zwischen der deutschen und der französischen Regierung über die künftige Eigentümerstruktur des Unternehmens. Danach erwerben die Bundesrepublik Deutschland und der französische Staat jeweils einen Anteil von 40 Prozent an KNDS. Die verbleibenden 20 Prozent sollten im Zuge des Börsengangs an institutionelle Investoren veräußert werden.
KNDS entstand 2015 durch die Fusion von Krauss-Maffei Wegmann und dem französischen Unternehmen Nexter. Aktuell befindet sich KNDS im Besitz der deutschen Familie hinter Krauss-Maffei Wegmann sowie des französischen Staates. Der Konzern beschäftigt gut 11.000 Menschen und erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 4,4 Milliarden Euro, Hauptsitz ist Amsterdam, die deutsche Zentrale sitzt in München.
Bayer gliedert operatives US-Glyphosatgeschäft in eigenes Unternehmen aus
Der Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer lagert sein US-Geschäft mit dem umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat in ein eigenes Unternehmen mit Namen Ruveon aus. Ziel sei es, das Geschäft "optimal auf die spezifischen Anforderungen des US-Marktes auszurichten", teilte Bayer am Donnerstag in Leverkusen mit. Ruveon soll sich auf alle Aspekte des US-Glyphosatgeschäfts konzentrieren - von Preisgestaltung bis hin zu Produktion und Logistik. Das Unternehmen habe seinen Sitz in St. Louis, Missouri, und bleibe Teil des Bayer-Konzerns.
Bayer begründete den Schritt damit, dass Ruveon eigenständig agiler handeln und damit der spezifischen Wettbewerbsdynamik in dem durch Nachahmerprodukte geprägten Markt besser begegnen könne. Die für das US-Glyphosatgeschäft zuständigen Produkt- und Vertriebsteams seien fortan Teil von Ruveon.
Bayer sieht sich seit Jahren in den USA mit einer milliardenteuren Klagewelle wegen möglicher Krebsrisiken bei seinem glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup konfrontiert. Der Konzern hat im Februar einen Sammelvergleich über 7,25 Milliarden US-Dollar (knapp 6,4 Mrd Euro) zur Beilegung der Rechtsstreitigkeiten geschlossen, der bereits vorläufig genehmigt wurde. Die Anhörung für eine endgültige Genehmigung soll am 19. August stattfinden.
In der vergangenen Woche hatte der Konzern dabei einen wichtigen Erfolg vor dem Obersten Gericht des Landes erzielt. Dem Urteil zufolge kann Bayer nicht wegen fehlender Krebswarnungen auf Verpackungen von Unkrautvernichtern verklagt werden. Das Oberste Gericht berief sich darauf, dass in den USA von der Regierung einheitliche Markierungen von der Umweltbehörde EPA vorgeschrieben seien; damit könne es keine abweichenden Anforderungen einzelner Bundesstaaten geben. Tausenden Klagen im Zusammenhang mit Roundup dürfte damit die Grundlage entzogen werden. Bayer verneint ein Krebsrisiko von Roundup.
Internationale Nachrichten
OpenAI bietet Trump-Regierung 5-Prozent-Beteiligung an
OpenAI-Chef Sam Altman hat laut Financial Times in frühen Gesprächen mit der Trump-Regierung vorgeschlagen, der US-Regierung einen 5-Prozent-Anteil am Unternehmen zu übertragen – ähnliche Regelungen sollen auch für andere führende KI-Unternehmen gelten. Altman führt dazu Gespräche mit Präsident Trump, Handelsminister Lutnick und Finanzminister Bessent und sieht öffentliche Beteiligung als besten Weg, um Vorteile aus der KI-Entwicklung zu teilen. Der Schritt soll politische Hürden aus dem Weg räumen, während sowohl OpenAI als auch Anthropic mit regulatorischen Verzögerungen bei der Veröffentlichung ihrer neuesten Modelle konfrontiert sind.
Gericht bestellt Mediator im Rechtsstreit Musk gegen OpenAI
Die zuständige US-Bundesrichterin Yvonne Gonzalez Rogers hat einen ranghohen Bundesrichter aus Alabama als Mediator eingesetzt, um eine außergerichtliche Einigung im Rechtsstreit zwischen Elon Musk und Sam Altman zu ermöglichen. Musks ursprüngliche Klage über 150 Milliarden Dollar war im Mai von einer Jury abgewiesen worden, da die Klagefrist abgelaufen war – das Gericht wies Musks Ansprüche daraufhin ab. Mit der Mediation soll nun versucht werden, eine schnelle und kostengünstige Lösung des Streits zu finden.
Star-Analyst Dan Ives verlässt Wedbush für eigene Merchant Bank
Der bekannte Tech-Analyst Dan Ives verlässt nach acht Jahren Wedbush Securities, um eine eigene Merchant Bank zu gründen, die Unternehmensberatung, Kapitalaufnahme und Investitionen in Technologie, Energie und Finanzwesen kombinieren soll. Ives ist vor allem für seine dezidiert optimistische Einschätzung von Apple, Tesla, Microsoft und Nvidia bekannt – zuletzt initiierte er die Abdeckung von SpaceX mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 190 Dollar. Wedbush wird die von Ives mitgegründeten ETFs weiterhin verwalten.
Apple plant 10 Millionen faltbare iPhones für 2026
Apple hat seine Zulieferer angewiesen, sich auf die Produktion von rund 10 Millionen faltbaren iPhones in diesem Jahr vorzubereiten – mehr als die ursprünglich geplanten 7 bis 8 Millionen Einheiten. Der Schritt erfolgt inmitten eines branchenweiten Wettbewerbs im Foldable-Segment, das derzeit von Samsung und chinesischen Herstellern wie Huawei dominiert wird. Apple will in der zweiten Jahreshälfte 2026 und dem ersten Halbjahr 2027 insgesamt mindestens fünf neue iPhone-Modelle auf den Markt bringen.
Palantir-CEO warnt vor Token-Abhängigkeit – Aktie springt 8 Prozent
Palantir-Chef Alex Karp kritisierte auf CNBC das von OpenAI und Anthropic vorangetriebene tokenbasierte KI-Preismodell als Falle für Unternehmen, die dadurch ihre technologische Eigenständigkeit aufgeben und sich in eine kostspielige Abhängigkeit von externen Anbietern begeben. Als Alternative propagiert Palantir gemeinsam mit Nvidia den Aufbau eigener, kontrollierter KI-Systeme auf Basis offener Modelle – insbesondere für Regierungskunden. Die Palantir-Aktie legte nach den Aussagen rund 8 Prozent zu.
EU-MiCA-Übergangsperiode endet – Frankreich warnt vor Krypto-Entführungswelle
Mit Ablauf der EU-MiCA-Übergangsfrist am Mittwoch wurden in letzter Minute zahlreiche Lizenzen in Italien, Frankreich, Malta und Spanien vergeben; insgesamt sind nun 244 Krypto-Dienstleister in der EU und dem EWR zugelassen. Parallel dazu warnte Frankreichs Innenminister vor einem drastischen Anstieg kryptobezogener Entführungen und Erpressungen: In der ersten Jahreshälfte 2026 wurden bereits 77 solcher Vorfälle registriert, verglichen mit 45 im gesamten Jahr 2025. Zudem wurde in New York die gemeinnützige Organisation Ethereum Institutional gegründet, die mit Unterstützung von Ethereum-Mitgründer Joe Lubin Banken und Vermögensverwalter bei der institutionellen Nutzung von Ethereum begleiten soll.
Enthält Material von dpa-AFX
Häufig gestellte Fragen
Schallmauer durchbrochen: Bleibt der DAX trotz schwacher US-Vorgaben stabil über 25.000 Punkten?
Trotz anhaltend negativer Konjunkturdaten aus der deutschen Wirtschaft hat der DAX die psychologisch wichtige Marke von 25.000 Punkten per Schlusskurs geknackt. Analysten sprechen von einem entscheidenden Durchbruch, da sich der deutsche Leitindex am Donnerstagmorgen trotz schwacher Vorgaben aus den USA und Asien stabil zeigt. Während Adidas und Puma von positiven JPMorgan-Analysen profitieren und CTS Eventim nach einem Upgrade um vier Prozent nach oben springt, sorgt der abgesagte Milliarden-Börsengang des Panzerbauers KNDS für einen Dämpfer im Rüstungssektor.
Befreiungsschlag in den USA: Kann Bayer die milliardenschwere Glyphosat-Klagewelle endlich stoppen?
Der Pharma- und Agrarkonzern Bayer spaltet sein US-Geschäft mit dem umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat ab und überführt es in eine eigenständige Tochtergesellschaft namens Ruveon. Flankiert wird dieser strategische Umbau von einem wegweisenden Erfolg vor dem Obersten Gerichtshof der USA: Bayer kann demnach nicht mehr wegen fehlender Krebswarnungen auf Verpackungen verklagt werden, da Bundesrecht die Vorgaben der Bundesstaaten überschreibt. Experten gehen davon aus, dass dieser Präzedenzfall Tausenden der noch ausstehenden Klagen die rechtliche Grundlage entzieht.
Spektakulärer Deal im Weißen Haus: Warum bietet Sam Altman der Trump-Regierung 5 Prozent an OpenAI?
Um regulatorische Hürden abzubauen und die blockierte Veröffentlichung neuer KI-Modelle zu beschleunigen, hat OpenAI-Chef Sam Altman der US-Regierung eine staatliche Beteiligung von fünf Prozent am Unternehmen vorgeschlagen. Dieser Schritt, der im Zuge intensiver Gespräche mit Präsident Trump und dem Finanzministerium diskutiert wird, soll als Blaupause für die gesamte amerikanische KI-Branche dienen. Parallel dazu versucht eine US-Bundesrichterin, den verhärteten 150-Milliarden-Dollar-Rechtsstreit zwischen Elon Musk und Sam Altman durch die Einsetzung eines prominenten Mediators außergerichtlich beizulegen.