Der Goldpreis hat in diesem Jahr zwar einen deutlichen Rückschlag erlitten. Aus Sicht des World Gold Council (WGC) gibt es jedoch gute Gründe, warum das Edelmetall in den kommenden Monaten wieder Rückenwind erhalten könnte.
Besonders interessant: Trotz des massiven Goldpreisverfalls bewegte sich die Goldnachfrage in Q2 mit 1.268,9 Tonnen auf dem vergleichbaren Vorjahresniveau. Vor allem zwei Nachfragegruppen stehen dabei im Fokus: ETF-Investoren und die Notenbanken. Beide dürften nach Einschätzung des WGC auch in der zweiten Jahreshälfte eine Schlüsselrolle für die weitere Goldpreisentwicklung spielen.
ETF-Investoren bleiben entscheidender Kurstreiber
Nach einem außergewöhnlich starken Jahresauftakt legten Gold-ETFs im zweiten Quartal eine Verschnaufpause ein. Weltweit verzeichneten die börsengehandelten Goldfonds Nettoabflüsse von 45 Tonnen. Ausschlaggebend war vor allem der kräftige Verkaufsdruck im Juni. Belastet wurden die Fonds insbesondere in Nordamerika durch den stärkeren Dollar, gestiegene Realzinsen und höhere Zinserwartungen, wodurch sich die Opportunitätskosten einer Goldanlage erhöhten.
Dennoch sieht der WGC darin keinen grundlegenden Stimmungsumschwung. Im gesamten ersten Halbjahr verblieben unter dem Strich weiterhin Nettozuflüsse von 18 Tonnen in Gold-ETFs. Besonders bemerkenswert ist dabei die regionale Entwicklung: Während nordamerikanische Fonds Mittelabflüsse verzeichneten, sorgten asiatische Anleger trotz schwächerer Juni-Zahlen für das stärkste erste Halbjahr ihrer Geschichte. Auch Europa steuerte per saldo Zuflüsse bei. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass sich die Nachfrage zunehmend nach Asien verlagert.
Für die kommenden Monate bleibt der WGC grundsätzlich optimistisch. Zwar könnten westliche ETF-Anleger weiterhin sensibel auf Veränderungen bei Realzinsen, Geldpolitik und Dollar reagieren. Gleichzeitig nennt der Verband aber mehrere Faktoren, die neue Mittelzuflüsse auslösen könnten. Dazu zählen ein schwächerer Dollar, nachlassende Kreditbedingungen oder eine Eintrübung der Aktienmärkte. Auch saisonale Effekte sowie mögliche Turbulenzen rund um den US-Wahlzyklus könnten Gold als Absicherung wieder attraktiver machen. Hinzu kommt, dass spekulative Positionierungen zuletzt deutlich zurückgegangen sind, sodass frische ETF-Zuflüsse leichter möglich wären als noch zu Jahresbeginn.
Notenbanken kaufen wieder deutlich mehr Gold
Noch wichtiger für den langfristigen Goldmarkt bleibt aus Sicht des WGC jedoch die Nachfrage der Zentralbanken. Nachdem die Käufe im ersten Quartal überraschend schwach ausgefallen waren, zog das Tempo im zweiten Quartal wieder deutlich an. Die offiziellen Goldreserven wurden netto um 289 Tonnen aufgestockt – mehr als fünfmal so viel wie im ersten Quartal und zugleich ein Rekordwert für ein zweites Quartal.
Zu den größten Käufern gehörte erneut die polnische Zentralbank, die ihre Goldreserven um weitere 51 Tonnen erhöhte. Auch die chinesische Notenbank setzte ihre Kaufserie fort und stockte ihre Bestände um 33 Tonnen auf. Darüber hinaus bauten unter anderem Usbekistan (plus 16 Tonnen), Kasachstan (plus 15 Tonnen), Jordanien und Tschechien (jeweils plus 6 Tonnen) ihre Goldreserven weiter aus. Gleichzeitig gingen die Verkäufe deutlich zurück, nachdem sie zu Jahresbeginn das Gesamtbild noch belastet hatten.
Noch wichtiger als die aktuellen Zahlen ist für den WGC jedoch der langfristige Trend. Die jüngste Umfrage unter Zentralbanken zeigt, dass 89 Prozent der befragten Notenbanken von steigenden weltweiten Goldreserven innerhalb der kommenden zwölf Monate ausgehen. Ein Rekordwert von 45 Prozent plant sogar, die eigenen Goldbestände weiter auszubauen. Als wichtigste Motive nennen die Währungshüter eine breitere Diversifikation der Währungsreserven, den Schutz vor geopolitischen und finanziellen Risiken sowie die Funktion von Gold als langfristiger Wertspeicher.
Ausblick: In seinem Ausblick erwartet der World Gold Council, dass der Investmentsektor auch im weiteren Jahresverlauf der wichtigste Wachstumstreiber der Goldnachfrage bleiben werden. Neben einer weiterhin robusten Nachfrage aus Asien rechnet der Verband mit anhaltend hohen Käufen der Notenbanken, auch wenn das Gesamtvolumen voraussichtlich unter dem außergewöhnlich starken Vorjahr liegen dürfte. Gerade diese beiden Käufergruppen könnten sich damit erneut als entscheidende Stützen für den Goldpreis erweisen, selbst wenn die Schmucknachfrage wegen des hohen Preisniveaus vorerst unter Druck bleiben sollte.
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