Die Forderung der US-Behörden über 14 Milliarden Dollar für dubiose Hypothekengeschäfte seien eine extrem schlechte Nachricht für die Deutsche Bank gewesen, schrieb Analyst Andrew Lim in einer Studie vom Montag.

Er habe den deutschen Branchenprimus bereits zuvor für deutlich unterkapitalisiert gehalten und Löcher von 12,5 Milliarden Euro gesehen. Bislang sei er aber noch davon ausgegangen, dass die US-Strafe aus den gebildeten Rückstellungen von rund 5,5 Milliarden Euro gestemmt werden könne. Eine deutlich höhere Vergleichszahlung würde bedeuten, dass die Bank nun schon allein für diesen Fall eine Kapitalerhöhung benötige. Insgesamt könnte sich der Kapitalbedarf auf rund 20 Milliarden Euro belaufen - und damit mehr als die rund 18 Milliarden Euro, die sie derzeit an der Börse wert sei.

Lim rechnet damit, dass die Bank selbst bei einer heruntergehandelten Bußgeld-Zahlung von 10 Milliarden Dollar noch eine Kapitalerhöhung braucht. Die Bank hatte am Freitag allerdings suggeriert, dass sie die Zahlung in den nun anstehenden Verhandlungen weit stärker drücken kann. Sie erwarte ein Verhandlungsergebnis, "das im Bereich ihrer Wettbewerber liegt, die sich mit dem US-Justizministerium bereits auf deutlich niedrigere Beträge geeinigt haben", hatte die Bank mitgeteilt. Kolportiert wurde eine Summe zwischen zwei Milliarden und drei Milliarden Dollar.

Sorgen macht sich der Analyst zudem um die Zinszahlungen auf die sogenannten Coco-Anleihen. Eine hohe US-Buße könnte dazu führen, dass die Bank nicht mehr genug Geld habe, um diese eigenkapitalähnlichen Schuldscheine zu bedienen. Bei diesen für Investoren sehr riskanten Papieren haben Banken einen größeren Spielraum als bei normalen Anleihen. Zu Jahresbeginn hatten Sorgen um die sogenannte Auszahlungskapazität die Coco-Bonds der Deutschen Bank bereits heftig einbrechen lassen. Das Kreditinstitut hat seinen Aktionären bereits die Dividende in diesem und im kommenden Jahr gestrichen.

Lim empfiehlt angesichts des neuerlichen Rückschlags weiterhin, die Aktien der Deutschen Bank zu verkaufen. Er sieht einen Boden erst bei 10,50 Euro. Am Montagvormittag notierte das Papier im Tief bei 11,68 Euro, konnte sich aber zuletzt wieder etwas erholen./enl/das/zb