Auch damit könnten günstige Finanzierungsbedingungen bewahrt werden. "Die Erholung der Wirtschaft des Euroraums schreitet zunehmend voran", begründete Lagarde den Schritt. Bis Ende dieses Jahres werde die Wirtschaftsleistung voraussichtlich das Niveau von vor der Pandemie übertreffen.

Anleger reagierten mit Erleichterung auf die Beschlüsse. Der deutsche Leitindex Dax und der europäische Börsenindex EuroStoxx50 grenzten ihre Verluste ein und notierten zuletzt jeweils kaum verändert. Ökonomen äußerten sich positiv. "Es ist gut, dass sich der EZB-Rat bewegt und einen allerersten Trippelschritt auf dem langen Weg zu einem Ende der Anleihekäufe unternimmt," sagte Friedrich Heinemann vom Forschungsinstitut ZEW. "Ein einfaches 'Weiter so' würde der Reputation der EZB schaden." Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe merkte an, die EZB werde "weniger peppig". Ein Ende der Käufe sei aber noch nicht in Sicht.

Das auf insgesamt 1,85 Billionen Euro angelegte PEPP-Programm ist eines ihrer Hauptinstrumente, um den Kreditfluss an die Wirtschaft während der Covid-Krise zu stützen. Ziel ist es, während der Pandemie günstige Finanzierungsbedingungen für Unternehmen, Staaten und Haushalte zu bewahren. Zuletzt wurden im Rahmen von PEPP Staatsanleihen und andere Wertpapiere im Volumen von monatlich rund 80 Milliarden Euro erworben. Damit hatten die Währungshüter im Vergleich zu den Anfangsmonaten des Jahres ein deutlich höheres Kauftempo vorgelegt. Insidern zufolge wurde nun auf der Zinssitzung ein flexibles monatliches Kaufziel innerhalb einer Spanne von 60 bis 70 Milliarden Euro vereinbart. Die PEPP-Käufe sollen noch bis mindestens Ende März 2022 fortgesetzt werden.

"Es war eine einstimmige Entscheidung in allen Aspekten", sagte Lagarde. Einen Grundsatzbeschluss über eine künftige Einstellung des Notfall-Programms fällte die EZB noch nicht. "Die Lady macht kein Tapering", sagte sie in Anspielung auf einen berühmten Spruch der ehemaligen britischen Premierministerin Margaret Thatcher. Mit dem Begriff "Tapering" wird in der Fachwelt ein langsames Herunterfahren der Anleihenkäufe auf null bezeichnet. "Wir haben nicht darüber gesprochen, was als nächstes kommt", sagte sie. Dies werde in den kommenden Monaten vorbereitet. Im Dezember, wenn die EZB-Volkswirte ihre nächsten aktualisierten Konjunkturprognosen vorlegen, könne die Zeit zur Aussprache über "interessantere Themen" gekommen sein, sagte Lagarde.

EZB-Chefvolkswirt Philip Lane hatte unlängst signalisiert, dass die Anleihenkäufe auch nach einem Ende von PEPP nicht abrupt gestoppt werden. Parallel zu PEPP läuft derzeit noch ein älteres, "APP" genanntes Anleihenprogramm, dessen anvisierte monatliche Kaufvolumina von 20 Milliarden Euro aber deutlich geringer sind.

MEHR WACHSTUM DIESES JAHR - UND AUCH MEHR INFLATION


Die Notenbank-Volkswirte sagten am Donnerstag in ihren neuesten Prognosen für dieses Jahr nun ein Wirtschaftswachstum von fünf Prozent im Euro-Raum voraus. Noch im Juni erwarteten sie 4,6 Prozent. Für die Inflation rechnen sie 2021 jetzt sogar mit 2,2 Prozent statt 1,9 Prozent wie in der Juni-Prognose. Die Inflationsrate war im August auf 3,0 Prozent hochgeschnellt, den höchsten Wert seit rund zehn Jahren und deutlich über der Zielmarke der Notenbank von zwei Prozent. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann warnte deshalb vor kurzem davor, das Risiko einer zu hohen Inflation nicht auszublenden.

Doch die EZB hält die Entwicklung weiterhin für nicht nachhaltig. "Es wird erwartet, dass der momentane Inflationsanstieg überwiegend vorübergehender Natur ist", sagte Lagarde. Bereits im nächsten Jahr sehen die neuen Projektionen nur noch eine Inflation von 1,7 Prozent im Währungsraum voraus, was sich dann auf 1,5 Prozent 2023 abschwächen werde.

Ihren Leitzins zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld beließ die EZB auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Dort liegt er bereits seit März 2016. Der Einlagesatz bleibt bei minus 0,5 Prozent. Die Geldhäuser müssen daher weiterhin Strafzinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der Notenbank parken. Die Euro-Wächter stellten zudem in Aussicht, nötigenfalls alle Instrumente anzupassen, damit sich die Inflation im Euro-Raum mittelfristig bei der Zielmarke von zwei Prozent stabilisiert.

rtr