Während manche Marktbeobachter bei Silber bereits das Ende des langfristigen Aufwärtstrends ausrufen, hält der unabhängige Marktanalyst und Gründer des „The Bubble Bubble Report“, Jesse Colombo, diese Einschätzung für falsch. 

Der Silberpreis hat in diesem Jahr eine heftige Korrektur erlebt. Vom Jahreshoch ging es um über 50 Prozent nach unten. Angesichts der traditionell hohen Schwankungsbreite des Edelmetalls überrascht es daher kaum, dass die Stimmung unter vielen Anlegern deutlich gelitten hat. Ungeachtet dessen geht Colombo davon aus, dass sich der Silberpreis trotz des kräftigen Rückschlags weiterhin in einem langfristigen Bullenmarkt befindet.

Langfristiger Silber-Bullenmarkt laut Jesse Colombo intakt

Colombo begründet seine Einschätzung vor allem mit der langfristigen Charttechnik. Nach seiner Analyse markierte der Ausbruch des Silberpreises über die jahrzehntelang bedeutende Widerstandszone um 50 Dollar einen historischen Wendepunkt. Dieser Ausbruch habe ein außergewöhnlich großes charttechnisches Muster namens „Cup-and-Handle“ vollendet, das sich über mehrere Jahrzehnte entwickelt habe. Solche Formationen gingen in der Vergangenheit häufig lang anhaltenden Aufwärtsbewegungen voraus. Die jüngste Korrektur wertet Colombo deshalb nicht als Trendbruch, sondern als normale Gegenbewegung innerhalb eines übergeordneten Aufwärtstrends.

Ein weiteres Argument liefert für ihn das typische Verhalten früherer Edelmetall-Haussephasen. Auch in vergangenen Bullenmärkten kam es regelmäßig zu kräftigen Rücksetzern, ohne dass dadurch der langfristige Trend beendet wurde. Gerade Silber gilt als eines der volatilsten Edelmetalle. Schwankungen von mehreren Dutzend Prozent innerhalb weniger Monate seien deshalb historisch keineswegs ungewöhnlich. Colombo sieht die aktuelle Entwicklung eher als Bereinigung einer zuvor sehr dynamischen Rally und keineswegs als Beginn eines nachhaltigen Bärenmarktes.

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Silber (ISIN: AF0000SILVER)

Diese Faktoren sprechen aus seiner Sicht für Silber

Neben charttechnischen Überlegungen verweist Colombo auf mehrere fundamentale Argumente. So sieht er den langfristigen Edelmetallzyklus weiterhin in einem frühen Stadium. Unterstützt werde dieser unter anderem durch hohe Staatsverschuldung, eine langfristig wachsende Geldmenge sowie anhaltende geopolitische Unsicherheiten. In einem solchen Umfeld könnten Sachwerte wie Gold und Silber nach seiner Einschätzung weiter profitieren.

Hinzu kommt die besondere Rolle von Silber. Anders als Gold wird das Edelmetall nicht nur als Wertspeicher genutzt, sondern auch in zahlreichen Zukunftsbranchen eingesetzt. Dazu zählen unter anderem Photovoltaik, Elektronik, Elektromobilität und weitere Hightech-Anwendungen. Colombo sieht darin einen zusätzlichen Nachfragefaktor, der den Silbermarkt langfristig unterstützen könnte. Gleichzeitig bleibt das Angebot vergleichsweise begrenzt und ist seit Jahren durch Defizite gekennzeichnet, was bei einer wieder anziehenden Investmentnachfrage zu stärkeren Kursbewegungen führen könnte.

Ein weiterer Punkt ist das Anlegerverhalten. Nach starken Korrekturen dominierten häufig Skepsis und Zurückhaltung. Colombo interpretiert das schwache Marktsentiment nicht zwangsläufig als Warnsignal, sondern vielmehr als typisches Merkmal früher Phasen eines langfristigen Bullenmarktes. Aus seiner Sicht entstehen größere Aufwärtsbewegungen häufig gerade dann, wenn viele Investoren dem Markt noch misstrauen.

Hohe Chancen gehen mit hohen Risiken einher

Ob sich Colombos optimistisches Szenario – er nennt für Silber Kursziele von 300 bis 500 Dollar – letztlich bewahrheitet, bleibt offen. Fest steht jedoch, dass Silber aufgrund seiner hohen Volatilität deutlich stärkeren Schwankungen unterliegt als Gold. Das eröffnet zwar überdurchschnittliche Gewinnchancen, erhöht gleichzeitig aber auch das Verlustrisiko erheblich. Für Privatanleger bedeutet das: Wer in Silber investiert, sollte ausreichend Kursschwankungen aushalten können und einen langfristigen Anlagehorizont mitbringen. Die kommenden Monate dürften zeigen, ob der jüngste Rückschlag tatsächlich nur eine Zwischenkorrektur innerhalb eines langfristigen Aufwärtstrends war oder ob sich die Konsolidierung noch weiter fortsetzt.

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