Beim Bitcoin-Schürfen ist der Goldrausch vorbei, dafür explodiert die Nachfrage nach Rechenleistung für KI-Workloads. Der ehemalige Miner erfindet sich neu, und die Börse feiert.
Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 12. Mai in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 21/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.
KI-Infrastruktur statt Bitcoin: Beim australischen Unternehmen läuft der Umbau auf Hochtouren. Spätestens seit sich mit dem Bitcoin-Halving im Frühjahr 2024 die Belohnung für jeden neu geschürften Block halbierte, wurde das Schürfen angesichts des enormen Energie- und Hardwareaufwands und der Abhängigkeit vom launischen Bitcoin-Kurs unattraktiv.
Heiße Wette auf Rechenpower
Rechenzentren für künstliche Intelligenz dagegen vermieten Rechenleistung an Konzerne, die dafür langjährige Verträge zu festen Preisen unterschreiben. Für dieses planbare Geschäft belohnt der Kapitalmarkt KI-Infrastrukturanbieter mit deutlich höheren Bewertungsaufschlägen als Bitcoin-Miner. Die Ausgangslage ist für Iren günstig. Große Hallen, leistungsfähige Stromversorgung aus erneuerbaren Quellen, Glasfaseranbindung und Kühlsysteme sind an den nordamerikanischen Standorten bereits vorhanden, allerdings müssen die Prozessoren ausgetauscht werden. Dass der Schwenk gelingen kann, trauen Branchengiganten den Australiern zu: Ein Fünfjahresvertrag über 3,4 Milliarden US-Dollar mit Nvidia ließ den Nasdaq-Titel binnen einer Woche um 24 Prozent abheben. Nvidia sicherte sich zudem eine Option auf bis zu 30 Millionen Iren-Aktien zu je 70 Dollar. Bereits im November hatte Microsoft einen Deal über 9,7 Milliarden Dollar mit Iren unterzeichnet. Beide unterstreichen Irens Ambitionen im KI-Wettrüsten. Auf Sicht von zwölf Monaten beläuft sich das Kursplus in Dollar gerechnet auf 770 Prozent.
Der laufende Umbau, vor allem der Kauf von leistungsstarken Nvidia-GPUs, kostet allerdings erst einmal: Über 1,4 Milliarden Dollar investierte Iren im jüngsten Quartal. Wegen der Hardwareumstellung und sinkender Bitcoin-Erlöse schrumpfte der Umsatz auf 144,8 Millionen Dollar. Die Einnahmen aus dem KI-Geschäft verdoppelten sich zwar, fielen mit rund 33,6 Millionen Dollar aber noch überschaubar aus. Der Verlust summierte sich auf 248 Millionen Dollar. Ende April hatte Iren 2,6 Milliarden Dollar in der Kasse, doch im zweiten Halbjahr 2026 sollen weitere 3,5 Milliarden Dollar für Prozessoren, Server und Netzwerktechnik fließen. Finanzieren will Iren das über Vorauszahlungen, Wandelanleihen und Geräteleasing. Bis Ende 2026 will das Unternehmen auf 3,7 Milliarden Dollar Umsatz kommen, von denen bereits 3,1 Milliarden Dollar vertraglich gesichert sind. Derweil treibt Iren auch mit Übernahmen den Umbau voran. Mit dem Kauf des Cloud-Spezialisten Mirantis kann die Firma die passende Software für KI-Workloads liefern. Und mit der Übernahme des spanischen Rechenzentrumsspezialisten Nostrum soll der Sprung nach Europa gelingen. Analysten sind sich derweil uneins: Der Konsens liegt bei 73 Dollar, während Bernstein sogar ein Kursziel von 100 Dollar sieht. Goldman Sachs ist skeptisch und sieht bei einem Neutral-Rating lediglich 44 Dollar.
Fazit
Iren ist eine Wette auf den Erfolg eines ehrgeizigen Plans, die nur risikobereite Anleger eingehen sollten.