VW-Chef Oliver Blume tourt diese Woche vor einer Betriebsversammlung zur nächsten. Konkrete Antworten auf Fragen zum Jobabbau blieb er bisher schuldig. Dabei werden im Hintergrund offenbar interessante Pläne geschmiedet.
Viele VW-Beschäftigte hatten sich von der Betriebsversammlung bei Volkswagen am Dienstag in Wolfsburg mehr Klarheit erhofft: Über mögliche Werksschließungen und den drohenden Stellenabbau. Doch VW-Boss Oliver Blum lavierte, legte sich nicht fest, sprach davon, die oft genannte Zahl von 50.000 Jobs, die wegfallen sollen, sei keine „Zielgröße“, sondern eine „theoretische Rechengröße“, die sich aus den Kosten ableite. Mit Blick auf mögliche Werksschließungen in Emden, Zwickau und Hannover sowie bei der Tochter Audi in Neckarsulm sprach Blume Ende Juli von einer „letzten Option“, die er gern vermeiden wolle. „Unser Ziel ist es, in den nächsten 6 bis 12 Monaten belastbare Perspektiven für alle Standorte zu schaffen.“
Der Belegschaft gefiel das nicht – und der Börse auch nicht. Die Investoren erwarten endlich konkrete Zahlen. Solange Blume die nicht liefert, fällt die Aktie.
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Gibt es schon einen geheimen Rettungsplan?
Tatsächlich scheint Volkswagen intern schon viel weiter zu sein, wie Informationen zeigen, die an die „Bild-Zeitung“ durchgestochen wurden. Demnach arbeite Volkswagen für die Standorte Emden und Zwickau bereits an ganz konkreten Rettungsplänen. Für Emden steht einem „Bild“-Bericht zufolge eine Umstellung auf Rüstungsproduktion im Raum, für Zwickau diskutiert VW eine „Rückverlagerung von Modellen“, die bisher in und für China gebaut werden. Ausgerechnet dort, wo die Angst vor Werksschließungen am größten ist, könnten sich also bereits konkrete Lösungen abzeichnen.
Das passt dann auch wieder zu Aussagen von Blume am Dienstag, als er sagte, eine „wettbewerbsfähige Belegung“ für die 2030er-Jahre sei das eigentliche Problem der Werke. Aber warum sagt er nicht klarer, dass es eine Lösung gäbe?
Wird Emden zum Rüstungsstandort?
Die Brisanz liegt laut „Bild“ vor allem in Emden. Dort könnte das Werk auf die Fertigung militärischer Ausrüstung wie Drohnen oder schwere Militär-Lastwagen umgestellt werden. Das würde dem Standort genau die Auslastung bringen, die VW dringend braucht.
Allerdings wäre das für VW ein echter Stilbruch: Der Konzern war einst tief in Hitlers Rüstungsindustrie eingebunden. 1937 gegründet, um den zivilen Personenkraftwagen „Kraft durch Freude“ (KdF) zu bauen, banden die Nazis VW ab 1940 so eng in die Rüstungsproduktion ein wie nur wenige andere Konzerne. Nach dem Krieg wollte Volkswagen mit alldem nichts mehr zu tun haben. Wagt es Blume nun, die Büchse der Pandora wieder zu öffnen?
An der Börse käme das womöglich gut an: Ein Werk, das nicht mehr nur vom E-Auto abhängt, sondern von einem Bereich profitiert, der in Europa politisch und wirtschaftlich gerade enorme Mittel anzieht, samt der Zukunftstechnologie Drohnen – das würde manchen Investoren schmecken.
Zwickau bekommt eine neue Rolle
Auch Zwickau könnte laut dem Bericht deutlich besser dastehen als befürchtet. So sollen laut den Plänen offenbar Modelle, die VW bislang exklusiv für den chinesischen Markt produziert, künftig in Sachsen vom Band laufen. Damit könnte der Standort zudem vom wachsenden E-Auto-Knowhow in China lernen, wo VW zusammen mit Partnern allein in diesem Jahr 20 neue Modelle auf den Markt bringt, von denen deutsche Autokäufer noch nie gehört haben. Allen voran der ID.Era 5 S, der in China umgerechnet nur 12.000 Euro kostet.
VW bekäme so eine Werksstruktur, die sich schneller an veränderte Nachfrage anpassen kann. Wenn Zwickau tatsächlich wieder stärker in das globale Produktionsnetz eingebunden wird, wäre das für den Konzern auch ein operativer Hebel.
Es geht um die Existenz
Blume wird diese Woch auch noch in Emden und Zwickau bei Betriebsversammlungen auftreten. Wird er dort konkreter? Oder traut er sich nicht, von den Plänen zu berichten, um sie nicht zu gefährden?
Die Zeit drängt. Der VW-Vorstand spricht selbst von der „größten Transformation der Unternehmensgeschichte“ und davon, dass die aktuelle Rendite von 3,8 Prozent nicht ausreiche, „um unsere Zukunft aus eigener Kraft zu finanzieren“. Noch schreibt VW Gewinne, aber die sinken schnell. Es geht tatsächlich jetzt schon um die Existenz.
Was das für die Aktie bedeutet
Für die Aktie wäre eine Lösung au der Zwickmühle positiv. Sobald VW aufzeigen kann, das man die Sorgenkinder-Werke wieder profitabel betreiben kann, würde die Börse das honorieren.
Wenn Emden und Zwickau tatsächlich eine Zukunft bekommen, wäre das noch nicht die komplette Lösung für VW. Aber es wäre ein erster glaubwürdiger Schritt sein, um den Dauerstreit um den Sparkurs zu entschärfen.
Blume muss jetzt konkret werden – sonst geht es bald auch um seinen Job.
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Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Autor und der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, sind unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Volkswagen Vz..