Der Goldpreis hat 2026 bereits eine außergewöhnliche Berg- und Talfahrt hinter sich. Eine besonders optimistische Prognose stammt von Aakash Doshi, Head of Gold Strategy bei State Street Investment Management. 

Seine Argumentation stützt sich weniger auf kurzfristige Kursbewegungen als auf strukturelle Veränderungen an den Finanzmärkten. Vor allem hohe Staatsschulden, die wachsende Bedeutung fiskalischer Risiken und eine mögliche stärkere Gewichtung von Gold in Anlegerportfolios könnten den Goldpreis seiner Einschätzung nach langfristig in bislang kaum vorstellbare Regionen treiben.

Goldpreis von 5.000 Dollar wieder realistisch

Für Doshi ist vor allem bemerkenswert, dass die Marke von 4.000 Dollar während der vorherigen Korrektur gehalten hat und anschließend eine deutliche Erholung einsetzte. Das bestärkt ihn in seiner Einschätzung, dass der übergeordnete Aufwärtstrend intakt ist.

State Street erwartet bis zum Beginn des kommenden Winters eine Goldpreisspanne von 4.750 bis 5.500 Dollar. Innerhalb dieses Korridors betrachtet Doshi etwa 5.000 bis 5.250 Dollar als realistisches Ziel. Eine weniger restriktive Geldpolitik der US-Notenbank oder ein neuer makroökonomischer Schock könnte die Marke von 5.000 Dollar sogar bereits im vierten Quartal wieder ins Spiel bringen.

Unterstützung kommt zudem von westlichen ETF-Anlegern, deren Nachfrage zuletzt wieder deutlich anzog. Während der vorherigen Schwächephase hatten dagegen chinesische Investoren wesentlich dazu beigetragen, den Goldpreis im Bereich von 4.000 Dollar zu stabilisieren. Gleichzeitig blieben Schwellenländer-Notenbanken im zweiten Quartal aktive Käufer, während chinesische Privatanleger vor dem Sommer Rekordmengen Gold erwarben.

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Gold (ISIN: XC0009655157)

Staatsschulden verändern die Regeln am Goldmarkt

Den wichtigsten langfristigen Treiber sieht Doshi jedoch in der Entwicklung der Staatsfinanzen. Die US-Staatsverschuldung hat die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten. Das Problem beschränkt sich seiner Einschätzung nach aber keineswegs auf die USA. Auch Europa, Großbritannien und Japan kämpfen mit hohen Defiziten und steigenden langfristigen Finanzierungskosten.

Besonders interessant ist, wie Doshi die Entwicklung der Anleiherenditen interpretiert. Normalerweise gelten steigende Realrenditen als Belastung für Gold, weil das Edelmetall keine laufenden Erträge abwirft. Entscheidend sei jedoch der Grund für den Renditeanstieg. Steigen die Renditen aufgrund eines kräftigen Wirtschaftswachstums und besserer Ertragsaussichten der Unternehmen, erhöht dies tatsächlich die Konkurrenz für Gold.

Anders sieht es aus, wenn Anleger höhere Renditen verlangen, um für Inflationsrisiken, wachsende Staatsschulden und Zweifel an der Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen entschädigt zu werden. Dann könnten steigende Renditen sogar die Nachfrage nach Gold fördern. Der Schutz vor Kaufkraftverlust und möglichen Folgen einer Monetarisierung von Staatsschulden rückt in diesem Szenario stärker in den Vordergrund.

Wie Gold auf 10.000 Dollar steigen könnte

Vor diesem Hintergrund hält Doshi langfristig sogar die Marke von 10.000 Dollar für erreichbar. Dafür wäre nach seiner Rechnung nicht einmal eine extreme Umschichtung der weltweiten Anlegervermögen erforderlich. Goldfonds machen derzeit weniger als ein Prozent des globalen Vermögens in ETFs und Investmentfonds aus. Würde Gold langfristig auf eine strategische Portfolioquote von etwa drei Prozent kommen, könnte die dadurch entstehende zusätzliche Investmentnachfrage nach seiner Einschätzung ausreichen, um den Goldpreis in Richtung 10.000 Dollar zu treiben.

Fazit: Eine geradlinige Mega-Rally erwartet Doshi allerdings nicht. Zwischenzeitliche Korrekturen bleiben wahrscheinlich. Seine 10.000-Dollar-Marke ist deshalb keine Prognose für einen bestimmten Zeitpunkt, sondern ein langfristiges Szenario. Entscheidend dafür bleibt, ob hohe Staatsschulden, fiskalische Risiken und eine breitere Investmentnachfrage die strukturelle Unterstützung für Gold weiter verstärken.

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