Das Unternehmen profitiert vor allem vom hohen Strombedarf der KI-Rechenzentren. Nach der Prognoseerhöhung und einem erfolgreichen Kapitalmarkttag hat die Aktie weiteres Potenzial.
Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 07. Oktober in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 42/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.
Es klingt kurios und doch ist es Alltag. Ein Rechenzentrum für KI verbraucht so viel Strom wie eine Kleinstadt. Die Betreiber wollen bauen und das sofort. Doch der Netzanschluss dauert oft Jahre. Zeit, die niemand hat. Also holen sie sich den Strom selbst. Direkt neben den Servern, in Containern, rund um die Uhr. Dort liegt eine der größten Chancen im Rechenzentrumsgeschäft. Gefragt sind nicht nur Chips und Software. Gefragt ist Energie, die schnell verfügbar ist. Wer sie liefern kann, hat volle Auftragsbücher. Die Lage ist paradox.
Die Technologiekonzerne haben das Geld, sie haben die Flächen, die Kunden und die Chips. Was fehlt, ist Leistung am Netz. In den USA stehen Projekte still, weil Strom nicht rechtzeitig kommt. Auch Europa investiert inzwischen in Rechenzentren, wenn auch mit Verzögerung. Damit entsteht ein zweiter Wachstumsmarkt, der gerade erst beginnt.
Neuer Profiteur
Davon profitiert 2G Energy. Das Unternehmen aus Heek in Nordrhein-Westfalen baut seit 1995 dezentrale Kraftwerke. Lange war es ein Spezialist für Blockheizkraftwerke. Heute mischt der Konzern im Zukunftsmarkt mit. Am 23. September meldete 2G den nächsten Coup. Der US-Konzern Energy Vault bestellt Stromerzeugungsanlagen mit einer Leistung von 275 Megawatt. Sie sollen KI-Rechenzentren in den USA versorgen, auch für große Cloud-Anbieter, die sogenannten Hyperscaler. Einen Auftragswert nennt 2G nicht.
Doch als Faustformel gilt: Ein Megawatt bringt rund eine Million Euro Umsatz. Wie wir hören, sollen zehn bis 20 Prozent als Anzahlung bereits eingegangen sein. Hinzu kommen langfristige Serviceverträge. Das sichert Erlöse über Jahre. Die Dimension ist enorm. Allein dieser Auftrag übertrifft nach Firmenangaben die gesamte Produktion des Jahres 2025. Die Anleger reagierten prompt. Die Aktie sprang nach oben und notierte zeitweise bei knapp 65 Euro. 2G koppelt Gasmotoren in Containern zu Kraftwerken. Ein Block mit 250 Megawatt besteht etwa aus 100 Einheiten zu je 2,5 Megawatt. Fällt eine aus, laufen die anderen weiter.
Wächst der Bedarf, kommen neue Container dazu. Gegenüber Dieselaggregaten sind die Emissionen geringer. Gegenüber Gasturbinen verlieren die Motoren bei Hitze weniger Leistung und brauchen weniger Wasser. Auch bei den Kosten liegen sie vorn. Laut Bloomberg kostet die Megawattstunde rund 103 US-Dollar. Bei Brennstoffzellen sind es etwa 140 Dollar.
Mehr als ein Standbein
Rechenzentren sind nicht alles. 2G steht auf mehreren Säulen. Deutschland und die EU wollen wasserstofffähige Reservekraftwerke bauen. Die Ausschreibungen starten im Herbst. Mehr als 40 wasserstofffähige Anlagen laufen schon im Feld. Das ist ein klarer Vorsprung. Auch bei Großwärmepumpen geht es voran. Der Auftragseingang lag im ersten Jahr bei rund zwölf Millionen Euro. Er soll sich in zwei bis drei Jahren mehr als verdoppeln. Dazu kommen erste Aufträge im Bergbau, zum Beispiel in Australien. Und der Service bringt mehr als 40 Prozent des Umsatzes. Er sorgt für stabile Erträge, wenn die Projekte schwanken. Die Basis ist breit. Weltweit stehen mehr als 10.000 Anlagen von 2G in über 60 Ländern. Zusammen kommen sie auf rund zwei Gigawatt Leistung.
Dazu kommt ein Skaleneffekt. Mit jedem Auftrag wächst die Erfahrung in der Serienfertigung. Die Container werden im Werk in Heek vormontiert und getestet. Das senkt Kosten und beschleunigt die Lieferung. Beides sind Argumente, die bei Hyperscalern zählen. Der Auftragseingang ist stark: Nach neun Monaten liegt dieser bei mehr als 880 Millionen Euro. Die Kapazitäten sind bis Mitte 2028 ausgelastet.
Allein im ersten Halbjahr buchte 2G Erstaufträge über rund 350 Millionen Dollar für Rechenzentren. Weitere sollen folgen. Um den Hochlauf bis 2028 physisch zu stemmen, baut der Konzern die Produktionskapazitäten aus. Der Bau einer neuen Montagehalle ist beschlossen. Sie soll bereits Ende 2027 in Betrieb gehen und den Serienhochlauf für die US-Container absichern. Der Umsatz soll anziehen: Der Vorstand erhöhte Ende September die Prognose für 2027 auf 600 bis 650 Millionen. Bisher waren 570 bis 620 Millionen Euro geplant. Im Jahr 2028 sollen es zwischen 750 und 850 Millionen Euro sein und die operative Marge mehr als elf Prozent betragen. Heute sind es noch knapp zehn Prozent. Ein weiterer Pluspunkt: Die Kunden zahlen im Voraus. Im ersten Halbjahr flossen 204 Millionen Euro an Anzahlungen. Der operative Cashflow drehte auf plus 39,5 Millionen Euro.
Dennoch war das erste Halbjahr schwach. Der Umsatz sank um 20 Prozent, die Marge lag bei mageren 0,6 Prozent. Das wurde jedoch erwartet. Auch die Abhängigkeit wächst. Ein Großteil des Wachstums hängt an wenigen US-Projekten. Genehmigungen, Netzanschlüsse oder Finanzierungen können sich verzögern. Dazu kommen starke Konkurrenten wie Caterpillar, Cummins oder Rolls-Royce. Nun muss das Unternehmen in der zweiten Jahreshälfte liefern.
Der Aktienkurs spiegelt die momentan leichte Unsicherheit wider. In den vergangenen drei Monaten gab er gut elf Prozent ab. Binnen zwölf Monaten hat sich der Kurs allerdings fast verdoppelt. Wichtig bleibt die Umsetzung und Abarbeitung der Aufträge. Jeder Container muss pünktlich im Werk fertig werden und beim Kunden laufen. Gelingt das, wächst das Vertrauen der Investoren. Patzer dagegen würden an der Börse hart bestraft. Das zeigt der Kursverlauf der vergangenen Monate deutlich. Das Rechenzentrumsgeschäft ist kein kurzer Hype. Der Strombedarf für künstliche Intelligenz wächst Jahr für Jahr. Wer schnell und flexibel liefert, hat gute Chancen, auch künftig vorn zu liegen. Auch am Kapitalmarkttag vergangene Woche wusste 2G Kapitalmarktexperten zu überzeugen, bestätigte noch einmal die Prognose und gab einen starken Ausblick.
Fazit
Gelingt es, die Erfolge in den USA auszubauen und dort künftig weitere Aufträge an Land zu ziehen, wäre das ein starker Hebel. Gelingt es anschließend, den US-Erfolg in Europa zu wiederholen, würde dies die Fantasie noch einmal befeuern. Die Aktie ist allerdings nichts für schwache Nerven. Der Kurs schwankt kräftig. Anleger sollten den Stoppkurs beachten.