Nachdem der deutsche Leitindex am Donnerstag zusammen mit den US-Börsen in die Knie gegangen war, stehen die Zeichen am Freitag auf Erholung. Das hat vor allem lokale Gründe.
Beim DAX ist nach einer viertägigen Verlustserie heute eine Stabilisierung in Sicht. Eine Stunde vor Handelsbeginn deutet die DAX-Indikation der Deutschen Börse auf einen Start über 26.000 Punkten hin, das wäre ein Plus von 0,1 Prozent. Am Vortag hatte der DAX die 21-Tage-Linie knapp halten können, womit aus technischer Sicht der kurzfristige Trend intakt bleibt. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 wird am Freitag ebenfalls stabilisiert mit plus 0,2 Prozent erwartet.
Die internationalen Börsen geben dem DAX keine klaren Impulse. Mit dem japanischen Nikkei 225 und dem südkoreanischen Kospi entwickelten sich die wichtigsten technologielastigen Indizes in Asien in unterschiedliche Richtungen. In den USA hatte am Vortag vor allem der Leitindex Dow Jones Industrial um 700 Punkte klar nachgegeben. Der technologielastige Nasdaq 100 konnte dagegen nach dem europäischen Handelsende sein Kursniveau in etwa halten.
Analyst Frank Sohlleder vom Broker ActivTrades stellt einen „geordneten Rückzug“ der Anleger fest, denen die zunehmende Volatilität am Anleihemarkt zu schaffen mache. Ankündigungen von US-Finanzminister Scott Bessent vom Mittwoch, die Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen auf 4 Milliarden Dollar pro Auktion zu verdoppeln, waren nach einem ersten Kursfeuerwerk am Donnerstag verpufft.
Damit rücke nun eine mit Spannung erwartete Auktion von 30-jährigen US-Staatsanleihen Anfang kommender Woche in den Fokus, so Sohlleder: „Bleibt die erhoffte Nachfrage der Investoren aus, dürfte dies den Stress im Bondmarkt weiter verschärfen und den Druck auf den DAX gnadenlos erhöhen“, befürchtet der Experte.
Aktien Deutschland
Fresenius SE: Der Gesundheitskonzern reduziert seinen Anteil an dem Dialyseunternehmen Fresenius Medical Care weiter. Fresenius kündigte am Donnerstagabend an, 7,8 Millionen Aktien im Wert von rund 300 Millionen Euro an ausgewählte institutionelle Investoren zu verkaufen. Das entspricht rund 2,9 Prozent des Grundkapitals an FMC. Zuletzt hielt Fresenius noch etwa 25 Prozent an der früheren Tochter. Der erwartete Buchgewinn im niedrigen bis mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich soll in den Ergebnissen des Fresenius-Konzerns für das dritte Quartal 2026 berücksichtigt werden. Für die verbleibenden Anteile gelte eine Sperre von bis zu 45 Tagen, hieß es.
Nordex: Barclays hat das Kursziel für Nordex von bisher 15,80 auf 35 Euro angehoben. Damit vollzieht die Bank allerdings nur den Kursanstieg seit 2025 nach: Die Nordex-Aktie notiert bei 38,75 Euro und stand im Mai schon einmal bei 51 Euro. Folgerichtig lautet das Votum von Barclays „Equal Weight“.
Tonies: Nach den gestrigen Halbjahreszahlen hat die Berenberg Bank ihr Kursziel für den Spielzeughersteller Tonies von 19 auf 20 Euro angehoben.
DSM Firmenich: Der BÖRSE ONLINE-Tipp (nachzulesen in Heftausgabe, 28/2026) zieht in China vor Gericht. DSM hat dort eine Patentverletzungsklage gegen mehrere chinesische Unternehmen und eine Forschungseinrichtung eingereicht. Es geht um die unerlaubte Nutzung eines Patents zur Herstellung von Sclareol, einem Ausgangsstoff für die Produktion von Amber-Duftstoffen. DSM Firmenich fordert, dass die Beklagten die Nutzung der patentierten Technologie einstellen und Schadensersatz leisten.
Die gefragtesten DAX-Aktien im frühen Handel auf Lang & Schwarz sind Siemens Energy (+1,1 Prozent), Infineon (+0,8 Prozent) und die Allianz (+0,8 Prozent). Am DAX-Ende stehen nach dem Anteilsverkauf der Mutter die Papiere von Fresenius Medical Care mit einem Minus von 0,5 Prozent. Auch Scout24 verliert, nachdem bekannt wurde, dass das Unternehmen zum 31. August zusammen mit CTS Eventim den MSCI World Index verlassen muss.
Aktien international
Moderna: Der steile Kursanstieg bei Moderna hat auch Folgen für die KI- und Chipaktien, erklärt das US-Finanzmagazin Barron's. Mehr dazu hier.
Samsung: Der Elektronikriese Samsung Electronics will Insidern zufolge umgerechnet viele Milliarden Euro an seine Anteilseigner ausschütten. Der weltgrößte Hersteller von Speicherchips halte am Freitag eine Vorstandssitzung ab, um eine Kapitalrückführung an seine Aktionäre von 90 bis 110 Billionen Won (rund 55 bis 68 Milliarden Euro) zu beschließen, schrieb die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Ein Sprecher von Samsung wollte sich laut Bloomberg nicht äußern. Die Samsung-Aktie stieg am Freitag im Handel in Seoul zuletzt um rund vier Prozent, die Papiere von SK Hynix gewannen drei Prozent. Im August hatte bereits der koreanische Wettbewerber SK Hynix Aktienrückkäufe im Volumen von 40 Billionen Won angekündigt.
Walmart: RBC hat das Kursziel für Walmart nach dem heftigen Kursrutsch vom Donnerstag auf 131 Dollar gesenkt, von zuvor 137 Dollar. Das Votum lautet weiterhin „Outperform“, denn die Walmart-Aktie notierte gestern Abend nur bei knapp 104 Dollar.
Tesla: Der Konzern von Elon Musk will seinen um Jahre verzögerten Elektro-Sattelschlepper auch in Europa auf den Markt bringen. Details zur Einführung des Tesla Semi sowie technische Daten soll es auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover geben, wie Tesla auf der Plattform X ankündigte. Die Messe läuft in diesem Jahr vom 15. bis 20. September, zuvor gibt es am 14. September einen Pressetag.
Enthält Material von dpa-AFX