Volkswagen verliert mitten in der Krise einen seiner wichtigsten Manager – und der heuert auch noch bei der Konkurrenz an. Was das über das Sparpropgramm aussagt.

Volkswagen muss den Abgang eines seiner erfolgreichsten Markenchefs verkraften. Klaus Zellmer, Vorstandsvorsitzender der tschechischen Konzerntochter Skoda, wechselt zum schwedischen Autobauer Volvo Cars. Der mehrheitlich zum chinesischen Geely-Konzern gehörende Hersteller teilte mit, dass Zellmer dort spätestens zum 1. Oktober 2027 die Führung übernehmen soll.

Zellmer folgt damit auf Hakan Samuelsson. Der 75-jährige Schwede war erst im April 2025 an die Spitze von Volvo zurückgekehrt, nachdem er den Autobauer bereits von 2012 bis 2022 geführt hatte. Im kommenden Jahr will Samuelsson in den Ruhestand gehen. Vergangene Woche hatte er noch einen umfassenden Plan zur Sanierung des kriselnden Konzerns vorgestellt.

Spartenchef verlässt Erfolgsmarke Skoda

Für Volkswagen ist der Wechsel keine gewöhnliche Personalie. Skoda gehört aktuell zu den erfolgreichsten Marken im VW-Konzern. Skoda schloss das erste Halbjahr mit einer operativen Umsatzrendite von 8,5 Prozent ab, weit vor Sparten wie Audi, Porsche oder VW selbst. 

Zellmer hatte den Vorstandsvorsitz bei Skoda im Juli 2022 übernommen. Der Manager war zuvor mehr als 20 Jahre bei Porsche tätig und leitete dort unter anderem das Nordamerika-Geschäft. 2020 wechselte er als Vertriebsvorstand zur Marke Volkswagen. 2025 galt er sogar zeitweise als möglicher Kandidat für den Chefsessel bei der Porsche AG. Mit seinem Abgang verliert VW damit einen seiner erfahrensten und erfolgreichsten Manager.

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Volvo braucht dringend einen Neustart

Zellmer übernimmt bei Volvo eine deutlich schwierigere Aufgabe als bei Skoda. Der schwedische Autobauer leidet unter den US-Zöllen, einer schwächeren Nachfrage nach Elektroautos und hohen Entwicklungskosten. Zudem brachen, ähnlich wie bei VW und Audi, die Verkäufe in China ein. Die Volvo-Aktie hat in diesem Jahr mehr als 45 Prozent verloren und notiert nahe ihrem Rekordtief.

Volvo-Chef Samuelsson will mit einer Produktoffensive gegensteuern. Bis 2030 sollen insgesamt 13 neue Modelle auf den Markt kommen, um den Marktanteil des Unternehmens zu verdoppeln. Diese Vorgabe muss Zellmer dann umsetzen.

Volvo Car AB (WKN: A40AE9)

VW steckt selbst tief in der Krise

Der Zeitpunkt des Abgangs ist für Volkswagen denkbar ungünstig. Erst am Freitag senkte der Konzern seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr drastisch. Wegen einer milliardenschweren Abschreibung auf den Wert der Tochter Porsche, schwacher Geschäfte in China und zusätzlicher Kosten für den Konzernumbau erwartet VW nur noch eine mickrige operative Umsatzrendite von bis zu einem Prozent.

Bisher hatte der Konzern eine Marge von vier bis 5,5 Prozent in Aussicht gestellt. 2025 lag die operative Umsatzrendite noch bei 2,8 Prozent. Die Gewinnwarnung erhöht den Druck auf Vorstandschef Oliver Blume, der eigentlich dringend starke Führungskräfte für die Sanierung seiner Marken benötigt.

Volkswagen Vz. (WKN: 766403)

Für Anleger ist Zellmers Abgang deshalb ein weiteers Warnsignal: Dass er sich trotz seiner Erfolge bei Skoda gegen eine weitere VW-Laufbahn entscheidet, könnte ein Hinweis auf die Stichhaltigkeit des VW-Sanierungsplans sein. Möglich wäre auch, dass der erfahrene Manager, dessen Marke Skoda über günstige Fertigungskapazitäten verfügt, einen anderen Weg bei VW vorgeschlagen hatte – und damit nicht durchkam.

Die Hoffnungen auf einen baldigen Befreiungsschlag bei VW haben damit binnen weniger Tage den zweiten Rückschlag erhalten. Ein Einstieg bei der VW-Aktie drängt sich derzeit wahrlich nicht auf.

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Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Autor und der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, sind unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Volkswagen Vz..