Unicredit hat am Mittwoch das Ergebnis seines verlängerten Übernahmeangebots veröffentlicht. Es zeigt sich: Der Trick mit den Derivaten ging auf – zum Leidwesen der Commerzbank.
Die italienische Großbank Unicredit ist im Ringen um die deutsche Commerzbank praktisch am Ziel. Am Mittwoch teilte Unicredit mit, dass die Bank mit Ablauf des Übernahmeangebots ihren Anteil auf 47,59 Prozent erhöht habe. Dabei sind Derivate eingerechnet. Im Übernahmeverfahren selbst seien 17,6 Prozent der Aktien angedient worden. Das heißt, dass Unicredit selbst seinen Anteil zuvor auf genau 29,99 Prozent aufgestockt hatte – exakt 0,01 Prozent unter der Schwelle für ein Pflichtangebot, die bei 30 Prozent in Kraft tritt.
Unicredit könnte Aufsichtsrat und Vorstand austauschen
Mit dem nun gemeldeten Anteil hat Unicredit de facto das Sagen bei der Commerzbank. Um etwa den Aufsichtsrat auszutauschen, der wiederum den Vorstand bestellt, genügt die relative Mehrheit der anwesenden Stimmen auf einer außerordentlichen Hauptversammlung. Da dort nie 100 Prozent aller Aktionäre vertreten sind – oft sind es weniger als die Hälfte – kann Unicredit-Bos Andrea Orcel nun de facto durchregieren.
Dabei könnte Unicredit sogar gegen den Willen der Bundesregierung agieren, die eine Übernahme bisher ablehnt. Sie hält rund zwölf Prozent der Commerzbank-Aktien und hat seit dem Einstieg des Bundes nach der Finanzkrise aufgrund einer Zusatzvereinbarung zwei feste Sitze im Aufsichtsrat.
Friedensangebot von Orcel an den Bund?
Es wird nun interessant sein zu sehen, wie sich Unicredit verhält. Einer offiziellen Übernahme müsste die Europäische Zentralbank noch zustimmen. Die dortige Bankenaufsicht entscheidet auch, ob Unicredit de facto die Kontrolle besitzt und die Commerzbank deshalb in die eigene Konzernbilanz einbeziehen muss. Das würde zusätzliche Anforderungen an die Eigenkapital- und Kernkapitalquote der Unicredit stellen und die Kapitalkosten für die Italiener verteuern.
Beobachter rechnen außerdem damit, dass Unicredit-Chef Orcel nun erneut auf die Bundesregierung zugehen wird, um die bisherigen Streitigkeiten zu entschärfen. Die Unicredit teilte mit, man sei weiter bestrebt, „konstruktiv“ mit allen relevanten Stakeholdern zusammenzuarbeiten und zugleich die nötigen regulatorischen und aufsichtsrechtlichen Prozesse voranzutreiben.
Ändert sich noch was am Preis?
Für Aktionäre ist dabei interessant, ob Orcel auch bereit wäre, gegenüber dem Bund Zugeständnisse beim Preis zu machen. Denn dann müsste er die Differenz zum bisherigen Angebotspreis nach deutschem Übernahmegesetz auch allen anderen Aktionären zahlen – sofern dieses Angebot innerhalb einer Frist von zwölf Monaten nach Auslaufen der Übernahme erfolgt.
Doch die Hoffnungen auf einen Zuschlag sind gering, denn Orcel hat schon während der Übernahmeschlacht gezeigt, dass er mit allen Wassern gewaschen ist. Die Strategie, sich Aktien im Vorfeld über Derivate zu sichern, die aber bei der Berechnung der Pflichtschwelle noch nicht mitzählen, deckte eine eklatante Lücke im deutschen Übernahmerecht auf. Die Commerzbank rief sogar die BaFin zu Hilfe – bislang ohne Erfolg. Es ist zu vermuten, dass Orcel auch für die Frage, ob und wann Unicredit die Commerzbank wirklich übernimmt, eine Lösung vorbereitet hat.
Dividende wird deutlich schrumpfen
Klar ist: Unicredit will die Commerzbank in Deutschland so schnell wie möglich mit der HypoVereinsbank verschmelzen. Die Kosten dafür werden die Italiener der Commerzbank aufhalsen. Von hohen Dividendenausschüttungen, wie sie Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp in ihrer Gegenstrategie zu Unicredit versprochen hatte, wird dann nicht mehr viel übrigbleiben. Auch Orlopps Tage als Commerzbank-Chefin dürften gezählt sein. Unicredit-Chef Andrea Orcel sieht Potenzial für Milliardeneinsparungen inklusive des Abbaus von 7.000 Stellen bei der Commerzbank.
So reagiert die Börse
Die Unicredit war im September 2024 bei der Commerzbank eingestiegen, als der Bund im Rahmen einer Auktion einen Teil seiner Aktien verkaufte. Am 5. Mai 2026 hatten die Italiener dann ein freiwilliges Übernahmeangebot vorgelegt. Sie boten 0,485 eigene Aktien je Commerzbank-Papier. Umgerechnet lag die Offerte der Unicredit lange Zeit unter dem Kurs der Commerzbank-Aktien. Zuletzt wurde das Angebot der Italiener aber mit dem deutlich gestiegenen Aktienkurs der Unicredit attraktiver.
Tatsächlich ist die Unicredit-Aktie während der Übernahmephase immer weiter gesteigen. Aktionäre, die ihre Commerzbank-Aktien getauscht haben., liegen also ebenfals im Plus. Die Commerzbank-Aktie fiel dagegen nach Bekanntwerden der Meldung am Mittwoch an der Börse etwas zurück, erholte sich dann aber wieder. Dort hoffen die Anleger noch immer auf einen Preisaufschlag. Der ist seit heute unwahrscheinlicher geworden.
Auf Übernahmen an deutschen Börsen setzen
Mit dem Index-Zertifikat "German M&A", zusammengestellt von der BÖRSE-ONLINE-Redaktion.
Häufige Fragen zum Thema
Läuft die Übernahmeofferte für die Commerzbank noch?
Nein, das Angebot der Unicredit für die Commerzbank ist am 3. Juli 2026 offiziell ausgelaufen.
Wie hoch ist der Anteil der Unicredit an der Commerzbank jetzt?
Nach Meldung vom 8. Juli 2026 hat Unicredit jetzt Zugriff auf 47,59 Prozent aller umlaufenden Commerzbank-Aktien. Dabei sind Zugriffsrechte über Derivate miteingerechnet.
Kann sich der Preis für die bereits eingereichten Aktien noch einmal ändern?
Ja. Wenn Unicredit die ursprüngliche Offerte innerhalb von zwölf Monaten nachbessert, müssen nach deutschem Recht auch die Aktionäre, die ihre Aktien schon angedient haben, nachträglich den höheren Preis erhalten.
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Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.
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