Das Wichtigste zum Robo-Advisor-Test
- Testsieger ist quirion mit 95,4 Punkten und der Note „Top“ – vor bevestor (95,1) und growney (94,5).
- Die drei Kategoriesiege gehen an andere Anbieter: Ginmon fährt beim Angebot die glatte 100 ein, raisin liegt bei den Konditionen mit 98,5 Punkten vorn, growney beim Kundenservice mit 98,5.
- Sechs Anbieter erreichen „Top“, fünf „Sehr gut“, sechs „Gut“. Zwischen Rang 1 und Rang 17 liegen 22,9 Punkte.
- Die Servicegebühren reichen von 0,25 bis 1,18 Prozent pro Jahr. Bei zehn der 17 Anbieter hängt die Höhe an der Anlagesumme, die übrigen nehmen eine Pauschale.
- Zwölf der 17 Anbieter führen zusätzlich nachhaltige Portfolios. In dieser Wertung dreht sich das Ergebnis: Dort liegt bevestor mit 94,9 Punkten vor quirion mit 94,8.
- Die Produktkosten sind fast nie eingerechnet. Nur bei einem der 17 Anbieter stecken die laufenden ETF- und Fondskosten in der Servicepauschale.
Bester Robo-Advisor 2026: quirion gewinnt ohne Kategoriesieg
95,4 Punkte für quirion, 95,1 für bevestor – enger geht es kaum. Der eigentliche Befund dieses Testjahrgangs steckt aber eine Ebene tiefer. Der Testsieger holt in keiner Einzelkategorie den ersten Platz: Rang 2 bei den Konditionen, Platz 4 beim Kundenservice, Position 6 beim Angebot. Genau diese Gleichmäßigkeit entscheidet das Rennen.
Bei den Verfolgern funktioniert das nicht. Ginmon liefert beim Angebot als einziger Anbieter die volle Punktzahl ab, landet gesamt aber nur auf Rang 4. growney gewinnt den Kundenservice mit 98,5 Punkten und dominiert dort das Feld, kommt gesamt trotzdem nicht an quirion vorbei. Am deutlichsten zeigt sich der Effekt bei raisin: Konditionssieger mit 98,5 Punkten – und trotzdem nur Platz 12 in der Gesamtwertung.
Wer einen Robo-Advisor sucht, sollte deshalb zuerst wissen, worauf es ihm ankommt. Ein Spitzenwert in einer Kategorie sagt wenig darüber aus, wie sich der Anbieter im Alltag schlägt.
Beste Konditionen: raisin setzt sich ab
98,5 Punkte für raisin – und trotzdem nur Rang 12 in der Gesamtwertung. Das ist kein Widerspruch, sondern eine Folge der Gewichtung: Konditionen zählen 40 Prozent, aber Angebot und Service eben auch.
Fast alle untersuchten Robo-Advisors erheben eine Service- oder Grundgebühr, mit der die Leistungen der digitalen Vermögensverwaltung abgedeckt sind. Die Spanne ist erheblich. growney und raisin nehmen jeweils 0,25 Prozent pro Jahr, im teuersten Fall zahlen Kunden 1,18 Prozent. Bei zehn der 17 Anbieter richtet sich die Gebühr nach der Anlagesumme, die übrigen berechnen eine einheitliche Pauschale.
Was in dieser Pauschale steckt, unterscheidet sich weniger als erwartet. Depoteröffnung, Depotführung, Depotauflösung und Transaktionskosten sind bei allen 17 Anbietern entweder in der Servicegebühr enthalten oder fallen gar nicht erst an. Die eigentliche Trennlinie verläuft an anderer Stelle: Die produktinternen Kosten der eingesetzten ETFs und Fonds kommen bei 16 der 17 Anbieter obendrauf. Nur raisin rechnet sie in die Pauschale ein – und gewinnt damit diese Kategorie.
Tipp: Der Vergleich zweier Servicegebühren führt in die Irre, solange Sie nicht wissen, ob die Produktkosten enthalten sind. Rechnen Sie mit der Gesamtkostenquote, nicht mit der beworbenen Gebühr.
Bestes Angebot: Ginmon fährt die glatte 100 ein
Kein anderer Anbieter im Test erreicht die volle Punktzahl – Ginmon schon. Der Frankfurter Robo-Advisor stellt 21 unterschiedliche Portfolios bereit und ordnet Kunden anhand von 20 Kriterien und 14 Fragen einer Anlagestrategie zu. Wer möchte, kann anschließend ein Portfolio mit höherem oder niedrigerem Risikoniveau wählen.
Der Abstand nach unten ist beträchtlich: growney folgt mit 96,7 Punkten, bevestor mit 94,7, Scalable Capital mit 94,6.
Bei den Grundfunktionen zeigt sich das Feld dagegen einheitlich. Alle 17 Robo-Advisors ermöglichen sowohl Einmalanlagen als auch Sparpläne, und alle lassen sich pausieren. Eine vorzeitige Auflösung des Portfolios ist überall möglich. Auch über die angebotenen Portfolios und Anlagestrategien informieren die Anbieter ihre Kunden vor dem Abschluss. Bei zehn der 17 Anbieter überprüfen zusätzlich hauseigene Experten regelmäßig die Zusammensetzung der Portfolios und passen sie bei Bedarf an.
Unterschiede entstehen also vor allem bei der Auswahl und der Ausgestaltung der Anlagelösungen – nicht bei der Frage, ob Sie monatlich sparen können.
Bester Kundenservice: growney nimmt nach acht Sekunden ab
Acht Sekunden Wartezeit in der Telefonschleife – das ist der Bestwert im Test und gehört growney. Zum Vergleich: Im Durchschnitt aller Anbieter warteten die Tester rund drei Minuten. Bei E-Mail-Anfragen lag die durchschnittliche Antwortzeit bei 18 Stunden und 53 Minuten, am schnellsten reagierte Warburg Navigator nach 38 Minuten.
Der Kundenservice ist die Kategorie, in der die Anbieter am weitesten auseinanderliegen – bei der Erreichbarkeit ebenso wie bei der Reaktionszeit. Bemerkenswert ist eine Auffälligkeit an der Spitze: VisualVest schafft es in der Gesamtwertung auf Rang 6, taucht in der Service-Spitzengruppe aber nicht auf. Umgekehrt gilt das für cominvest, das gesamt nur Siebter ist und beim Service auf Platz 2 landet.
Nachhaltige Robo-Advisors: bevestor gewinnt um ein Zehntel
Zwölf der 17 Anbieter führen neben den klassischen auch nachhaltige Portfolios. Rechnet man diese Variante getrennt aus, verschiebt sich die Spitze: In der Nachhaltig-Wertung gewinnt bevestor mit 94,9 Punkten – vor quirion mit 94,8 und Ginmon mit 94,7. Drei Anbieter innerhalb von zwei Zehnteln.
Fünf Anbieter treten ausschließlich klassisch an und tauchen in dieser Wertung nicht auf: Minveo, raisin, Fidelity Wealth Expert, easyfolio und Warburg Navigator.
Wenn Sie gezielt nachhaltig anlegen möchten, lohnt der Blick auf die Kriterien dahinter. Die Anbieter definieren Nachhaltigkeit sehr unterschiedlich – ESG-Kriterien und Negativ-Screening sind weit verbreitet, EU-Taxonomie, SFDR-Klassifizierung oder ein Best-in-Class-Ansatz längst nicht bei allen.
So haben wir getestet
Für diesen Robo-Advisor-Vergleich hat BÖRSE ONLINE das Deutsche Kundeninstitut (DKI) zum zehnten Mal mit einer umfassenden Untersuchung beauftragt. Zwischen Mai und Juli 2026 nahm das DKI die Anbieter unter die Lupe und bewertete sie anhand von 468 Einzelkriterien. Teilnahmevoraussetzung war, dass die Anbieter nicht nur Anlagevorschläge unterbreiten, sondern diese auch direkt in komplette Portfolios umsetzen. In diesem Vergleich zeigen wir die 17 Anbieter mit klassischen Portfolios.
- Datenerhebung: Befragungen der Anbieter, verdeckte Anrufe (Mystery Calls) und E-Mail-Anfragen. Zusätzlich wurden Internetseiten und Social-Media-Aktivitäten ausgewertet. Insgesamt kam es zu 357 Kundenkontakten.
- Angebot (40 Prozent): Anzahl der angebotenen Portfolios, mögliche Anlagesummen, Anzahl der Risikoklassen. Zudem wurde erfasst, wie umfänglich die Situation der Kunden erfragt wird.
- Konditionen (40 Prozent): Um Vergleichbarkeit herzustellen, hat das DKI Musterfälle konstruiert – Einmalanlagen von 10.000, 50.000 und 250.000 Euro, Sparpläne mit 50 beziehungsweise 250 Euro pro Monat sowie eine Kombination aus beidem.
- Kundenservice (20 Prozent): Qualität der Kommunikation über Hotline und E-Mail. Auch Informationsgehalt und Nutzen von Homepage und Social-Media-Aktivitäten flossen ein.
Notenskala: ab 91,0 Punkten „Top“, ab 85,0 „Sehr gut“, ab 72,3 „Gut“, ab 61,4 „Befriedigend“, ab 52,2 „Ausreichend“, ab 44,4 „Mangelhaft“, darunter „Ungenügend“.
Was der Test nicht misst
Eine Angabe fehlt in diesem Vergleich bewusst: die Rendite. Der Test bewertet Angebot, Konditionen und Service – also das, was ein Anbieter zusagt und liefert. Er misst nicht, wie sich die Portfolios an der Börse geschlagen haben.
Das hat einen Grund. Robo-Advisors legen je nach Risikoklasse völlig unterschiedlich an, die Portfolios wechseln, und Anbieter veröffentlichen ihre Zahlen nach uneinheitlichen Standards. Eine Renditetabelle über 17 Anbieter würde Vergleichbarkeit vortäuschen, die es nicht gibt. Aus unserer Sicht ist die Kostenquote ohnehin die belastbarere Größe: Sie steht heute fest, während die Rendite eine Erwartung bleibt.
Was ist ein Robo-Advisor?
Ein Robo-Advisor ist ein digitaler Vermögensverwalter, der die Geldanlage weitgehend automatisiert organisiert. Häufig wird das Angebot auch als digitale Vermögensverwaltung bezeichnet. Dahinter steckt keine eigenständig handelnde Maschine, sondern eine von Vermögensverwaltern entwickelte Software. Sie erstellt auf Basis von Algorithmen und festgelegten Regeln eine Investmentstrategie, die zu den Zielen und der Risikobereitschaft des Kunden passt.
Bevor der Robo-Advisor arbeiten kann, beantworten Sie eine Reihe von Fragen: wie lange das Geld angelegt werden soll, wo investiert wird und wie Sie mit möglichen Verlusten umgehen. Aus diesen Angaben entsteht ein Anlegerprofil, aus dem Profil ein Portfoliovorschlag.
Der wesentliche Vorteil des regelbasierten Ansatzes liegt in der emotionslosen Entscheidungsfindung. Robo-Advisors folgen einer zuvor festgelegten Strategie, statt sich von Angst oder Gier treiben zu lassen. Gerade in turbulenten Marktphasen kann sich das auszahlen – Anleger neigen bei fallenden Kursen dazu, Positionen vorschnell zu verkaufen, und bei stark steigenden Kursen zu übermäßigen Investitionen.
Verschiebt sich das Verhältnis zwischen Aktien und Anleihen im Portfolio zu stark, passt der Robo-Advisor die Aufteilung im Rahmen des sogenannten Rebalancings wieder an. Sie müssen also nicht monatlich prüfen, ob Ihr Depot noch zur ursprünglichen Strategie passt.
Vorteile und Nachteile im Überblick
Dafür spricht
- Automatisches Rebalancing ohne eigenes Zutun
- Regelbasierte Strategie statt emotionaler Entscheidungen
- Breite Streuung über Länder und Branchen ab kleinen Beträgen
- Depotführung, Transaktionen und Depotauflösung bei allen getesteten Anbietern in der Servicegebühr enthalten
- Sparplan und Einmalanlage überall möglich, Sparraten überall pausierbar
Dagegen spricht
- Die Servicegebühr kommt zu den Produktkosten hinzu – ein selbst gebautes ETF-Depot ist günstiger
- Die produktinternen Kosten sind bei 16 der 17 Anbieter nicht in der Pauschale enthalten
- Kein Einfluss auf einzelne Positionen im Portfolio
- Die Qualität des Kundenservice schwankt erheblich
- Vergangene Renditen lassen sich zwischen den Anbietern kaum belastbar vergleichen
Für wen sich ein Robo-Advisor lohnt
Ein Robo-Advisor ist keine Abkürzung zu höherer Rendite. Er ist eine Abkürzung zu weniger Aufwand – und dafür zahlen Sie. Die Frage ist also nicht, ob der Robo-Advisor besser anlegt als Sie selbst, sondern ob Ihnen die Arbeit, die er abnimmt, den Preis wert ist.
Für Anleger, die sich nicht mit Assetklassen, Gewichtungen und Rebalancing befassen möchten, ist die Antwort meist ja. 14,1 Millionen Menschen waren 2025 in Deutschland direkt oder indirekt in Aktien, Aktienfonds oder ETFs investiert – allein an handelbaren ETFs stehen knapp 3.000 zur Auswahl. Diese Vorauswahl abzugeben, hat einen Wert.
Wer dagegen bereits weiß, welche Bausteine er will, fährt mit einem eigenen Depot günstiger. Welche Anbieter dafür infrage kommen, zeigt unser Depot-Vergleich. Und der Teil des Vermögens, der kurzfristig verfügbar bleiben soll, gehört ohnehin nicht in ein Portfolio mit Aktienquote – dafür ist ein Tagesgeldkonto der passende Ort. Die aktuellen Konditionen finden Sie in unserem Tagesgeld-Vergleich.
Robo-Advisor eröffnen: Schritt für Schritt
- Anbieter auswählen. Vergleichen Sie nicht nur die Gesamtwertung, sondern die Kategorie, die für Sie zählt. Wer viel telefoniert, achtet auf den Service; wer große Summen einmalig anlegt, auf die Konditionen.
- Anlegerprofil ausfüllen. Anlagedauer, Anlagesumme, Risikobereitschaft und Vorerfahrung werden abgefragt. Antworten Sie ehrlich – das Ergebnis bestimmt Ihre Portfolioklasse.
- Portfolio prüfen. Sie erhalten einen Vorschlag mit einer konkreten Aufteilung. Bei vielen Anbietern können Sie anschließend eine höhere oder niedrigere Risikoklasse wählen.
- Depot eröffnen und legitimieren. Die Identifizierung läuft in der Regel per Video-Ident oder eID und dauert wenige Minuten.
- Einzahlen oder Sparplan einrichten. Beides ist bei allen getesteten Anbietern möglich, und beides lässt sich später anpassen oder pausieren.
- Freistellungsauftrag erteilen. So bleiben Erträge bis zum Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro pro Person steuerfrei.
Häufige Fragen zum Robo-Advisor-Vergleich
Welcher Robo-Advisor ist der beste?
In unserem Test 2026 gewinnt quirion mit 95,4 von 100 Punkten, knapp vor bevestor (95,1) und growney (94,5). quirion überzeugt nicht durch einen Spitzenwert, sondern durch gleichmäßig hohe Wertungen in allen drei Kategorien.
Wie viel kostet ein Robo-Advisor?
Die Servicegebühren im Test reichen von 0,25 bis 1,18 Prozent pro Jahr. Hinzu kommen bei 16 der 17 Anbieter die produktinternen Kosten der eingesetzten ETFs und Fonds. Depotführung, Transaktionen und Depotauflösung sind dagegen überall in der Gebühr enthalten.
Welche Nachteile hat ein Robo-Advisor?
Sie zahlen eine Servicegebühr, die bei einem selbst gebauten ETF-Depot entfällt, und Sie geben die Kontrolle über einzelne Positionen ab. Außerdem schwankt die Servicequalität stark – bei der Telefonhotline reicht die Spanne von acht Sekunden Wartezeit bis zu mehreren Minuten.
Welcher Robo-Advisor hat die beste Rendite?
Diese Frage lässt sich seriös nicht beantworten. Robo-Advisors legen je nach Risikoklasse völlig unterschiedlich an, und die Anbieter veröffentlichen ihre Ergebnisse nach uneinheitlichen Standards. Unser Test bewertet deshalb Angebot, Konditionen und Service – nicht die Wertentwicklung.
Welcher Robo-Advisor ist für nachhaltige Geldanlage am besten?
In der separaten Nachhaltig-Wertung liegt bevestor mit 94,9 Punkten vorn, dicht gefolgt von quirion (94,8) und Ginmon (94,7). Zwölf der 17 getesteten Anbieter führen neben klassischen auch nachhaltige Portfolios.
Lohnt sich ein Robo-Advisor gegenüber einem eigenen ETF-Depot?
Rein nach Kosten gerechnet: nein. Ein selbst zusammengestelltes ETF-Depot ist günstiger. Der Robo-Advisor nimmt Ihnen dafür Auswahl, Überwachung und Rebalancing ab. Ob sich das rechnet, hängt davon ab, wie viel Zeit und Sicherheit Ihnen diese Aufgaben wert sind.
Fazit: So finden Sie den passenden Robo-Advisor
Der Testjahrgang 2026 zeigt ein Feld, das oben eng zusammengerückt ist: drei Zehntel zwischen Platz 1 und 2, sechs Anbieter mit der Note „Top“, keiner schlechter als „Gut“. quirion gewinnt, weil der Anbieter in keiner Kategorie schwächelt – nicht, weil er irgendwo brilliert. Wer Wert auf einen erreichbaren Service legt, findet bei growney den klaren Kategoriesieger. Wer die größte Auswahl an Portfolios sucht, bei Ginmon. Wer auf die Kosten schaut, bei raisin. Und wer nachhaltig anlegt, bei bevestor. Entscheidend bleibt die Kostenfrage: Vergleichen Sie nicht die beworbene Servicegebühr, sondern die Gesamtkosten inklusive der Produktkosten.
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