Die US-Notenbank hat die Leitzinsen erneut unverändert gelassen und damit die Erwartungen der meisten Marktteilnehmer erfüllt. Für Anleger an den Gold- und Silbermärkten dürfte allerdings weniger die eigentliche Entscheidung als vielmehr der Ausblick entscheidend sein.
Der Offenmarktausschuss (FOMC) beschloss am gestrigen Mittwoch mit einer Mehrheit von 9 zu 3 Stimmen, den Leitzins in einer Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent zu belassen. Drei regionale Notenbankpräsidenten plädierten jedoch für eine sofortige Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte. Damit wurde deutlich, dass innerhalb der Fed die Sorge vor anhaltend hohem Inflationsdruck zunimmt.
Inflationsziel weiter im Blick
Fed-Chef Kevin Warsh bekräftigte nach der Sitzung das Ziel, die Inflation wieder nachhaltig auf zwei Prozent zurückzuführen. Zugleich machte er deutlich, dass die unveränderten Leitzinsen keineswegs als Zeichen einer nachlassenden Entschlossenheit zu verstehen seien. Die Notenbank sehe Preisstabilität weiterhin als ihre zentrale Aufgabe.
Bemerkenswert war zudem, dass Warsh seine Strategie fortsetzt, möglichst wenige Hinweise auf den künftigen Zinspfad zu geben. Nach seiner Einschätzung sollten die Finanzmärkte stärker eigenständig Erwartungen bilden, anstatt sich an detaillierter Kommunikation der Notenbank zu orientieren. Tatsächlich sind die Renditen am Anleihemarkt in den vergangenen Wochen bereits gestiegen, wodurch sich die Finanzierungsbedingungen verschärft haben, ohne dass die Fed ihre Leitzinsen anheben musste.
Die wirtschaftliche Lage bleibt dabei widersprüchlich. Einerseits verlangsamte sich die Inflation zuletzt etwas, auch weil die Energiepreise zwischenzeitlich nachgaben. Andererseits sorgen der wieder gestiegene Ölpreis, neue Handelszölle sowie die hohe Nachfrage nach KI-Infrastruktur dafür, dass Inflationsrisiken bestehen bleiben. Gleichzeitig präsentiert sich der US-Arbeitsmarkt relativ robust.
Was bedeutet die Fed-Entscheidung für Gold und Silber?
Für Gold und Silber ergibt sich aus der jüngsten Fed-Sitzung ein gemischtes Bild. Kurzfristig bleiben Zinssorgen bestehen, da mehrere Notenbankvertreter bereits für eine Anhebung votierten und weitere Zinsschritte nicht ausgeschlossen sind. Gleichzeitig dürfte die Unsicherheit über den weiteren Kurs der Geldpolitik aber hoch bleiben. Warsh hat mehrfach signalisiert, dass er künftig bewusst auf eine detaillierte Forward Guidance verzichten möchte. Für Anleger bedeutet dies, dass geldpolitische Erwartungen künftig stärker von neuen Konjunktur- und Inflationsdaten abhängen werden, was die Schwankungen an den Edelmetallmärkten erhöhen könnte.
Entscheidend für Gold und Silber sind allerdings nicht allein die nominalen Leitzinsen. Wesentlich wichtiger sind die inflationsbereinigten Realzinsen. Steigt die Inflation schneller als die Zinsen, sinken die Realzinsen – ein Umfeld, das historisch häufig Rückenwind für Edelmetalle bedeutete. Umgekehrt belasten steigende Realzinsen Gold und Silber deutlich stärker als ein hohes nominales Zinsniveau.
Hinzu kommt ein weiterer Faktor, der gegen dauerhaft hohe Leitzinsen spricht. Mit jedem zusätzlichen Zinsschritt steigen die Finanzierungskosten für den hoch verschuldeten US-Staat. Angesichts der bereits erheblichen Haushaltsdefizite würde ein dauerhaft hohes Zinsniveau den Schuldendienst weiter verteuern und den fiskalischen Druck erhöhen. Dieser Zielkonflikt begrenzt aus Sicht vieler Marktbeobachter den Spielraum der Notenbank für eine langfristig restriktive Geldpolitik.
Fazit: Trotz der aktuellen Zinssorgen dürften Gold und Silber aus langfristiger Sicht interessant bleiben. Die unsichere Geldpolitik, die entscheidende Bedeutung der Realzinsen und die hohe Staatsverschuldung sprechen dafür, dass beide Edelmetalle ihre Rolle als Krisen- und Diversifikationsanlagen auch in den kommenden Jahren behalten dürften.
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