Der DAX schwächelt am Donnerstag leicht. Das bewegt den deutschen Leitindex an. Außerdem im Fokus: Iran, USA, Rheinmetall, Puma, Raumfahrt-ETF, Delivery Hero und Datencenter.
Die sich wieder verschärfende Auseinandersetzung im Nahen Osten hat den Dax am Donnerstag wenig beeindruckt. Im frühen Handel verlor der vorbörslich noch schwächere deutsche Leitindex lediglich 0,15 Prozent auf 25.141 Punkte. Damit bleibt das Rekordhoch bei 25.507 Punkten, dem er sich zuletzt genähert hatte, in Sichtweite.
Der MDax mit den mittelgroßen Börsenunternehmen sank am Donnerstagmorgen um 0,14 Prozent auf 32.965 Punkte. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 0,2 Prozent nach unten. Die Ölpreise zogen in Reaktion auf die jüngsten Entwicklungen im Iran-Krieg wieder deutlich an.
Aktien Deutschland
Puma
Die US-Investmentbank Bank of America (BofA) hat das Kursziel für Puma von 26 auf 27 Euro angehoben, die zuletzt stark erholten Aktien aber von "Neutral" auf "Underperform" abgestuft. Inzwischen sei zu viel Optimismus eingepreist, schrieb Thierry Cota am Donnerstag. Er rechnet zudem nicht mit einer Komplettübernahme durch den neuen Großaktionär Anta. Mit seinem neuen Kursziel gehe er beim Gewinn bis 2030 ohnehin schon von einer Rückkehr auf Rekordniveau aus. Puma-Aktien kosten an der Börse aber aktuell fast 30 Euro.
Rheinmetall und deutsche Rüstungswerte legen deutlich zu
Rheinmetall-Aktien stiegen am Morgen um bis zu 3,6 Prozent auf den höchsten Stand seit fast drei Wochen, begleitet von kräftigen Gewinnen bei anderen deutschen Rüstungsunternehmen wie TKMS mit plus 4,2 Prozent, Renk mit plus 2,7 Prozent und Hensoldt mit plus 1,5 Prozent. Unterstützend wirkte die Meldung, dass Rheinmetall mehr als 2.000 militärische Transportfahrzeuge im Wert von rund einer Milliarde Euro ausliefert. Die Rüstungsbranche profitiert weiterhin von der anhaltend hohen Nachfrage nach Verteidigungsgütern infolge gestiegener europäischer Verteidigungsausgaben.
Delivery Hero
Der US-Fahrdienstvermittler Uber hat seinen Anteil am deutschen Lieferdienstkonzern Delivery Hero im Übernahmepoker deutlich ausgebaut. Der direkte Anteil von Uber sei zu Wochenbeginn von 19,5 auf 24,99 Prozent gestiegen, hieß es in einer Stimmrechtsmitteilung des Berliner MDax-Konzerns am Mittwoch nach Börsenschluss. Inklusive Wertpapier-Instrumenten hat sich Uber demnach den Zugriff auf Stimmrechte im Umfang von 36,83 Prozent gesichert.
Monique Pollard von der US-Bank Citigroup erwartet, dass die Aufstockung der direkten Beteiligung von Uber den Aktienkurs des Essenslieferanten kaum bewegen dürfte. Denn die Delivery-Hero-Papiere notierten bereits über allen bisher im Raum stehenden Geboten.
Die Delivery-Hero-Aktie büßte am Donnerstagmorgen zuletzt 3,6 Prozent auf 37,95 Euro ein und gehörte damit zu den größten Verlierern im MDax. Zuvor hatte sie ihren Wert seit Mitte Mai angetrieben von den Übernahmespekulationen in etwa verdoppelt.
Am vergangenen Wochenende hatte Delivery Hero mitgeteilt, der US-Konzern sei mit einem Angebot von 33 Euro je Aktie auf die Gesellschaft zugekommen. In der Folge war der Aktienkurs am Montag mit der Spekulation auf einen Bieterkampf deutlich über diese Marke hinaus gestiegen.
Wie aus einer weiteren Stimmrechtsmitteilung der Berliner hervorging, reduzierte der weitere Großaktionär Aspex Fund seine Beteiligung ebenfalls am Montag von 14,55 Prozent auf 7,56 Prozent der Anteile. Laut Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg verkaufte Aspex Anteile an Uber, und das für knapp unter 40 Euro. Bloomberg berief sich auf mit der Sache vertraute Personen.
Aspex gilt als aktivistischer Investor. Der Fonds aus Hongkong hatte laut Bloomberg den Verkauf von Geschäftsteilen gefordert. Im Dezember war Delivery Hero auf kritische Investoren zugegangen und hatte mitgeteilt, den Verkauf von Unternehmensteilen zu prüfen. Dies reichte offenbar nicht: Vor rund zwei Wochen kündigte der langjährige Chef Niklas Östberg an, die Leitung des Unternehmens spätestens bis Ende März 2027 abzugeben. Aspex hatte seinen Abgang gefordert.
In Medienberichten wie in der "Financial Times" hatte es bereits am Wochenende unter Berufung auf Insider geheißen, dass Uber auch an große Anteilseigner der Berliner herangetreten sei mit der Bereitschaft, 38 Euro je Papier zu zahlen. Wie die Zeitung berichtete, wollten viele Investoren aber einen Preis von 40 Euro sehen. Auch sei Ubers US-Rivale Doordash <US25809K1051> auf Anteilseigner der Berliner zugegangen. Doordash sei vorwiegend an den Delivery-Hero-Marken Talabat und HungerStation im Nahen Osten interessiert, aber auch am türkischen Geschäft der Marke Yemeksepeti.
Im März hatte Delivery Hero den Verkauf seines Taiwan-Geschäfts an den Konzern Grab aus Singapur für 600 Millionen US-Dollar (rund 516 Mio Euro) ohne Schulden und Barmittel angekündigt. Der Deal soll in der zweiten Jahreshälfte vollzogen werden. Delivery Hero will den Verkaufserlös zur Schuldentilgung und für allgemeine Unternehmenszwecke verwenden.
Delivery Hero hat seinen Sitz in Berlin, ist aber seit dem Verkauf des Deutschland-Geschäfts an Just Eat Takeaway hierzulande nicht mehr im operativen Geschäft aktiv. Das Unternehmen zählt allerdings wegen der starken Präsenz in Asien, Südeuropa, der arabischen Halbinsel und Afrika zu den weltweit größten Essenslieferdiensten. Uber betreibt mit Uber Eats selbst einen Essenslieferdienst - unter anderem auch in vielen Städten Deutschlands.
Türöffner für die strategischen Veränderungen bei Delivery Hero war der Teilrückzug des ehemals größten Anteilseigners Prosus. Die niederländische Beteiligungsgesellschaft hatte wegen Wettbewerbsbedenken der Europäischen Kommission im Rahmen der Übernahme von Just Eat Takeaway zugestimmt, ihren Anteil an den Berlinern großteils abzugeben. So hatten Uber und Aspex vor einigen Wochen erst mit Paketen von Prosus ihre Beteiligungen an Delivery Hero aufgestockt.
Aktien international
Ohio stoppt Steuervorteile für neue Rechenzentren
Der US-Bundesstaat Ohio setzt die Vergabe neuer Steuererleichterungen für Rechenzentren vorerst aus, nachdem Gouverneur Mike DeWine einen Prüfstopp angeordnet hat, bis ein parlamentarischer Ausschuss die wirtschaftlichen Auswirkungen des rasanten Rechenzentrumsbooms untersucht hat. Es handelt sich nicht um ein generelles Verbot, sondern um eine Pause bei neuen Antragsbearbeitungen – bestehende Genehmigungen bleiben davon unberührt. Ohios Rechenzentren hatten zuletzt Gesamtinvestitionen von 27,2 Milliarden Dollar für 2025 gemeldet, was die wachsende politische Debatte über Kosten und Nutzen der staatlichen Förderung solcher Projekte widerspiegelt.
ByteDance entwickelt eigene KI-Chips – TikTok-Mutter will unabhängiger werden
TikTok-Mutterkonzern ByteDance arbeitet laut Reuters an eigenen CPUs für seine KI-Infrastruktur, um sich von steigenden Chippreisen und anhaltenden Lieferengpässen unabhängiger zu machen. Das Projekt befindet sich noch in einer frühen Phase, und ByteDance sucht externe Partner für Chip-Design und Fertigungskapazitäten. Der Schritt reiht sich in einen Branchentrend ein: Auch Amazon, Google und Microsoft entwickeln eigene Prozessoren, um Kosten zu senken und die Abhängigkeit von Nvidia zu reduzieren.
AWS hängt Cloud-Konkurrenz dank Anthropic-Boom ab
Amazon Web Services profitiert laut einer Semianalysis-Studie als einziger großer Cloud-Anbieter von steigenden Margen – maßgeblich getrieben durch den explosiven Anstieg der Nutzung von Anthropics Claude-Modellen über die AWS-Bedrock-Plattform. Anthropic steigerte seinen jährlich wiederkehrenden Umsatz im ersten Quartal um 21 Milliarden auf 30 Milliarden Dollar, angetrieben vor allem durch den Unternehmenseinsatz von Claude Code. Während Konkurrenten wie Azure, Oracle und CoreWeave mit sinkenden oder stagnierenden Margen kämpfen, verzeichnete AWS im ersten Quartal einen Margenanstieg von 213 Basispunkten.
Weltraum-ETFs gefragt
Ein Riesenthema ist aktuell die Raumfahrt, wie alle Händler berichten. Dabei konzentriert sich das Interesse auf den VanEck Space Innovators (IE000YU9K6K2), auf den im großen Stil gesetzt wird. Auslöser: der Börsengang von Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX im Juni. "Es wird davon ausgegangen, dass SpaceX in den ETF aufgenommen wird", bemerkt Schröer. Der im Juni 2022 aufgelegte VanEck Space Innovators investiert weltweit in Unternehmen aus der Raumfahrtindustrie. Seit Mai 2025 hat sich der Kurs fast vervierfacht, mittlerweile ist der ETF 1,6 Milliarden US-Dollar schwer. US-Werte machen 65 Prozent am Portfolio aus, mit großem Abstand folgen Japan (8 Prozent) und Taiwan (4 Prozent). Größte Positionen Ende April: das Erdbeobachtungsunternehmen Planet Labs, das für seine Trägersysteme bekannte Rocket Lab und das Satellitenunternehmen Viasat, alle drei aus den USA.
Enthält Material von dpa-AFX
Häufig gestellte Fragen
Wie weit ist die Übernahme von Delivery Hero durch Uber fortgeschritten?
Uber hat seinen direkten Anteil an Delivery Hero auf 24,99 Prozent ausgebaut und sich inklusive Wertpapier-Instrumenten den Zugriff auf Stimmrechte von 36,83 Prozent gesichert. Das ursprüngliche Angebot von 33 Euro je Aktie liegt jedoch deutlich unter dem aktuellen Kurs, und viele Investoren fordern laut Financial Times mindestens 40 Euro. Parallel dazu ist auch Ubers US-Rivale Doordash an Teilen des Konzerns interessiert, was einen Bieterwettbewerb möglich macht.
Warum steigen Raumfahrt-ETFs aktuell so stark?
Der bevorstehende Börsengang von SpaceX im Juni sorgt für enormes Interesse an Raumfahrt-Investments. Anleger setzen insbesondere auf den VanEck Space Innovators ETF, da erwartet wird, dass SpaceX nach dem IPO in den Fonds aufgenommen wird. Seit Mai 2025 hat sich der Kurs des ETF fast vervierfacht, das verwaltete Vermögen liegt mittlerweile bei rund 1,6 Milliarden US-Dollar.
Warum legen Rheinmetall und andere deutsche Rüstungsaktien wieder deutlich zu?
Rheinmetall stieg am Donnerstag um bis zu 3,6 Prozent auf den höchsten Stand seit fast drei Wochen, begleitet von kräftigen Gewinnen bei TKMS, Renk und Hensoldt. Neben der Meldung über die Auslieferung von mehr als 2.000 militärischen Transportfahrzeugen im Wert von rund einer Milliarde Euro profitiert die gesamte Branche weiterhin von der anhaltend hohen Nachfrage infolge gestiegener europäischer Verteidigungsausgaben.