Unicredit erhöht nach dem Auslaufen der Übernahmeofferte den Druck auf die Commerzbank. Nun steht für Commerzbank-Aktionäre sogar die Dividende auf dem Spiel. Auch ein Umbau des Aufsichtsrats – und damit des Managements – rückt näher.

Nach dem Ablauf der Tauschofferte am 3. Juli tritt der Übernahmekampf um die Commerzbank in die nächste Phase – und die dürfte für das Frankfurter Bankhaus noch unangenehmer werden. Noch hat Unicredit keine endgültigen Zahlen gemeldet, doch Beobachter gehen davon aus, dass die Italiener nun zwischen 42 und 45 Prozent an der deutschen Bank halten. Das ist bereits genug, um grundlegend in den Kurs der Frankfurter eingreifen zu können.

Fällt die Dividende sogar ganz aus?

Gegenüber Investoren machen die Mailänder bereits klar, was das für Commerzbank-Aktionäre bedeuten könnte: Die bisher von Bankchefin Bettina Orlopp geplante Ausschüttungsquote von 100 Prozent des Gewinns dürfte nicht zu halten sein.

Ein Sprecher von Unicredit sagte dazu der „Börsen-Zeitung“, Restrukturierungskosten, IT-Investitionen und anstehende Sanierungen würden „die Ausschüttungsquote des deutschen Instituts von derzeit 100 Prozent wohl drücken." Berichten zufolge hat Unicredit-Chef Andrea Orcel bei einem Panel-Auftritt auf einer Investorenkonferenz der Mediobanca in London sogar den kompletten Ausfall der Dividende in Aussicht gestellt. 

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Aufsichtsrat austauschen

Nach Ansicht von Analysten kontrolliert Unicredit jetzt schon de facto die Commerzbank. Dazu reicht die Mehrheit unter den anwesenden Aktionären auf einer Hauptversammlung. Somit könnte Unicredit laut Mediobanca-Analysten theoretisch verlangen, künftig zehn der 20 Mitglieder des Commerzbank-Aufsichtsrates zu stellen, inklusive des Vorsitzes, und danach den neu zusammengesetzten Aufsichtsrat um Bankchefin Orlopp austauschen lassen.

Anschließend könnte Unicredit mit der Umsetzung seiner sogenannten „Unlocked"-Strategie beginnen. Diese sieht vor, Restrukturierungskosten, Sanierungsaufwendungen und IT-Investitionen mit den Minderheitsaktionären zu teilen. Das würde die Commerzbank-Dividende auf absehbare Zeit reduzieren. Für Aktionäre, die zuletzt eine Dividendenrendite von knapp drei Prozent auf Basis eines Aktienkurses von rund 40 Euro kassierten, wäre das eine einschneidende Änderung.

Wie reagiert Berlin?

Wie hoch Unicredits Beteiligung tatsächlich ist, wird voraussichtlich am 8. Juli feststehen. Nach Kenntnis der Mediobanca-Analysten soll sich der bisher eher aggressiv agierende Unicredit-Chef Orcel parallel dazu nun um eine Lösung mit der Bundesregierung bemühen. Es wäre eine Kehrtwende im Ton, wenn auch unter neuen Machtverhältnissen.

Der Bund hält rund zwölf Prozent der Commerzbank-Anteile und kann im Rahmen einer Verpflichtungserklärung zwei Sitze im Aufsichtsrat beanspruchen. Die Bundesregierung lehnt die Übernahme weiterhin ab – ebenso wie die Commerzbank-Führung und die Arbeitnehmervertreter. Die Bundesregierung befürchtet einen Job-Kahlschlag am Standort Frankfurt, wie er einst bei der HypoVereinsbank zu beobachten war, und negative Folgen für Mittelstandskunden.

Commerzbank (WKN: CBK100)

Macht es Sinn, die Commerzbank-Aktie noch zu halten?

Es klingt, als hätte Orcel alle Trümpfe in der Hand. Gleichwohl ist die Situation auch für ihn vertrackt. Teile seiner eigenen Investorenbasis fordern eine rasche Klärung. Andererseits müsste eine Übernahme erst von der Europäischen Zentralbank und den Kartellbehörden genehmigt werden. Dieser Prozess kann drei bis sechs Monate dauern. Erst danach dürfte Unicredit weitere Anteile erwerben.

Sollte Orcel sein Angebot erhöhen, um die Bundesregierung umzustimmen, müsste er diesen höheren Preis auch allen Anlegern zahlen, die ihre Aktien bereits im Rahmen der jüngsten Offerte angedient haben. Diese Pflicht gilt bis zu zwölf Monate nach Abschluss eines Angebots. Aber kann der Unicredit-Boss wirklich noch ein Jahr warten?

Ein einvernehmlicher Abschluss, wenn er denn kommt, wird seinen Preis haben. Je mehr Unicredit den Druck auf Dividende und Aufsichtsrat erhöht, desto teurer wird es. Wer das ähnlich sieht, sollte seine Commerzbank-Aktie doch noch eine Weile behalten. Das sehen offenbar noch mehr Investoren so: Nach Auslaufen der Offerte ist der Commerzbank-Kurs am Montag sogar etwas gestiegen.

Unicredit (WKN: A2DJV6)

Auf Übernahmen an deutschen Börsen setzen

Mit dem Index-Zertifikat "German M&A", zusammengestellt von der BÖRSE-ONLINE-Redaktion.

Weiterführende Links

Häufige Fragen zum Thema

Läuft die Übernahmeofferte für die Commerzbank noch?

Nein, das Angebot der Unicredit für die Commerzbank ist am 3. Juli 2026 offiziell ausgelaufen.

Wie hoch ist der Anteil der Unicredit an der Commerzbank jetzt?

Es wird erwartet, das Unicredit die neuen Zahlen am 8. Juli 2026 mitteilt. Schätzungen gehen davon aus, dass die Italiener jetzt 42 bis 45 Prozent der Aktien besitzen. Laut der letzten offiziellen Verlautbarung vom 22. Juni 2026 hatte Unicredit damals direkt und über Derivate schon Zugriff auf 39,3 Prozent der Commerzbank-Aktien.

Kann sich der Preis für die bereits eingereichten Aktien noch einmal ändern?

Ja. Wenn Unicredit die ursprüngliche Offerte innerhalb von zwölf Monaten nachbessert, müssen nach deutschem Recht auch die Aktionäre, die ihre Aktien schon angedient haben, nachträglich den höheren Preis erhalten.

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.