Bis zu zehn Prozent Kursbewegung erwartet: Bei Netflix, Tesla und Meta steht eine brisante Woche bevor. Doch welche Aktie hat das größte Überraschungspotenzial – und wo sollten Anleger lieber abwarten?
Die Berichtssaison für das dritte Quartal nimmt langsam Fahrt auf. In dieser Woche sind unter anderem Meta, Tesla und Netflix an der Reihe. In diesem Artikel wollen wir daher einordnen, ob sich bei den drei Tech-Schwergewichten ein Einstieg noch vor den Zahlen lohnt. Die Aktivitäten am Optionsmarkt lassen teils starke Kursreaktionen vermuten.
Netflix – bringen die Zahlen die Wende?
Am Dienstagabend um 22 Uhr deutscher Zeit macht Netflix den Auftakt unter den drei Big-Tech-Werten. Bis Freitag erwartet der Optionsmarkt derzeit eine Bewegung von plus oder minus 9,5 Prozent.
Die Aktie des Streaming-Giganten befindet sich bereits seit 16 Monaten in einem Abwärtstrend. Vom Hoch im Juni 2025 beträgt das Minus etwas mehr als 50 Prozent. Die Gründe für den Crash sind vielfältig: Zum einen belastete die gescheiterte Warner-Brothers-Übernahme die zuvor euphorische Stimmung unter den Anlegern nachhaltig. Das zeigt sich auch an der Entwicklung der Bewertung. Im Juni 2025 lag das Forward-KGV bei einem ambitionierten Wert von rund 50 und ist im Zuge des Crashs auf derzeit 20,3 gesunken. Zum anderen verlangsamt sich bereits seit mehreren Quartalen das Umsatzwachstum, während Marktanteile an YouTube verloren gehen. Derzeit kommen noch diverse personelle Veränderungen im Management sowie Kündigungen innerhalb der Belegschaft erschwerend hinzu.
Für eine nachhaltige Trendwende müssten die Quartalszahlen beweisen, dass sich die Verlangsamung des Wachstums nicht weiter fortsetzt und neue Einnahmequellen wie Livesport oder Werbung größere Beiträge zum Umsatzwachstum liefern. Der aktuelle Trend spricht jedoch gegen Netflix: Im zweiten Quartal lag der Umsatz im Werbegeschäft 7,2 Prozent unter den Erwartungen der Analysten. Zudem scheint sich der Trend der Marktanteilsgewinne von YouTube vorerst fortzusetzen.
Auch die jüngere Historie spricht nicht unbedingt dafür, noch vor den Zahlen große Positionen bei Netflix aufzubauen. Nach den letzten fünf Quartalsberichten fiel die Aktie jedes Mal – im Schnitt um rund sieben Prozent. Daher wäre es die sicherere Variante, trotz der mittlerweile deutlich gesunkenen Bewertung mit einem Einstieg bis nach den Zahlen zu warten und die fundamentale Ausgangslage anschließend neu zu bewerten.
Tesla – die große Wette auf „Physical AI“
Am Mittwoch legt Tesla seine Quartalszahlen offen. Der Optionsmarkt erwartet bis Freitag eine Bewegung von plus oder minus 7,5 Prozent. Bereits am 2. Oktober meldete Tesla rund 487.000 Fahrzeugauslieferungen für das dritte Quartal. Das waren mehr als von den Analysten erwartet, aber trotzdem 2,1 Prozent weniger als im Vorjahresquartal.
Für die Aktie dürfte es jedoch weniger auf den exakten Gewinn im aktuellen Quartal ankommen als vielmehr auf die langfristigen Wachstumsaussichten. Am wichtigsten werden wohl konkrete Angaben zu den Fortschritten im Robotaxi-Geschäft und bei den Optimus-Robotern sein.
Ein weiterer kurzfristiger Kurstreiber könnten die Spekulationen um eine Übernahme oder Fusion zwischen SpaceX und Tesla werden. Laut Barclays könnte eine solche Fusion sogar noch im laufenden Jahr stattfinden.
Klar ist jedoch, dass angesichts der astronomischen Bewertungen sowohl Tesla als auch SpaceX nach wie vor Wetten auf die technologischen und wirtschaftlichen Visionen von Elon Musk sind.
Meta – alle Augen auf die Capex
Die Quartalszahlen von Meta am Mittwochabend dürften wohl für den gesamten KI-Sektor am wichtigsten werden. Derzeit preist der Optionsmarkt bis Freitag eine Kursbewegung von plus oder minus 7,3 Prozent ein.
Nachdem es für die Aktie von Meta im Jahr 2026 lange nur sehr durchwachsen lief, legte sie ab Mitte August eine starke Aufholjagd hin und stieg seither um rund 30 Prozent. Das war unter anderem der Vorstellung des KI-Agenten Muse Anfang September zu verdanken. Zudem wurden neue KI-Brillen sowie das kompakte KI-Gerät Charm vorgestellt.
Der Haken: Nach dem starken Kursanstieg seit September ist Meta mit einem Forward-KGV von 22 zwar nicht maßlos überteuert, aber auch kein Schnäppchen mehr. Daher dürften die Anleger nun umso kritischer auf die Prognosen zu den KI-Investitionen sowie auf den Free Cashflow achten. Meta hat bereits verlauten lassen, dass die Nachfrage nach dem hauseigenen KI-Agenten Muse so hoch ist, dass die bestehenden Rechenkapazitäten nicht ausreichen. Das spricht stark dafür, dass die Prognosen zu den KI-Investitionen abermals nach oben korrigiert werden.
Das wäre grundsätzlich kein Problem, wenn aus den Investitionen auch möglichst schnell Umsätze und Gewinne werden. Da Muse derzeit jedoch noch weitgehend kostenlos ist, dürfte der KI-Agent zumindest im aktuellen Quartal noch keine großen Umsatzbeiträge liefern.
Auch bei Meta ist daher aufgrund der nicht mehr niedrigen Bewertung sowie des zu erwartenden negativen Free Cashflows Vorsicht bei einem Einstieg vor den Zahlen geboten. Es könnte die bessere Idee sein, zunächst konkrete Aussagen zur Monetarisierung der KI-Produkte abzuwarten.
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Livestream zu den Quartalszahlen
Am Mittwoch wird es auf unserem YouTube-Kanal wieder die „Tech-Night“ geben zu den Quartalszahlen von Meta, Tesla, IBM und SAP. Die BÖRSE ONLINE-Redakteure Klaus Schachinger und Markus Voss gehen um 21.45 Uhr auf Sendung. Sie kommentieren die Zahlen live im Studio, erklären Zusammenhänge und Hintergründe und beantworten die Fragen der Zuschauer aus dem Live-Chat.
Über diesen Link gelangen Sie direkt zum Livestream. Unser Tipp: Merken Sie sich den Stream schon jetzt vor und speichern Sie ihn unter „Später ansehen“, damit Sie ihn zum Start schnell wiederfinden und nichts verpassen.
Häufig gestellte Fragen:
Wann veröffentlichen Meta, Tesla und Netflix ihre Quartalszahlen?
Netflix veröffentlicht seine Quartalszahlen am Dienstag, dem 20. Oktober 2026, um 22 Uhr deutscher Zeit. Tesla und Meta folgen am Mittwoch, dem 21. Oktober.
Welche Kursbewegungen erwartet der Optionsmarkt bei Meta, Tesla und Netflix?
Der Optionsmarkt preist bis Freitag Kursbewegungen von jeweils plus oder minus 9,5 Prozent bei Netflix, 7,5 Prozent bei Tesla und 7,3 Prozent bei Meta ein.
Worauf sollten Anleger bei den Quartalszahlen besonders achten?
Bei Netflix stehen das Umsatzwachstum und das Werbegeschäft im Fokus. Bei Tesla dürften die Fortschritte bei Robotaxis und Optimus entscheidend sein, während bei Meta vor allem die KI-Investitionen und der Free Cashflow zählen.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Tesla.