Moderna ist ein womöglich entscheidender Durchbruch bei mRNA-Impfstoffen gegen Krebs gelungen. In einer Phase-3-Studie gegen Hautkrebs überzeugte der neue Wirkstoff in allen wichtigen Punkten.
Das ist der Moment, auf den die Aktionäre des BioNTech-Konkurrenten Moderna sehnlichst gewartet haben: Wie Moderna am Mittwoch vor Börseneröffnung mitteilte, hat der experimentelle personalisierte Krebsimpfstoff Intismeran Autogene, mit dem Moderna zusammen mit dem Entwicklungspartner Merck & Co. Hautkrebs behandeln will, in einer Phase-3-Studie positive Daten geliefert.
Die Reaktion an der Börse fiel geradezu euphorisch aus: Moderna sprang im vorbörslichen Handel um mehr als 60 Prozent an, die Aktie von Merck & Co. legte um sieben Prozent zu. Es ist der seltene Fall, in dem eine lange ungewiss erscheinende Biotechstory tatsächlich die lange nur erhoffte Substanz liefert. Damit bekommt die vage Aussicht auf einen neuen Milliardenmarkt für Moderna frische Nahrung.
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Ein Meilenstein für die mRNA-Story
Die Studie erreichte laut einer Mitteilung von Moderna alle angestrebten Endpunkte: Das Medikament verbesserte das rezidivfreie Überleben, also die Zeit ohne Rückfall, und das Überleben ohne Fernmetastasen im Vergleich zum bisher marktführenden Medikament Keytruda. Untersucht wurden 1.137 Patienten mit vollständig reseziertem Melanom (schwarzer Hautkrebs) im Stadium IIB bis IV. Sie wurden nach dem operativen Entfernen des Tumors im Verhältnis 2:1 randomisiert.
Besonders wichtig: Es handelt sich laut Moderna zugleich um die erste positive Phase-3-Studie für eine individualisierte Neoantigen-Therapie und zugleich um die erste positive Phase-3-Studie für eine mRNA-basierte Krebstherapie überhaupt. Auch BioNTech forscht an mRNA-Impfstoffen gegen Krebs, hat aber bisher noch keine Phase-3-Studie beendet.
Ein individueller Impfstoff für jeden Patienten
Besonders spannend ist der Ansatz der Individualisierung. Der Impfstoff mit dem Namen „Intismeran Autogene“ wird aus einer Tumorprobe des Patienten hergestellt und so auf dessen einzigartige Mutationen zugeschnitten. Laut Moderna besteht jede Therapie aus einer synthetischen mRNA, die bis zu 34 Neoantigene kodiert und so das Immunsystem auf die Krebszellen trainieren soll.
Wann der Marktstart erfolgen könnte, ist jedoch noch offen. Moderna und Merck wollen die Daten zunächst auf einer internationalen medizinischen Tagung vorstellen und dann mit den Behörden über mögliche Zulassungsanträge sprechen. Auch die Gesamtüberlebensdaten werden weiter ausgewertet. Der klinische Beweis ist also da, die regulatorische Zulassung noch nicht.
Wird die Aktie nun völlig neu bewertet?
Für die Moderna-Aktie ist das Ergebnis ein entscheidender Wendepunkt. Der Kurs hatte in den vergangenen Jahren stark geschwankt, weil die Impfstoffstory nach der Covid-Pandemie an Zugkraft verlor. Zu weit entfernt schien der nächste Forschungserfolg mit mRNA-Impfstoffen. Nun zeigt sich, dass die mRNA-Plattform wirklich mehr kann als nur Infektionskrankheiten.
Der Markt wird nun damit beginnen, Moderna als breiteres Onkologie-Unternehmen zu betrachten. Wenn die Funktionsweise des nun erforschten Krebsimpfstoffs nicht nur bei Melanomen, sondern eines Tages auch bei anderen Tumoren wie Lungen-, Blasen-, Pankreas- oder Nierenkrebs anwendbar wäre, würde das eine völlig neue Bewertung rechtfertigen.
Auch Merck gewinnt
Für Merck Co. (nicht zu verwechseln mit der deutschen Merck KGaA) ist der Erfolg fast genauso wichtig. Das Unternehmen stellt zwar mit Keytruda den Blockbuster bei Hautkrebs-Medikamenten her, doch der Patentschutz läuft auf Sicht aus. Deshalb braucht der Konzern neue Kombinationsstrategien, um den künftigen Druck auf die Erlöse abzufedern. So kam die Partnerschaft mit Moderna ins Spiel.
Sollte sich die Kombinationstherapie durchsetzen, hätte Merck nicht nur ein medizinisch starkes Produkt, sondern auch einen Weg, die eigene Onkologie-Pipeline länger tragfähig zu halten. Das ist für die Aktie strategisch mindestens so wichtig wie für Moderna.
Für Aktionäre von BioNTech ist seit heute klar: Ihr Unternehmen hat den Wettlauf um den ersten mRNA-Impfstoff vorerst verloren. Das heißt nicht, dass sich auch BioNTech mit einer erfolgreichen Phase-3-Studie neue Umsatzpotenziale eröffnen würde. Tatsächlich sorgte der Erfolg bei Moderna heute auch für steigende Kurse bei BioNTech. Denn die Hoffnung wächst, dass die mRNA-Story nun auch in Mainz weitergeht.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Moderna Inc, BioNTech, Merck & Co..