Wenn dieser DAX-Konzern am Mittwoch (6. Mai) seine Zahlen für das erste Quartal vorlegt, könnte die Aktie zu einem Zwischenspurt ansetzen. Zumindest dann, wenn man den Prognosen der Analysten glaubt – denn die sind überaus optimistisch.
Vorstandschef Michael Sen hat den DAX-Konzern Fresenius in den vergangenen Jahren grundlegend umgebaut und neu ausgerichtet. Als Kerngeschäfte verblieben die Aktivitäten des Krankenhausbetreibers Helios sowie die auf klinische Flüssignahrung, biotechnologisch hergestellte Nachahmermedikamente (Biosimilars) und Medizintechnik spezialisierte Tochter Kabi. Für die Neuaufstellung wurden Randaktivitäten abgestoßen, die Verflechtung mit Fresenius Medical Care (FMC) gelöst und die Kosten gesenkt. Nach einer längeren Schwächephase hat sich die operative Entwicklung des DAX-Konzerns seither deutlich gebessert.
2025 kletterte das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (bereinigtes Ebit) um etwas mehr als vier Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Dabei profitierte der Konzern insbesondere von einem starken Lauf bei Kabi und Einsparungen bei Helios.
Profiteur der US-Zölle
Sen hat mittlerweile offiziell den Konzernumbau für beendet erklärt und setzt für 2026 auf eine Welle neuer Produktanläufe bei Kabi. Dafür stehen in diesem Jahr verstärkte Investitionen in Produktinnovationen an, auch die Digitalisierung im Krankenhausbereich soll vorangetrieben werden. Hier hatte Fresenius im Januar eine Partnerschaft mit SAP angekündigt. Gleichzeitig könnte Kabi die geänderte Regulatorik in den USA künftig in die Hände spielen: Dort sind Nachahmermedikamente weiterhin dort von Zöllen ausgenommen.
Fresenius rechnet laut seiner Prognose von Ende Februar für 2026 mit einem organischen Umsatzplus von vier bis sieben Prozent. Damit würden die Konzernerlöse bestenfalls so stark wachsen wie im vergangenen Jahr. Zugleich soll der Kerngewinn je Aktie – eine bereinigte Kennziffer, aus der die FMC-Beteiligung ausgeklammert ist – ohne Wechselkurseffekte um fünf bis zehn Prozent steigen. Die Profitabilität will Sen in etwa auf dem Vorjahresniveau halten.
Analysten rechnen mit Fortschritten
Die Analysten trauen Fresenius auch in diesem Jahr weiteres Wachstum zu und rechnen bereits für das erste Quartal mit Fortschritten. Laut einer vom Unternehmen selbst in Auftrag gegebenen Umfrage erwarten die Experten im Schnitt für die ersten drei Monate einen Umsatzanstieg um drei Prozent auf gut 5,8 Milliarden Euro. Organisch dürfte der Zuwachs mit 5,2 Prozent im Rahmen der Jahresprognose des Konzerns liegen.
Vor Zinsen und Steuern rechnen die Börsenexperten mit einem Ergebnis von knapp 682 Millionen Euro, nach 654 Millionen im Jahr zuvor. Die Marge dürfte demnach einen Hauch höher liegen als im Vorjahresquartal. Der Kerngewinn je Aktie wird um drei Cent höher bei 77 Cent erwartet. Unter dem Strich dürfte der um Sondereffekte bereinigte Gewinn damit um gut drei Prozent auf 505,8 Millionen Euro gestiegen sein.
Als Wachstumstreiber gilt bei Fresenius weiterhin Kabi; vor allem dank neuer Produkte etwa im Bereich klinische Ernährung und Biosimilars. Bei der Krankenhaustochter Helios seien dagegen die Vergleichswerte aus dem Vorjahr eine hohe Hürde, gibt Analyst David Adlington von der US-Bank JPMorgan zu bedenken.
Aktienkurs hat einiges aufzuholen
Die Fresenius-Aktie belasteten zuletzt vornehmlich Sorgen von Investoren hinsichtlich möglicher negativer Auswirkungen der kürzlich beschlossenen Krankenhausreform in Deutschland. Analyst Graham Doyle von der Schweizer Bank UBS hält den Abschlag, der Fresenius seit Mitte Februar 20 Prozent an Börsenwert kostete, aber für übertrieben. Eine genauere Einschätzung zum Thema wird nun am Mittwoch von Fresenius-Chef Sen erwartet.
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