Amazon hat am Abend teils durchwachsene Zahlen vorgelegt. Was das Management über das AWS-Wachstum und die langfristige Geschäftsentwicklung sagte - und wie die Börse reagierte, lesen Sie hier.

21:36 Uhr: Bilanzrisiken steigen

Der Cashbestand nimmt bereits im dritten Quartal in Folge ab: Mittlerweile hat das Unternehmen "nur noch" 114,22 Milliarden US-Dollar an Barmittel und kurzfristigen Investments. Im ersten Quartal 2026 waren es noch 143 Milliarden Dollar. Das ist zwar immer noch ein komfortables Sicherheitspolster, aber der Trend zeigt in eine Richtung, die bei anhaltend hohen Investitionsausgaben zunehmend kritisch werden könnte.

Die langfristigen Schulden stiegen von rund 58 Milliarden Dollar im dritten Quartal 2025 auf mittlerweile 158,7 Milliarden Dollar. Darüber hinaus bilanzierte der Konzern zum dritten Quartal rund 99 Milliarden langfristige Leasingschulden.

21:30 Uhr: Wie liefen die übrigen Geschäftsbereiche?

Im Werbegeschäft gingen die Wachstumsraten deutlich zurück: Im dritten Quartal erzielte Amazon rund 19,6 Milliarden Dollar Erlöse in diesem Segment und damit nur elf Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Das ist eine deutliche Verlangsamung des Wachstums. IN den Vergangenen Quartalen lag die Wachstumsrate noch stets bei 22 bis 26 Prozent.

Amazon Leo soll noch in diesem Jahr seinen ersten Dienst für Satelliteninternet starten. Mit AT&T wurde zudem ein wichtiger Vertriebspartner gewonnen.

Zoox bietet mittlerweile kostenpflichtige Robotaxi-Fahrten in Las Vegas an und testet seine Fahrzeuge in San Diego und Houston. Insgesamt ist Zoox bereits in zwölf US-Städten aktiv.

Amazon Pharmacy bietet Medikamentenlieferungen innerhalb von drei Stunden mittlerweile in mehr als 350 Städten an. Die Kundenzahl stieg im Jahresvergleich um mehr als 60 Prozent.

21:26 Uhr: Amazon meldet Fortschritte bei eigenen KI-Produkten

Mit der neuen Software TorchNeuron können Entwickler ihre bestehenden Anwendungen ohne Anpassungen auf Amazons eigenen Trainium-Chips ausführen. Damit sinkt eine wichtige Hürde im Wettbewerb mit Nvidia.

Auch die Nachfrage nach Amazon Bedrock wächst rasant: Das verarbeitete Tokenvolumen stieg im Jahresvergleich auf das 17-Fache. Die Ausgaben der Fortune-500-Unternehmen für den KI-Dienst erhöhten sich sogar auf nahezu das Siebenfache.

Zudem nutzen bereits Zehntausende Kunden die Plattform Bedrock AgentCore zur Entwicklung von KI-Agenten. Der Shopping-Assistent Alexa for Shopping erreichte in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 400 Millionen Kunden, während die Zahl der Interaktionen um 570 Prozent zunahm.

21:18 Uhr: Steigende Capex, negativer Free Cashflow

Einer der wichtigsten Punkte, auf den Investoren heute kritisch blicken dürften, sind die hohen KI-Investitionen. Allein im dritten Quartal lagen die Capex bei 77,26 Milliarden Dollar!

Amazon hatte im Juli prognostiziert, dass die gesamten Investitionen im laufenden Jahr rund 220 Milliarden Dollar betragen werden. Diese Prognose wurde heute bestätigt. Dementsprechend wären für das vierte Quartal rein rechnerisch noch 44 Milliarden Dollar an Capex zu erwarten.

Die enormen Investitionen können mittlerweile nicht einmal mehr durch den gesamten operativen Cashflow gedeckt werden: Im dritten Quartal lag der Free Cashflow bei minus 32,8 Milliarden US-Dollar. Das ist deutlich schlechter als die erwarteten minus 16,6 Milliarden der Analysten.

21:14 Uhr: So lief es in den einzelnen Segmenten

Der Umsatz in Nordamerika stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal um 6 Prozent auf 112,9 Milliarden US-Dollar. Die Analysten hatten im Vorfeld jedoch mit 113,8 Milliarden Dollar gerechnet.

Im internationalen Segment erzielte Amazon einen Umsatz von 43,1 Milliarden US-Dollar und damit 5 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Hier traf der Konzern die Erwartungen von 43,1 Milliarden Dollar exakt.

Das wichtigste Segment zum Schluss: Der AWS-Umsatz kletterte um 39 Prozent auf 46 Milliarden US-Dollar. Analysten hatten mit 45,5 Milliarden Dollar und einem Wachstum von knapp 38 Prozent gerechnet. Der operative Gewinn von AWS erreichte 17,77 Milliarden US-Dollar, nach 11,43 Milliarden Dollar im dritten Quartal 2025. Das entspricht einer operativen Marge von 38,7 Prozent und einem Gewinnwachstum von 55 Prozent. Damit übertraf Amazon zwar die Erwartungen der Analysten, jedoch scheint es dem Markt dennoch nicht zu reichen.

Das Management ist dennoch optimistisch und erwartet für AWS in 2027 und 2028 eine Wachstumsrate von über 40 Prozent.

21:10 Uhr: Die Amazon-Zahlen für das dritte Quartal 2026 sind da

• 201,9 Milliarden US-Dollar Umsatz vs. 202,26 Milliarden US-Dollar Erwartung

• 1,89 US-Dollar Gewinn pro Aktie (Non-GAAP) vs. 1,99 US-Dollar Erwartung

• 28,1 Milliarden US-Dollar operativer Gewinn vs. 26,1 Milliarden US-Dollar Erwartung

Damit wurden die Erwartungen leicht verfehlt. Auch der Ausblick auf das vierte Quartal fällt durchwachsen aus:

• 240 bis 247 Milliarden US-Dollar Umsatz vs. 244,31 Milliarden US-Dollar Erwartung

• 28,5 bis 33,5 Milliarden US-Dollar operativer Gewinn vs. 32,92 Milliarden US-Dollar Erwartung

21:08 Uhr: Aktie deutlich im Minus

Die Quartalszahlen sind noch nicht veröffentlicht. Dennoch ist die Aktie aktuell sechs Prozent im Minus, vor einigen Minuten waren es bereits minus zwölf Prozent. 

20:59 Uhr: Reißen die Amazon-Zahlen das Ruder im Nasdaq wieder herum?

Nach den enttäuschenden Google-Zahlen am gestrigen Abend gab es heute im Nasdaq-100 eine scharfe Korrektur von rund 1,5 Prozent.

Die Amazon-Quartalszahlen könnten jedoch wieder für Erleichterung sorgen, sofern der Konzern insbesondere mit seinem Cloud-Geschäft AWS und dem Ausblick auf die KI-Investitionen überzeugen kann. Neben Amazon legen heute Abend auch Sandisk und Intel ihre Quartalszahlen vor. Während bei Sandisk vor allem die Entwicklung der Speicherpreise im Fokus steht, dürften Anleger bei Intel insbesondere auf die Fortschritte im Foundry-Geschäft achten. Alle drei Unternehmen könnten mit ihren Quartalszahlen also ein wichtiger Kurskatalysator für den Gesamtmarkt werden.

20:55 Uhr: Optionsmarkt preist starke Bewegung ein

Der Optionsmarkt preist derzeit bis Freitag eine Kursbewegung von etwa plus oder minus acht Prozent ein. Ausgehend vom aktuellen Kurs von rund 245,50 US-Dollar entspricht das einer Spanne von ungefähr 226 bis 265 US-Dollar. Das ist aber keine Garantie, dass die Bewegung tatsächlich so stark ausfallen wird – die Aktie kann sich auch deutlich stärker oder niedriger bewegen.

20:50 Uhr: Seitwärtsphase drückt die Bewertung

In den vergangenen zwölf Monaten legte die Amazon-Aktie lediglich um rund drei Prozent zu und blieb damit deutlich hinter dem Gesamtmarkt zurück. Gleichzeitig stiegen die Gewinne des Konzerns weiter an. Dadurch ist die Bewertung in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Noch vor drei Jahren lag das Forward-KGV bei etwa 75. Im Juli vergangenen Jahres waren es nur noch 35, aktuell sind es rund 26,5.

Einige Analysten sehen in diesem Bewertungsrückgang offenbar eine attraktive Einstiegschance. Evercore ISI bestätigte am Montag erneut seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 355 US-Dollar. UBS-Analyst Stephen Ju erhöhte sein Kursziel von 318 auf 348 US-Dollar. Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von rund 41 Prozent. Das durchschnittliche Analystenkursziel liegt derzeit bei 330 US-Dollar und damit etwa 34 Prozent über dem aktuellen Aktienkurs.

20:44 Uhr: Hohe Erwartungen an das KI-Geschäft

Für das dritte Quartal 2026 erwarten die Analysten einen AWS-Umsatz von 45,5 Milliarden US-Dollar. Das entspräche einem Wachstum von fast 38 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Ein Wert unterhalb dieser Marke dürfte eine herbe Enttäuschung sein und könnte erheblichen Druck auf die Aktie ausüben. Idealerweise beschleunigt sich das Wachstum sogar auf mehr als 40 Prozent.

Das Wachstum wird jedoch teuer erkauft: Im Zuge der Zahlen zum zweiten Quartal hat Amazon seine Investitionsprognose für das laufende Jahr von 200 auf 220 Milliarden Dollar erhöht. Damit wären rein rechnerisch für das dritte und vierte Quartal insgesamt noch 121 Milliarden Dollar an Capex zu erwarten.

Die Investitionen sind mittlerweile sogar so hoch, dass selbst die enormen operativen Cashflows von Amazon nicht mehr ausreichen, um sie zu decken. Für das dritte Quartal erwarten die Analysten daher einen negativen Free Cashflow von 16,6 Milliarden US-Dollar.

Wichtig: Hohe Investitionen und ein kurzfristig negativer Free Cashflow sind nicht automatisch negativ zu bewerten, sofern daraus in Zukunft deutlich höhere Gewinne entstehen. Im Earningscall zum zweiten Quartal machte das Management dazu bereits einige optimistische Aussagen: Demnach amortisieren sich die Investitionen in KI-Server und Netzwerktechnik nach knapp drei Jahren, während die wirtschaftliche Nutzungsdauer bei mindestens fünf bis sechs Jahren liegt. Das bedeutet, dass die Hardware laut dieser Einschätzung nach ihrer Amortisation noch mindestens zwei bis drei Jahre lang erhebliche positive Cashflows generieren könnte. Einen konkreten Zeitpunkt, ab dem die gesamten KI-Investitionen einen positiven Free Cashflow erwirtschaften, nannte das Management allerdings nicht. Spannend wird daher, ob Amazon im heutigen Earningscall erneut auf diese Kennzahlen eingeht und eine aktualisierte Einschätzung zur Rentabilität seiner KI-Investitionen liefert.

20:39 Uhr: Starke Earnings-Historie

Amazon schlägt die Erwartungen der Analysten ausgesprochen häufig: In 14 der vergangenen 16 Quartale übertraf der Konzern die Umsatzerwartungen – im Durchschnitt um 1,37 Prozent.

Noch beeindruckender fällt die Bilanz beim Gewinn aus. Auch hier wurden die Erwartungen in 14 der vergangenen 16 Quartale geschlagen, im Durchschnitt sogar um rund 25 Prozent.

Diese Statistik spricht dafür, dass Amazon ein gutes Erwartungsmanagement betreibt und seine Prognosen tendenziell konservativ ansetzt. Da die aktuellen Analystenschätzungen ungefähr auf Höhe der von Amazon ausgegebenen Prognose liegen, erscheint es durchaus wahrscheinlich, dass der Konzern auch diesmal die Umsatz- und Gewinnerwartungen übertrifft.

20:35 Uhr: Erwartungen der Analysten

Für das dritte Quartal 2026 rechnen die Analysten mit einem Umsatz von 202,26 Milliarden US-Dollar und damit rund 12,3 Prozent über dem Vorjahresquartal. Amazon selbst hatte in seiner Umsatzprognose 197 bis 202 Milliarden US-Dollar in Aussicht gestellt.

Beim operativen Gewinn rechnen die Analysten mit einem deutlichen Anstieg um 31 Prozent auf 26,1 Milliarden US-Dollar. Damit liegt der Konsens am oberen Ende der von Amazon ausgegebenen Prognosespanne von 22,5 bis 26,5 Milliarden US-Dollar.

Für den Gewinn je Aktie erwarten die Analysten 1,99 US-Dollar, lediglich zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Der Gewinn im Vorjahresquartal war jedoch von Beteiligungsgewinnen verzerrt, weshalb die Entwicklung des operativen Gewinns die tatsächliche Finanzlage besser darstellt.


Hörtipp: Ihr wollt wissen, wie sich die KI-Revolution auf das Thema Cybersecurity auswirkt? Im Interview mit dem Podcast „deeptech INSIGHTS“ gibt in dieser Woche der Crowdstrike-Manager Michael Sentonas Informationen aus erster Hand. Selten hat jemand in seiner Position so offen darüber gesprochen, an welchen Stellen Unternehmen gerade jetzt verwundbar sind.

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Häufige Fragen zum Thema

Wann werden die Amazon-Quartalszahlen veröffentlicht?

Amazon veröffentlicht seine Quartalszahlen für das dritte Quartal 2026 am Donnerstag, den 29. Oktober 2026, nach US-Börsenschluss. Die Veröffentlichung wird gegen 21 Uhr deutscher Zeit erwartet. Der Earningscall beginnt um 22 Uhr.

Was sind die Erwartungen an Amazon

Analysten rechnen mit einem Umsatz von rund 202,4 Milliarden Dollar und einem Gewinn je Aktie von etwa 1,99 Dollar. Für die Cloud-Sparte AWS wird ein Umsatz von rund 45,5 Milliarden Dollar erwartet.

Welche Bewegung preist der Optionsmarkt ein?

Am Optionsmarkt wird aktuell eine Kursbewegung von rund plus oder minus acht Prozent eingepreist.

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Amazon.