Wer Mode online bestellt, ist immer weniger auf ganz bestimmte Händler angewiesen. Für Zalando wird das zu einem strukturellen Problem
War ich einer der ersten Kunden überhaupt im Herbst 2008? Ich glaube, ja! Damals jedenfalls, kurz nachdem Zalando an den Start gegangen war und tatsächlich nur Schuhe im Sortiment hatte, habe ich mir dort zwei Paar Chelsea Boots bestellt. Zum einen, weil es 30 Prozent Eröffnungsrabatt gab. Und zum anderen, weil die Idee so herrlich neu war: Schuhe nach Hause bestellen, kostenlos geliefert, und was nicht passt, geht ebenso kostenlos zurück. Das fühlte sich damals fast revolutionär an.
Und heute? Kaufe ich lieber Sneakers, und das schon ewig nicht mehr bei Zalando. Nicht aus Ärger, sondern weil ich den Laden schlicht nicht mehr brauche. Die Marken, die ich inzwischen schätze, finde ich bei Zalando nicht und wenn doch, dann sind sie woanders vielleicht günstiger — der Wettbewerb ist hart. Und genau dort liegt für mich das Kernproblem des Unternehmens und der Aktie: Zalando war einmal erste Adresse, wenn man online nach Mode suchte. In Deutschland zumindest. Wer heute was Schickes will, checkt Google, Instagram, Tiktok oder nutzt zunehmend KI-Assistenten. Oder geht über Plattformen, die den vielleicht gehobeneren Ansprüchen entsprechen. Mr. Porter etwa oder End Clothing, um zwei zu nennen.
Die Lernkurve ist gewaltig. Erstens: Das Universum an Zwischenhändlern ist „beyond belief“. Und zweitens landet man oft sogar direkt beim Hersteller. Nicht umsonst sind viele Analysten zurückhaltend, was die Zalando-Aktie angeht und betonen ausdrücklich die Risiken, die KI-gestützte Einkaufsgewohnheiten für Plattformen wie Zalando bergen. Ein strukturelles Problem.
Und da ist noch was: Was den Laden groß gemacht hat, das bröckelt inzwischen. Den kostenlosen Versand gibt es inzwischen erst ab einem Mindestbestellwert von 24,90 Euro, sonst werden 4,90 Euro fällig — und das in allen Märkten. Die kostenlose Retoure ist zwar noch da, aber die Branche bewegt sich sichtbar in die andere Richtung; einzelne Händler verlangen längst Gebühren fürs Zurückschicken. Sollte Zalando irgendwann nachziehen, fiele ein zentrales Argument pro Zalando weg. Genau das, was mich damals überzeugt hat, wäre dann Geschichte.
Auch ein Blick in die Bücher überzeugt mich nicht. Die operative Marge ist mit rund fünf Prozent hauchdünn. Zum Vergleich: Zara-Mutter Inditex kommt auf rund 20 Prozent. Viel Puffer für Rückschläge bleibt da nicht. Bezeichnend: Der Umsatz kletterte 2025 um fast 17 Prozent auf gut zwölf Milliarden Euro, unterm Strich sank aber der Nettogewinn, also das was nach Zinsen, Steuern und allem übrig bleibt, von 251 auf 213 Millionen Euro. Und die Analysten? Sind sich alles andere als einig: Die Kursziele reichen von rund 20 bis über 50 Euro. Bei so einer Spanne weiß im Grunde niemand, wohin die Reise geht.
Fazit
Die Aktie ist zuletzt gut gelaufen, okay. Aber die Gründe, warum ich einst guter Kunde war, tragen heute immer weniger. Für mich ist die Aktie also kein Kauftipp.