Großer Schnitt in Erlangen: Siemens Healthineers trennt sich nicht nur vom Namen der Muttergesellschaft Siemens, sondern plant auch die Ausgliederung der margenschwachen Diagnostiksparte. Nach einem überraschend starken Jahresendspurt könnte der doppelte Befreiungsschlag neues Kurspotenzial freisetzen.
Umbau bei Siemens Healthineers: Der Medizintechnikkonzern streicht das traditionsreiche „Siemens“ schrittweise aus dem Namen und tritt künftig schlicht als Healthineers auf. Was nach reinem Markenfeinschliff klingt, ist das Signal für den tiefsten Umbau seit dem Börsengang 2018.
Auslöser der Neufirmierung ist die geplante Entkonsolidierung von der Konzernmutter Siemens im kommenden Frühjahr: Der Münchner Industriekonzern will seinen Anteil von derzeit rund 67 Prozent um 30 Prozentpunkte senken und die Aktien an die eigenen Anteilseigner weiterreichen. Damit sinkt der Siemens-Anteil auf zunächst 37 Prozent.
Über die Maßnahme müssen die Hauptversammlungen beider Unternehmen noch abstimmen. Geben die Aktionäre der Umbenennung ihre Zustimmung, beginnt im Frühjahr eine dreijährige Übergangsphase für den Markenwechsel. Umsonst ist der Abschied dabei nicht: Healthineers zahlt in der dreijährigen Übergangsphase jährlich 100 Millionen Euro Markengebühren nach München – zuvor war die Namensnutzung kostenlos. Vorstandschef Bernd Montag betont, der Alleingang schärfe das Profil als Medizintechnikspezialist. „Healthineers beschreibt, wer wir sind – Ingenieure und Pioniere im Gesundheitswesen.“
Abschied von der Labordiagnostik
Noch entscheidender für die operative Zukunft dürfte die geplante Trennung vom Geschäft mit Labordiagnostik sein. Healthineers trennt sich von der Sparte für Großlabore, die automatisierte Testgeräte für Blut- und Gewebeproben liefert. Einst unter Ex-Siemens-Chef Peter Löscher für elf Milliarden Euro teuer zusammengekauft, brachte das Geschäft nie die erhoffte Rendite. Mit dem hochprofitablen Kerngeschäft der Bildgebung (MRT, CT) oder dem Krebsspezialisten Varian gab es schlichtweg kaum Synergien.
Bis Mitte 2028 soll die Sparte, die für 17 Prozent des Konzernumsatzes und ein Fünftel der Belegschaft steht, ausgegliedert werden. Unter dem eigenen Namen „Olyrian Diagnostics“ wird das Geschäft auch nach außen hin klar verselbstständigt.
Rückenwind für den Umbau liefert das operative Geschäft. Zwar bremste eine Kaufzurückhaltung in China das Gesamtjahr aus, doch das vierte Quartal zeigte eine deutliche Aufwärtstendenz. Das vergleichbare Umsatzwachstum zog im Schlussquartal um 5,9 Prozent auf knapp 6,8 Milliarden Euro deutlich an. Bemerkenswert: In China gelang mit einem Plus von 4,3 Prozent die Rückkehr auf den Wachstumspfad.
Im gesamten Geschäftsjahr 2025/26 kletterte der Umsatz vergleichbar um 4,0 Prozent auf 23,6 Milliarden Euro und landete punktgenau im Zielkorridor. Das bereinigte Ebit lag mit 3,8 Milliarden Euro solide auf Vorjahresniveau.
Fokus aus margenstarke Wachstumsfelder
Für Anleger könnten die Weichenstellungen einen doppelten Befreiungsschlag markieren: Mit dem schrumpfenden Siemens-Anteil und dem Rückzug aus dem kriselnden Diagnostikgeschäft kann sich Healthineers auf ertragsstarke Kernfelder wie Bildgebung und Onkologie fokussieren.
BÖRSE ONLINE hat Siemens Healthineers bereits im September im „Thema der Woche“ zu deutschen Medizintechnikunternehmen zum Kauf empfohlen. Die weiteren deutschen Medizintechnikspezialisten, denen die Redaktion Kurspotenzial zutraut, finden Sie in Ausgabe 38 von BÖRSE ONLINE.
Häufig gestellte Fragen
Warum streicht Siemens Healthineers den Namen „Siemens“ aus dem Unternehmensamen?
Auslöser ist die geplante Entkonsolidierung im kommenden Frühjahr: Die Siemens AG senkt ihre Beteiligung von rund 67 auf zunächst 37 Prozent und gibt damit die Mehrheit ab.
Was geschieht mit der Sparte für Labordiagnostik?
Das margenschwache Geschäft mit Systemen für Blut- und Gewebetests wird bis Mitte 2028 unter der neuen Marke „Olyrian Diagnostics“ vollständig ausgegliedert. Als wahrscheinlichste Option gilt anschließend ein Verkauf der Sparte an einen Finanzinvestor.
Was bedeutet der Umbau für die Aktie von Siemens Healthineers?
Der Rückzug aus der Labordiagnostik könnte die Profitabilität verbessern und den Fokus auf Bildgebung und Krebstherapie stärken.