Es ist vollbracht: Der Aufsichtsrat von Volkswagen hat ein umfassendes Sparpaket beschlossen, das harte Einschnitte bedeutet. Die Börse feiert – zu früh?

Einen Tag früher als erwartet hat der Aufsichtsrat über das Sparpaket des VW-Vorstands beraten – und es überraschend fast ohne Änderungen durchgewunken. Das war nach den Berichten der vergangenen Tage so nicht zu erwarten gewesen,

Damit blieb der große Showdown im Aufsichtsrat, in dem angeblich auch zwei Gegenkonzepte der Gewerkschaft und des Landes Niedersachsen vorgelegt werden sollten, aus. Medienberichten zufolge soll sich das Management sogar darauf vorbereitet haben, bei einer Ablehnung des Pakets eine außerordentliche Hauptversammlung einzuberufen. Dann hätten die Aktionäre über die Sparpläne abstimmen müssen.

Dsa "tiefgreifendste" Sparprogramm in der Geschichte von Volkswagen

Laut einer Mitteilung von Volkswagen stimmten die Aufseher dem Paket nun aber einstimmig zu. „Das ist ein starkes Signal für die Zukunft“, teilte Volkswagen-Vorstandschef Oliver Blume mit. Er habe nun ein Mandat für das „strategisch tiefgreifendste Transformationsprogramm“ in der Geschichte des Volkswagen-Konzerns. Alle Punkte hat Blume, dem oft Zaghaftigkeit vorgeworfen wurde, aber noch nicht durchbekommen. 

Die Börse reagiert dennoch erleichtert: Die VW-Vorzugsaktie, die bereits am Donnerstag in Erwartung einer Entscheidung mit einem Plus von 3,6 Prozent an der DAX-Spitze geschlossen hatte, legte im vorbörslichen Handel auf Tradegate zeitweise auf 82 Euro zu, das bedeutet noch einmal einen Kursaufschlag um sieben Prozent zum Xetra-Schlusskurs.

Nun muss der VW-Vorstand liefern. Diese Punkte wurden beschlossen:

Volkswagen Vz. (WKN: 766403)

Abbau von weiteren 50.000 Stellen

Der folgenreichste Punkt betrifft die Beschäftigten: Weltweit sollen noch einmal rund 50.000 weitere Stellen wegfallen – darunter auch im Management. Diese Anpassung sei nötig, um die Ziele des Transformationsprogramms zu erreichen, sagt Blume. 

Eine genaue Aufteilung auf Marken, Länder und Standorte nannte Volksagen zunächst nicht. Blume hatte jedoch bei den Betriebsversammlungen in der vergangenen Woche gesagt, dass er die Hälfte des Anpassungsbedarfs in Deutschland sehe. Damals sprach der VW-Chef noch von einer „Rechengröße“ – diese wird nun Realität.

Angeblich hatte der Vorstand im Vorfeld auch Löhne, Arbeitszeiten, den Krankenstand und die Produktivität deutscher VW-Mitarbeiter gegenüber ihren Kollegen im Ausland, etwa in China, verglichen.

2024 hatten sich die VW-Führung und Arbeitnehmervertreter schon einmal auf ein Abbauprogramm in Deutschland verständigt: Bis zum Jahr 2030 sollen im gesamten Konzern 50.000 Stellen wegfallen. 35.000 Jobs sollen bei der Kernmarke gestrichen werden, der Rest bei Töchtern wie Audi und Porsche. Das neue Programm kommt nun on top.

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Kapazität sinkt auf neun Millionen Fahrzeuge

Über allem steht das Ziel, die jährliche Produktionskapazität aller Volkswagen-Werke, inklusive Porsche und Audi, von bisher fast elf auf neun Millionen Stück im Jahr zu senken. Das ist die Zahl, die der VW-Vorstand dauerhaft für absetzbar hält.

In einer Beschlussvorschlage, aus der die „Bild-Zeitung“ zitiert, heißt es, Volkswagen befinde sich in einer „kritischen Gesamtlage“. Unternehmensberatungen wie BCG, Roland Berger und PwC hätten Notwendigkeit, Dringlichkeit und Schlüssigkeit des Konzepts bestätigt. Dort wird auch vorgerechnet, dass die Marge im Volkswagen-Konzern ohne die Gegenmaßnahmen im Jahr 2030 nur noch bei minus 0,1 Prozent liegen würde. Zum Halbjahr 2026 wies VW eine Umsatzrendite von 3,8 Prozent aus. Für den Zeitraum von 2027 bis 2031 sind nun nur noch Investitionen in Sachanlagen sowie Forschung und Entwicklung von 135 Milliarden Euro vorgesehen, etwa 50 Milliarden weniger als bisher geplant.

Lage von VW "mehr als kritisch"

„Die Lage ist mehr als kritisch“, beschrieb Blume den Zustand von VW zuletzt. Man mache zwar Gewinn, verdiene aber zu wenig, um damit die Zukunft finanzieren zu können. „Wir sind überdimensioniert. Das macht uns oft zu langsam und zu kompliziert.“ Blume zufolge handelt es sich aber nicht allein um eine VW-Krise, sondern um eine Krise der gesamten Autobranche.

Vier Werke auf der Streichliste – aber nicht sofort

Der Aufsichtsrat habe mit seinem Beschluss „zur Kenntnis genommen“, dass in Europa eine Produktionsüberkapazität von 500.000 Fahrzeugen bestehe, teilte VW in seiner Pressemitteilung zum Aufsichtsratsbeschluss mit. Für die VW-Werke Emden, Zwickau, Hannover und das Audi-Werk in Neckarsulm könne aktuell keine wettbewerbsfähige Folgebelegung mit Modellen gewährleistet werden. Dies gelte gestaffelt ab den Jahren 2031 bis 2034. Daher solle für die europäischen Werke bis Ende Juni 2027 ein Konzept „für eine nachhaltige und wettbewerbsfähige Produktionsstruktur“ vorliegen. Für die vier angezählten Werke in Deutschland sollen parallel und ergänzend "alternative Verwendungsmöglichkeiten geprüft" werden.

Das heißt: Konkrete Werksschließungen wurden nicht beschlossen – doch der Countdown für die Werke läuft jetzt. Im Gespräch ist unter anderem, Werke zeitweise für die Rüstungsproduktion zu nutzen und auch der Bau chinesischer VW-Modelle in Deutschland.

In diesem Punkt verlor Blume

Der Plan des VW-Chef hatte auch vorgesehen, die Kernmarke Volkswagen Pkw und die Komponentenwerke auszugliedern und den VW-Konzern darüber so zu einer Holding zu machen. Damit wäre der bisherige Einfluss des Landes Niedersachsen auf Standortortentscheidungen beschnitten worden. Auch der Betriebsrat hätte weniger Einfluss gehabt. Aus Sicht von IG-Metall-Chefin Christiane Benner und Betriebsratschefin Daniela Cavallo ist dieser Plan nun aber vom Tisch. Man habe den Angriff auf die Mitbestimmungsstrukturen erfolgreich abgewehrt.

Die Folgen für die VW-Aktie

Für die VW-Aktie wird nun entscheidend sein, ob sich alle Beteiligten tatsächlich an die Beschlüsse halten und der Personalabbau umgehend beginnen kann. Ankündigungen gab es genug. Nun wollen die Aktionäre Taten sehen. 

Für die Volkswagen-Aktie ergibt sich daraus ein gewisses Aufwärtspotenzial. Zwar wird die Lage der deutschen Autoindustrie durch den Beschluss nicht automatisch besser. Aber VW zeigt, dass man gewillt ist, die Probleme zu lösen und Kosten zu senken, um wieder wettbewerbsfähig zu sein. Jeder Fortschritt wird dem VW-Kurs helfen, der allein in diesem Jahr 24 Prozent verloren hat.

Doch der Weg ist weit – und die Börse hat womöglich keine Geduld, bis 2030 abzuwarten.

So reagieren die Analysten

Analysten für die VW-Aktie begrüßten die Einigung. Doch auch bei ihnen macht sich keine Euphorie breit. Die US-Bank Citigroup beließ ihre Einstufung für Volkswagen auf "Buy", das Kurziel von 94 Euro klingt aber eher vorsichtig. Analyst Harald Hendrikse gratulierte dem Autobauer zum beschlossenen Konzernumbau - auch den Arbeitnehmervertretern und dem Land Niedersachsen als Großaktionär. Der Realismus habe gesiegt. Dann folgt ein eher böser Seitenhieb: Es zeige sich, dass die Aktie "investierbar" bleibe, schrieb Hendrikse. Auch wenn die Entscheidungen existenziell seien, werde sich die Anlegerstimmung aber nicht über Nacht komplett drehen

J.P. Morgan beließ sein Votum auf "Neutral", hat aber mit 110 Euro ein deutlich höheres Kurzsiel für den fairen Wert angesetzt als der Citi-Analyst. Jefferies und RBC sehen die VW-Vorzugsaktie auf Jahressicht sogar bei 120 Euro. Beide raten zum Kauf - das taten sie allerdings auch schon vor dem gestrigen Beschluss.

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Häufige Fragen zu VW

Wie viele Fahrzeuge verkaufte der Volkswagen-Konzern in 2025?

Der Volkswagen-Konzern hat im Jahr 2025 weltweit genau 8.983.900 Fahrzeuge an Kunden ausgeliefert. Das entsprach einem Rückgang um 0,5 Prozent im Vergleich zu 2024. In diesem Jahr werden es voraussichtlich noch einmal weniger sein. 

Wie viele Fahrzeuge verkauft VW derzeit in Deutschland pro Monat?

Laut den Daten des Kraftfahrt-Bundesamts lag der Absatz der Marke VW im Juli 2026 bei 47.984 Fahrzeugen. Damit ist die Marke Volkswagen mit einem Marktanteil von etwa 17,9 Prozent der mit Abstand stärkste Hersteller auf dem deutschen Automarkt. Das meistverkaufte Modell ist der Golf , gefolgt vom VW T-Roc. Dann kommen bereits die vollelektrischen ID-Modelle - in Summe.

Wie rentabel ist VW im Vergleich zur Konkurrenz?

Der Volkswagen-Konzern wies im ersten Halbjahr 2026 eine Umsatzrendite (auf Basis des Ebit) von 3,8 Prozent aus. BMW kam auf 3,6 Prozent, Mercedes auf 4,1 Prozent. Stellangtis, das vom Produktmix her eher mit VW verglechbar ist, verdiente nur 2,1 Prozent.

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Autor und der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, sind unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Volkswagen Vz..

Enthält Material von dpa-AFX