Der Konkurrenzkampf der deutschen Autobauer mit Herstellern aus China erreicht den Heimatmarkt. BYD verkaufte hierzulande zeitweise mehr Plug-in-Hybride als BMW und VW. Lag das nur an hohen Rabatten oder ist die Dominanz der deutschen Autobauer auch in Europa vorbei?

Dass chinesische Autohersteller ihren deutschen Konkurrenten das Leben schwer machen, ist bekannt. Doch bislang spielte sich das Drama weit weg von den Heimatwerken in Wolfsburg, Stuttgart oder München ab: im fernen China.

Nun aber steht der Feind sprichwörtlich vor den (Werks-)Toren. Das beste Beispiel ist der chinesische Konzern BYD. Bisher galt er als reiner E-Auto-Hersteller, dessen Absatzzahlen in Deutschland eher überschaubar waren. Im Sommer 2026 ist BYD nun aber richtig durchgestartet – mit Plug-in-Hybriden (PHEV).

Im Mai 2026 sprangen die Chinesen in diesem Segment nach Neuzulassungen vorübergehend auf Platz eins, wie die Studie des Center for Automotive Research (CAR) in Bochum ermittelte – vor VW, BMW und Mercedes. Im Juli erreichte BYD mit einem Marktanteil von 10,7 Prozent Platz vier. Laut CAR gelang das den Chinesen vor allem über den Preis: niedrige Listenpreise und besonders hohe Rabatte von bis zu 31,8 Prozent machten das Zulassungswunder möglich. BYD nimmt offenbar bewusst Verluste in Kauf, um Marktanteile zu gewinnen.

Der Preiskrieg ist voll entbrannt

Die Rabatte aus China zwangen auch die Konkurrenz zum Einlenken: Das CAR hat ermittelt, dass auf die 15 meistverkauften Plug-in-Hybride im August im Schnitt fast 20 Prozent Rabatt gewährt wurden. Das bedeutet: Nicht nur BYD macht mit PHEVs Verluste – sondern vermutlich die ganze Branche.

Für die deutschen Hersteller ist das Gift. Sie hatten die Plug-in-Hybride als Übergangstechnologie für sich entdeckt, solange sie noch keine kostengünstigen reinen E-Autos anbieten können. Zudem bilden diese Fahrzeuge eine wichtige Brücke für skeptische deutsche Kunden, die noch nicht vollständig auf Batterieautos umsteigen wollen. Dass nun auch in diesem Segment der Preis fällt, bringt Margen und Marktanteile gleichzeitig unter Druck – zu einem Zeitpunkt, in dem die Gewinne der Deutschen ohnehin einbrechen.

Volkswagen Vz. (WKN: 766403)

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Ruf nach einer „Buy European“-Klausel

Die Antwort der Hersteller und ihrer Lobbyisten ist erwartbar: Sie fordern neue Zölle für die Chinesen, auch auf Plug-in-Hybride. Und die Botschaft kommt offenbar in der Politik an: Bundesumweltminister Carsten Schneider hat solche Zusatzabgaben bereits gefordert. Bei der Elektromobilität brauche es ein „Level Playing Field“ mit China, sagt er, also faire Wettbewerbsbedingungen.

Für reine E-Autos gibt es bereits Ausgleichszölle, für Plug-in-Hybride bislang nicht. Diese Lücke nutzen Konkurrenten wie BYD nun gnadenlos aus – und greifen damit, ganz nebenbei, auch noch deutsche Fördergelder dafür ab.

Die Autoren der CAR-Studie, Professor Ferdinand Dudenhöffer und sein Mitautor Klaus Springer, warnen angesichts der Rabatt-Schlacht vor einer Entwicklung hin zu „Wegwerf-Autos“, bei denen Hersteller und Marktteilnehmer, um immer wieder neue Förderungen abzuschöpfen, ihre alten Fahrzeuge immer früher abstoßen. Das sei für den Staat teuer und für die Branche verzerrend.

Eine womöglich sinnvolle Ergänzung zu Strafzöllen auf chinesische Autos wäre der amerikanische Weg, wie ihn Donald Trump immer wieder propagiert: Eine „Buy European“-Regel könnte dafür sorgen, dass die Chinesen zumindest einen Teil ihrer Produktion nach Europa verlagern und so zumindest hierzulande Arbeitsplätze schaffen. Tatsächlich will BYD noch in diesem Jahr ein Werk im ungarischen Szeged eröffnen, um dort E-Autos für den europäischen Markt zu produzieren. Diese würden dann keinen Strafzöllen unterliegen.

BMW (WKN: 519000)

Die Folgen für deutsche Autoaktien

Die Rabattschlacht bei Plug-in-Hybriden trifft die deutschen Autobauer an einem empfindlichen Nerv: Die Hybride erschienen ihnen als Chance, die höheren Margen in der etablierten Verbrennertechnologie noch ein paar Jahre länger über die Zeit zu retten. Dass Wettbewerber wie BYD jetzt auch schon diese heilige Kuh schlachten, ist für die deutschen Hersteller extrem gefährlich – auch für BMW und Mercedes. Denn die Chinesen beginnen bereits damit, mit luxuriösen Vollausstattungen in ihren Autos Marktanteile im unteren Luxussegment abzugraben.

All das spricht wenig dafür, dass man als Anleger derzeit eine deutsche Autoaktie haben sollte. Zwar gibt es immer wieder hoffnungsvolle Meldungen, wie zuletzt bei BMW. Doch der Preisdruck verschärft sich immer mehr – und die Gewinne schwinden.

Auch BYD macht seinen Aktionären derzeit wenig Freude. Denn zu Hause in China leidet auch der E-Auto-Marktführer unter Überkapazitäten und einer Preisschlacht am Markt. Deshalb hatte sich die BYD-Aktie seit ihrem Hoch im Frühsommer 2025 zeitweise halbiert. Nach einem kurzen Aufschwung Ende Juni tendiert der Kurs seitdem seitwärts. Ein neuer Aufwärtstrend zeichnet sich derzeit auch bei den Chinesen nicht ab.

BYD (WKN: A0M4W9)

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Häufige Fragen

Wer sind die drei größten Autohersteller der Welt?

Nach Stückzahlen lautete die Reihenfolge im Jahr 2024:

1. Toyota (Japan): rund 11,3 Millionen verkaufte Fahrzeuge

2. Volkswagen AG (Deutschland): etwa 9,0 Millionen verkaufte Fahrzeuge

3. Hyundai Motor Group (Südkorea): circa twa 7,2 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Nach Umsatz war Volkswagen mit 335,1 Milliarden US-Dollar sogar deutlich größer als Toyota, das 305,1 Milliarden US-Dollar umsetzte. Hyundai ist mit einem Jahresumsatz von 191,1 Milliarden US-Dollar noch deutlich entfernt, wuchs aber zuzletzt schneller als die beiden Konkurrenten.  


Wie viele Fahrzeuge verkauft BYD derzeit in Deutschland im Monat?

Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) wiesen für BYD im Juni 2026 6.265 Neuzulassungen aus, was einem Marktanteil von 2,11 Prozent entsprach. Nach eigenen Angaben peilt BYD für das Gesamtjahr 2026 in Deutschland mindestens 50.000 Neuzulassungen an.


Wie viele Fahrzeuge verkauft VW derzeit in Deutschland pro Monat?

Laut den Daten des Kraftfahrt-Bundesamts lag der Absatz der Marke VW im Juli 2026 bei 47.984 Fahrzeugen. Damit ist die Marke Volkswagen mit einem Marktanteil von etwa 17,9 Prozent der mit Abstand stärkste Hersteller auf dem deutschen Automarkt. Das meistverkaufte Modell ist der Golf , gefolgt vom VW T-Roc. Dann kommen bereits die vollelektrischen ID-Modelle - in Summe.

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