Der KI-Platzhirsch Nvidia muss heute Abend nicht nur liefern, sondern überliefern. Der Chipkonzern ist zum Prüfstein für den gesamten KI-Boom geworden - und genau deshalb hängen die Erwartungen so absurd hoch.

Der Satz im heutigen Newsletter der US-Börsensenders CNBC bringt die Ausgangslage ziemlich gut auf den Punkt: Nvidia trage „das Gewicht der gesamten KI-Welt auf seinen Schultern“, schreibt Leonie Kidd. Das ist bei weitem keine Übertreibung. Wenn der KI-Primus heute nach US-Börsenschluss seien Zahlen meldet, geht es längst nicht mehr nur um einen einzelnen Quartalsbericht, sondern um das Sentiment für die gesamte Branche.

Die Latte liegt dabei hoch wie selten. Der Markt für das zweite Quartal Erlöse von mehr als 92 Milliarden US-Dollar. Für das darauffolgende dritte Quartal haben die Analysten sogar schon 103,7 Milliarden US-Dollar Umsatz auf dem Zettel. Außerdem wird ein Gewinn je Aktie von 2,09 Dollar erwartet nach 1,89 Dollar im Quartal zuvor. 

Wann ist es eine Überraschung?

Nvidia hat in den vergangenen Quartalen regelmäßig geliefert oder die Erwartungen sogar übertroffen. Trotzdem wurde der Titel am Tag danach oft verkauft. Der Markt hat also längst ein klassisches Erwartungsproblem: Nicht die Zahlen allein zählen, sondern die Frage, ob sie noch überraschend genug sind, um die bereits eingepreiste Perfektion zu toppen.

Nvidia ist nicht mehr nur ein Halbleiterwert, sondern die Messlatte für die gesamte KI-Story. Wer hier in diesem Hype nur „solide“ liefert, kann am Markt enttäuschen.


Abhängig von den Hyperscalern

Besonders aufmerksam schauen Anleger auf die Abhängigkeit von den sogenannten Hyperscalern. Nvidia seine berichtet die Umsätze mit diesen Großkunden mittlerweile separat in einem Segment namens „Hyperscale“. Gemeint sind vor allem Geschäfte mit Amazon, Google und Microsoft.

Es ist ein Milliardengeschäft – und zugleich die Achillesferse. Denn sobald die großen Cloud-Anbieter ihre Investitionspläne verändern, spürt Nvidia das sofort. Deshalb wird der heutige Bericht auch als Stresstest für die Breite der KI-Nachfrage gelesen – nicht nur für die Stärke von Nvidias eigenen Produkten.

Nvidia (WKN: 918422)

Die Aktie selbst ist unter Druck

Auch charttechnisch ist die Lage angespannt. Die Nvidia-Aktie fiel am Montag um 2,9 Prozent, nachdem bekannt wurde, dass er Konzern seine Preise zum Jahreswechsel um satte 15 Prozent anheben will. Zuvor war der Kurs bereits fünf Tag ein Folge gefallen, die längste Verlustserie seit 2022. Dienstag ging es dann wieder etwas nach oben. Das zeigt, wie nervös der Markt ist.

Fazit: Mehr als nur Zahlen

Heute Abend entscheidet sich nicht, ob Nvidia ein gutes Unternehmen bleibt. Das ist längst geklärt. Entscheidend ist, ob der Konzern die überzogenen Erwartungen so weit übertrifft, dass der Markt wieder Vertrauen in den gesamten KI-Trade fasst.

Ein starkes Quartal könnte nicht nur der Aktie Luft verschaffen, sondern die gesamte KI-Rally neu beleben. Ein Bericht unter den maximalen Erwartungen dürfte dagegen sofort als Warnsignal für den ganzen Sektor verstanden werden.


BÖRSE ONLINE begleitet die Veröffentlichung heute Abend ab 21:55 Uhr live auf YouTube.

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Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Nvidia.