Ende Juli musste sich der Fonds des deutschen KI-Investors Leopold Aschenbrenner in einem Firesale von fast allen seinen Positionen trennen. Seitdem baute Aschenbrenner ein neues Portfolio auf – das nun schon wieder unter Druck gerät.
Dem deutschen Investor Leopold Aschenbrenner eilt im Silicon Valley der Ruf des „KI-Wunderkinds“ voraus. In einem Podcast wurde er gar als der „Nostradamus der KI-Welt“ bezeichnet. Doch seit Aschenbrenner im Jahr 2024 damit begann, über seine Investmentfirma „Situational Awareness LP“ für Investoren Gelder in KI-Firmen zu investieren, bekommt der Nimbus zunehmend Kratzer.
Margin Calls wurden dem Fonds im Juli zum Verhängnis
Im ersten Halbjahr 2026 hatte Aschenbrenners Fonds eine beeindruckende Performance hingelegt und die Gelder seiner Investoren verfünffacht. Doch dann zeigte sich die Kehrseite dieses Erfolgs: Aschenbrenners Team hatte stark gehebelt in Chipaktien wie Micron und SanDisk oder KI-Cloud-Anbieter wie Coreweave und Nebius investiert. Doch als deren Kurse im Juli plötzlich zweistellig absackten, brach das Kartenhaus zusammen: Die beteiligten Banken lösten Margin Calls aus, die Aschenbrenner nicht bedienen konnte. Seine Bitte um frisches Geld lief bei den Investoren ins Leere. Aschenbrenner war zum Notverkauf fast aller Aktien mit hohen Abschlägen gezwungen. Käufer war der Hedgefonds Citadel.
Aschenbrenner setzt wieder auf dieselben Aktien
Kurz darauf erhielt der KI-Nostradamus neues Geld von Investoren – und begann das Spiel offenbar von vorn, wie sich jetzt zeigt. Auf Basis von Daten aus den 13-D-Filings, die Situational Awareness seit August an die US-Wertpapieraufsicht SEC gemeldet hat, lässt sich ableiten, dass Aschenbrenner offenbar neue Geldgeber gefunden hat – und nun erneut große Positionen in denselben Aktien aufbaut, mit denen sein Fonds im Juli Schiffbruch erlitten hatte. Schon im August investierte er 400 Millionen Dollar in den australischen Neocloud-Anbieter SharonAI, an dem Situational Awareness mittlerweile 21 Prozent hält. Auch in seine Lieblingsaktien Micron, SanDisk, Nebius und Coreweave soll Aschenbrenner erneut investiert haben.
Das Problem: Seit einigen Tagen fallen diese Titel wieder – und schon wieder zweistellig. SharonAI sei sogar fast 40 Prozent unter Aschenbrenners Einstiegskurs gefallen, rechnen Insider auf dem Kurznachrichtendienst „X“ (ehemals Twitter) vor. Die Aktien von Micron gaben in den vergangenen fünf Handelstagen zeitweise 20 Prozent ab, Coreweave fiel allein in dieser Woche um 30 Prozent. Dass sich beide Titel am Donnerstag im Handelsverlauf erholten, tut nichts zur Sache: Sollte Aschenbrenner erneut gehebelt unterwegs sein, was aber bisher nicht klar ist, dürfte der nächste Margin Call längst rausgegangen sein.
Ob der Investor diesmal ein Risiko eingegangen ist und wie groß es ausfällt, wird sich spätestens mit den 13F-Filings zeigen, die alle Vermögensverwalter und Finanzholdings spätestens bis Mitte November bei der SEC einreichen müssen.
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Der Aufstieg zum „German Wunderkind“
Schon in jungen Jahren hatte der gebürtige Deutsche eine beeindruckende Karriere im KI-Sektor hingelegt. Er arbeitete für die Kryptobörse FTX, war dann Mitglied des „Superalignment“-Teams von OpenAI, das sich unter anderem mit den ethisch-moralischen Folgen einer entstehenden Superintelligenz für die Menschheit beschäftigte. Nach seinem – wohl nicht ganz freiwilligen – Ausscheiden veröffentlichte Aschenbrenner ein Manifest mit dem Namen „Situational Awareness“, das sich mit den Sicherheitsrisiken in Verbindung mit künstlicher Intelligenz beschäftigt und von vielen in der Branche als eine Art Bibel betrachtet wird.
2024 gründete Aschenbrenner die Investmentfirma Situational Awareness LP und sammelte in kurzer Zeit von Investoren Milliarden ein. Diese vervielfachte er zunächst – bis die Wette im Juli 2026 erstmals schiefging.
„Ich werde es mir zur Aufgabe machen, dafür zu sorgen, dass wir aus dieser Erfahrung die notwendigen Lehren ziehen“, schrieb Aschenbrenner am 30. Juli 2026 nach dem Notverkauf an Citadel seinen Investoren. Es deute einiges darauf hin, dass er binnen weniger Monate erneut eine bittere Lektion lernen muss.
Häufige Fragen zum Thema
Wer ist Leopold Aschenbrenner?
Leopold Aschenbrenner ist ein deutscher Forscher und Investor im Bereich künstliche Intelligenz (KI). Er war Mitglied des „Superalignment“-Teams von OpenAI, bevor er im April 2024 entlassen wurde und hat einen populären Aufsatz mit dem Titel „Situational Awareness“ über die Entstehung künstlicher allgemeiner Intelligenz und damit verbundene Sicherheitsrisiken veröffentlicht.Mittlerweile ist Aschenbrenner, dessen Geburtsjahr mit 2001 oder 2002 angegeben wird, Chief Investment Officer (CIO) der von ihm mit gegründeten Situational Awareness LP.
Auf welche Aktien setzt Leopold Aschenbrenner?
Zu den größten Beteiligungen des Fonds gehörten vor dem Notverkauf Ende Juli die Nebius Group, Sandisk, Micron und Coreweave. Es gibt Anzeichen, dass Aschenbrenner auch jetzt wieder in diesen Titeln investiert ist. Außerdem hält sein Fonds eine 21-Prozent-Beteiligung am australischen Neocloud-Anbieter SharonAI.
Warum heißt Aschenbrenners Fonds "Situational Awareness"?
Der Name geht auf einen viel beachteten Aufsatz zurück, den Aschenbrenenr im Jahr 2024 veröffentlichte. Manche nennen das 165-seitige Papier auch das Manifest der KI-Bewegung. Es trägt den Namen "Situational Awareness". Darin beschreibt Aschenbrenner den Weg von KI-Modellen hn zu einer Superintelligenz , die vier Risiken für die Menschheit berge. Er warnt insbesondere davor, dass sich die Vereinigten Staaten gegen den Einsatz von KI-Technologien durch Länder wie Russland und China verteidigen und entsprechende Investitionen in KI tätigen müssten, was unweigerlich zu einem Wettrüsten führen werde. Aschenbrenner vertritt darin auch die These, dass bereits im Jahr 2027 sich selbstverbessernde Systeme einsatzfähig sein könnten, die zu einer Superintelligenz führen würden, die der Mensch kaum noch beherrschen könne, sofern er nicht rechtzeitig Regularien einführt.
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Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Nebius, CoreWeave Inc..
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Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Nebius.